19.11.2019
Aktion zum Buß- und Bettag

Häftlinge haben in ihrer Schneiderei 150 Friedensfahnen für den Buß- und Bettag in Fürth genäht

Tischdecken und Bettlaken sind das Rohmaterial für Friedensfahnen in Fürth. 150 von ihnen hängen Bürger am Buß- und Bettag aus ihren Fenstern. Genäht haben die Fahnen Häftlinge.

Fürther Bürger hängen an diesem Buß- und Bettag am 20. November 150 Friedensfahnen aus Fenstern der Stadt. Auch am Rathaus hat Oberbürgermeister Thomas Jung ein solches Zeichen anbringen lassen.

In der Näherei der Justizvollzugsanstalt in Nürnberg sind die Fahnen entstanden. Ulla Mörtel-Then leitet die Schneiderwerkstatt, ehrenamtlich ist sie Kirchenvorsteherin in der evangelischen Gemeinde St. Paul und hat so den Friedensfahnen-Auftrag bekommen. 

Alte Bettlaken und Tischdecken, die bereits in der Näherei vorhanden sind oder die Pfarrer Martin Adel organisiert hat, sind das Rohmaterial für die Fahnen. Sie werden in der Gefängnis-Werkstatt so zugeschnitten, gebügelt und gesäumt, dass sie 70 auf 140 Zentimeter groß sind. Im Gemeindehaus wird das Friedenslogo mit dem Motto "friedensklima" der Ökumenischen Friedens-Dekade auf den Stoff gesprüht.

Wer eine Fahne aus seinem Fenster hängt, kann diese auch noch individuell gestalten. Auf dem Stoff, der vom Rathaus-Balkon hängt steht: "Streit hatte seine Zeit - Frieden hat seine Zeit". "Ich würde draufschreiben: Frieden entsteht in dir selbst", sagt Mörtel-Then. Diese innere Kraft erlebe sie auch in ihrer Näherei.

So vermittelt sie ihrem Lehrling Felix Wolf (Name geändert), dass seine Arbeit zählt und er etwas kann. Er habe vor seiner Haft zwar mehrere Berufe angefangen, etwa als Metzger, Maler oder Zimmermann. Aber wegen seiner Drogensucht habe er nichts durchgehalten. "Da waren die Drogen dann wichtiger", erzählt er. Die Ausbildung in der Justizvollzugsanstalt sei ein erster Schritt.

Wolf denkt viel nach. Auch die Friedensfahnen seien für ihn nicht ein Tischtuch, sondern hätten eine Bedeutung. "Frieden ist in der heutigen Zeit leicht gesagt", stellt er fest. Mit sich selbst zufrieden sein und mit dem, was man erreichen könne, sei ein kleiner Beitrag. Krieg und Frieden seien aber "große Dinge, die die Menschen nur zusammen ändern können - aber so weit sind wir noch nicht". 

Hoffnung ist auch ein Schlüsselwort für Ulla Mörtel-Thens Job und ihr Kirchen-Engagement. "Was nützt mir das ganze Friedensgedöns, wenn ich in mir keinen Frieden habe?", fragt sie.

Auch im Arbeitsalltag in der JVA kann sie Friedensarbeit leisten. Sie erinnert sich an einen Häftling, der die Kollegen wahnsinnig nervte und aggressiv machte. Was in dessen Kopf vorging, hat sie den Mitarbeitern erfolgreich erklärt. "Und ab da hatten die wirklich Frieden und konnten das akzeptieren."

Im Rahmen der Friedensdekade, die bundesweit ökumenisch begangen wird, gehe es darum: "Wir alle wollen Frieden und wir sind viele. Wir sind nicht nur drei, die jetzt irgendwelchen Friedensmist labern, und wir zeigen es öffentlich", erklärt Mörtel-Then.

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