8.01.2020
Soziales

Frauenwerk Stein: Geschäftsführerin Michaela Wachsmuth über ihr neues Konzept

"Wegducken is’ nicht – man muss weiterkommen" – Michaela Wachsmuth, seit rund zwei Jahren Geschäftsführerin des Frauenwerks Stein, hat den "Schock" überwunden, dass ihrem Haus zum 1. Januar 2019 die Fachstelle für Frauenarbeit der ELKB wegfällt. In den vergangenen Monaten hat Wachsmuth die selbstständige Vereinigung in der Landeskirche neu aufgestellt. Und blickt jetzt mit einem neuen Konzept optimistisch in die Zukunft.
Michaela Wachsmuth, Geschäftsführerin des Frauenwerks Stein
Michaela Wachsmuth, Geschäftsführerin des Frauenwerks Stein, im erst vor wenigen Wochen neu gestalteten Andachtsraum der Tagesstätte.

Jammern, Ärgern, Nachkarten – dieses Verhalten ist alles nicht Michaela Wachsmuths Ding. Auch wenn sie Anfang 2018 nur wenige Wochen nach Amtsantritt erfahren musste, dass sie und die bei der landeskirchlichen Frauenarbeit Mitarbeitenden sich neu erfinden oder zumindest in anderen Strukturen einfinden müssen. "Wir stehen immer noch an einem absoluten Neubeginn. Viele Ehrenamtliche hatte das eiskalt erwischt", erinnert sich die 49-Jährige.

Doch die Chefin von rund 130 Mitarbeitern im Tagungs- und Gästehaus in Stein, den Kliniken für Frauen- und Familiengesundheit in Oberstdorf und Aschau, der Nürnberger sowie Münchener Familienbildungsstätten, der Nürnberger Familienpflege und der evangelischen Landesgeschäftsstelle des Müttergenesungswerks in Bayern hat sich mit ihrem Team besonnen – auf die Stärken und Kernkompetenzen der über 80 Jahre alten Einrichtung.

Die Frau an sich im ganzheitlichen Fokus

Künftig soll die Frau in ganzheitlicher Betrachtungsweise im Mittelpunkt stehen – als Mutter, als Beschäftigte, als Mensch mit allen geschlechtsspezifischen Gesundheitsanforderungen. Wie das funktionieren soll, liege durch die Struktur des Frauenwerks Stein quasi auf der Hand: Frauen und deren Belange werden in den Kliniken sowie den Bildungsstätten ohnehin besonders betrachtet.

Und es gibt noch Blickwinkel, die man neu einnehmen könne. Beispiel Altenpflege: "Das Thema an sich haben viele Anbieter im Fokus, jedoch eher selten die Bevölkerungsgruppe, die vorwiegend in diesem Beruf arbeitet, nämlich die Frau", sagt Wachsmuth. Vorsorge und Gesundheitsmanagement seien Bereiche, die man künftig intensiver bespielen möchte. Dabei sei im Übrigen nicht zu vergessen: Oft sind Frauen auch die Personen, die zu Hause Angehörige pflegen. Für sie könne es beispielsweise gezielte Kurse und Förderungen im Tagungshaus Stein geben, das mit seinem großen Festsaal und den 60 Betten eine ideale Stätte für Seminare oder kleinere Veranstaltungen sei.

Dort sollen in Zukunft vermehrt Angebote für lebensbegleitende Themen entstehen, die das Haus auch für andere Veranstalter wie Diakonievereine interessant mache. Dazu gehören auch Nachtreffen im Anschluss an Kuren, die der Festigung dienen.

Besinnung auf die eigenen Themen

"Ich sehe uns in dieser Nische. Hier steht jede ihre Frau, und nirgendwo steht die Frau derart im Mittelpunkt", erklärt Wachsmuth selbstbewusst. Zudem sieht sich die mittlerweile auch im Deutschen Frauenrat in Berlin aktive Geschäftsführerin des Frauenwerks mit diesen Überlegungen ganz im Sinne des landeskirchlichen Entwicklungsprozesses "Profil und Konzentration".

Neben der Nabelschau und der Besinnung auf die eigenen Themen habe man in den vergangenen Monaten zudem ganz praktische Arbeit geleistet: Um Personalangelegenheiten sowie Rechnungswesen hatten sich im Frauenwerk bislang externe Dienstleister gekümmert. Jetzt werden diese Bereiche von der Geschäftsstelle in Stein aus, an der insgesamt allein 20 Mitarbeiter beschäftigt sind, erledigt.

Dazu waren einige Schulungen sowie neue EDV und Software nötig. Ein Prozess, den die ELKB unterstützt habe. "Diese Hilfe haben wir natürlich gerne angenommen", meint Wachsmuth. Wegducken is’ eben genauso wenig wie beleidigt sein.

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