30.04.2019
Familien und Kinderbetreuung

Mehr Erzieher - mehr Kita-Plätze: Projekt fördert Quereinsteiger in Kinderbetreuung

Kirchenmusiker oder Ergotherapeuten als Kinderbetreuer? Warum nicht! Ein neues Projekt lockt Quereinsteiger mit einer berufsbegleitenden Ausbildung in die Kitas. Und will damit nicht nur Erziehermangel und Betreuungsplatzknappheit bekämpfen, sondern auch die Kinder mit bunt gemischten Teams bereichern.
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Mit einem bayernweiten Pilotprojekt will der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern Quereinsteiger für die Arbeit in Kitas qualifizieren. Dort sollen etwa Kirchenmusiker, Holztechniker oder Sprachenlehrer die Kinder mit speziellem Wissen bereichern - und dem Fachkräftemangel in der Branche entgegensteuern. Im Gespräch erklärt Geschäftsführerin Maria Magdalena Hellfritsch nach der ersten Weiterbildungsrunde, was es mit dem vom Familienministerium geförderten Projekt auf sich hat.

Frau Hellfritsch, weshalb scheint der Erzieherberuf für viele so unattraktiv? Und warum ist er es aus Ihrer Sicht gerade nicht?

Maria Magdalena Hellfritsch: Kitas sind eine wichtige Säule für ein gelingendes Aufwachsen von Kindern. Und pädagogische Fachkräfte nehmen eine Schlüsselrolle ein bei ihrer Bildung, Erziehung und Betreuung. Ihre Tätigkeit kann daher nicht hoch genug geschätzt werden - wird sie aber längst nicht immer. Deshalb muss die Gesellschaft Erziehern wesentlich mehr Wertschätzung entgegenbringen! Auch interessieren sich unserer Erfahrung nach mehr Menschen für das Berufsfeld, wenn berufsintegrierte Ausbildungswege angeboten werden - nicht zuletzt, weil die mit einer Ausbildungsvergütung verbunden sind.

An wen richtet sich die neue Weiterbildung?

Hellfritsch: Sie ist für Quereinsteiger ausgelegt mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Wir haben aus 67 Bewerbern vier Männer und siebzehn Frauen für unsere erste Weiterbildung ausgewählt. Von Beruf sind sie unter anderem Kirchenmusiker, Fachlehrer, Holztechniker, Ergotherapeuten und Übersetzer. 16 haben die 15-monatige Weiterbildung mit Theorie und Praxis zur ganzheitlichen Gestaltung von Bildungssituationen jetzt erfolgreich abgeschlossen.

Gibt es schon Rückmeldung vom Sozialministerium, ob das Projekt zum Vorbild für andere Träger wird?

Hellfritsch: Multiprofessionelle Teams, also Teams aus unterschiedlichen Berufssparten, sind aus unserer Sicht ein Zukunftsmodell. Nachhaltig kann das aber nur sein, wenn es vom Staat weiter gefördert wird. Wir finden, die Zugangsvoraussetzungen für diese Weiterbildung sollten bestehen bleiben: ein mittlerer Bildungsabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung mindestens auf Fachschul- oder Meisterniveau und ein mindestens sechswöchiges Praktikum im Kita-Bereich. Das ganze muss "berufsintegriert" sein, das ist für die Verzahnung von Theorie und Praxis unabdingbar. Wie es weitergeht, kann ich aktuell noch nicht sagen - unser Verband befindet sich darüber mit dem Familienministerium im Austausch.

Maria Magdalena Hellfritsch, Geschäftsführerin des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern
Maria Magdalena Hellfritsch, Geschäftsführerin des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern
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