23.02.2019
Frieden

"One World Flag": Was Thomas Mandl mit seiner Weltflagge erreichen will

Ein blauer Kreis auf transparentem Grund: Thomas Mandl aus München hat eine Flagge entworfen, die für die ganze Welt stehen soll. Bis Ende des Jahres sollen die Unikate in hundert Ländern wehen.
One World Flag vor Bergpanorama

Thomas Mandl hält den blauen Stoff gegen das Licht und runzelt die Stirn. "Der Punkt soll eigentlich nicht durchsichtig sein", sagt der 28-jährige Münchner und meint damit das zentrale Element der von ihm entworfenen Eine-Welt-Flagge: einen blauen Kreis.

Er soll die Erde symbolisieren, "der Ort, den wir alle teilen, und der einzige Ort, auf dem Menschen überleben können", sagt Mandl. Er hat genaue Vorstellungen, wie seine Flagge auszusehen hat – und transparent darf nur der Stoff für den rechteckigen Hintergrund sein.

One World Flag soll Menschen weltweit vereinen

Denn das ist der Clou an seinem Design: Durch das lichtdurchlässige Gewebe ist immer auch die Umgebung zu sehen, in der die Fahne weht. "Alles auf der Welt verändert sich stetig", sagt der Fotograf. "Deshalb braucht man einen Hintergrund, der sich mitverändert."

Eine Flagge, die für alle Menschen auf der Welt steht, die alle Nationen hinter sich vereint – das ist Mandls Idee. Unsere Welt sei so gut vernetzt wie nie zuvor, betont er. Gleichzeitig lebten wir in sehr unsicheren Zeiten, konfrontiert mit humanitären Krisen, sozialer Ungleichheit, Populismus und dem Klimawandel. "Wenn wir eines brauchen, ist es Einheit. Und Einheit braucht ein Symbol."

Mandl: "Jeder kann sie nachmalen"

Mandl weiß, dass vor seiner schon andere Weltflaggen ausgedacht wurden. Zu den bekanntesten Anwärtern zählt die himmelblaue Flagge der Vereinten Nationen. Sie ziert eine Karte der von Menschen bewohnten Erdteile, eingerahmt von zwei Olivenzweigen. Ein anderer Versuch stammt von dem US-amerikanischen Aktivisten John McConnell (1915-2012), der 1970 den "Tag der Erde" ins Leben gerufen hat. Seine Erdflagge zeigt eine Fotografie des Planeten Erde.

Es folgten Vorschläge von Organisationen wie der Weltbürgerbewegung oder des Weltfriedenskongresses sowie verschiedener Künstlerinnen und Künstler. Fast alle zeigen den Erdball. Doch keine der Flaggen hat es bisher auf Demonstrationen in aller Welt oder in die Schlafzimmer von Jugendlichen und Studenten geschafft – noch wurde sie von Seiten einer Regierung anerkannt.  

Mandl meint zu wissen, woran das liegt: Die bisherigen Modelle seien zu kompliziert gewesen. "Hier eine Blume, da eine Taube", kritisiert er. Seine Skizze, die an die Nationalflagge Japans erinnert, sei besonders simpel. "Jeder kann sie nachmalen."

Textilgestalterin und Schneiderin Nani Weixler
Die Textilgestalterin Nani Weixler (70) schneidert die Eine-Welt-Flaggen in ihrem Atelier in Dießen am Ammersee.
Textilgestalterin Nani Weixler bei der Arbeit
Die gelernte Schneiderin näht die Stoffe in Handarbeit zusammen. Jede Eine-Welt-Flagge ist ein Unikat.
Textilien
Die Schwierigkeit bei der Produktion der Eine-Welt-Flagge: Welche Textilien eignen sich am besten für den blauen Kreis auf transparentem Grund?
Textilgestalterin Nani Weixler
Zwölf "One World Flags" hat Weixler schon gefertig.

Künstlerin Weixler produziert Flaggen in Handarbeit

In ihrem Atelier in Dießen am Ammersee versucht er zusammen mit der Textilgestalterin Nani Weixler, aus seinem digitalen Entwurf vom Computer ein echtes Exemplar aus Stoff zu realisieren. Doch das richtige Material zu finden ist nicht so einfach. "Das kriegt man nur mit ein paar Experimenten hin", sagt die 70-jährige gelernte Schneiderin. Sie hat Erfahrung damit, Flaggen zu produzieren. Jedes Jahr flattern von ihr genähte und frei erfundene Flaggen an den Fahnenmasten der Gemeinde am Südwestufer des Sees im Wind.    

Weixler zieht ein blaues Tuch aus einem Stoff-Berg, der sich vor ihr auf der Werkbank türmt. "Dieses hier sieht nach Fasching aus", bemängelt sie. Zufriedener sind die beiden mit einem Stück Seide, das Weixler per Hand in Königsblau gefärbt hat. Das Problem: Die Methode ist sehr aufwendig.

Eine-Welt-Flagge reist um die Welt

Zwölf "One World Flags" hat Weixler schon in Handarbeit gefertigt. Anfangs dauerte es gut drei Stunden, um den Polyester für den Hintergrund und den blauen Stoff zuzuschneiden, die Kanten mit der Nähmaschine abzunähen, den blauen Kreis zu applizieren und einen Tunnel zum Aufhängen zu schneidern. Inzwischen geht es viel schneller.

Vier Exemplare kann Mandl an diesem Tag mit nach Hause nehmen. Bekannte und Freunde von Thomas Mandl wollen sie in den nächsten Wochen auf Reisen nach Senegal, Trinidad und Tobago sowie den Oman nehmen. Er hofft, dass die Menschen über die Flagge ins Gespräch kommen.

Mandl: "Es gibt so viele tolle Fahnenmaste auf der Welt"

Und der Flaggen-Designer hat Großes vor: Mit einem "One World Flag Ambassador Programm" sollen Botschafterinnen und Botschafter die Flagge in alle Teile der Erde tragen und Geschichten über Einheit und Hoffnung sammeln, erklärt er.

Mandl träumt von Flaggen auf der Münchner Staatsoper und in New York, aber auch in Konfliktregionen wie der Grenze zwischen der USA und Mexiko oder Israel und Palästina. Bis Ende des Jahres soll die Flagge in hundert Ländern wehen. "Es gibt so viele tolle Fahnenmaste auf der Welt", schwärmt er.    

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