9.07.2018
Astronomie

Der Mond in der Kunst

Die Geschichte des Mondes in der Kunst korrespondiert mit der wissenschaftlichen Erkenntnis. Anfang des 17. Jahrhunderts perfektionierte Galilei das Fernrohr und richtete es auf den Mond. Was er sah, veränderte das Bild vom Mond – und auch die Bilder vom Mond.
Mond von Caspar David Friedrich
Mond - von Caspar David Friedrich (German, Greifswald 1774–1840 Dresden).

Der niederländische Künstler Adam Elsheimer war tief beeindruckt von Galileis astronomischen Erkenntnissen. Um 1609 malte er ein Bildnis der Heiligen Familie unter einem schimmernden Sternenhimmel. Elsheimer hatte sich selbst als Himmelsforscher betätigt. In seinem Bild versuchte er, ein möglichst naturgetreues Bild der Sternenkonstellation wiederzugeben und dabei die Himmelsphänomene in Einklang zu bringen mit den biblischen Geschichten. Auch Vincent van Gogh war fasziniert von den Gestirnen.

Er malte seine berühmte Sternennacht, in der Mond und Sterne wie Feuerbälle über einem Dorf leuchten, unter freiem Himmel, nachdem er zuvor intensiv die Konstellationen am nächtlichen Firmament studiert hatte. Auch Künstler wie Gerrit Dou, Dominicus van Wijnen und Joseph Wright of Derby ließen sich inspirieren von der Arbeit der Astronomen und trugen dazu bei, dass ein eigenes künstlerisches Genre entstand: das der Nachtbilder. Rein künstlerisch ist die Darstellung des Mondes eine Herausforderung.

Nachtszenen benötigen dunkle Farbtöne. Doch insbesondere die Farbe Schwarz löscht jegliche andere Farbgebung aus. Oft bot der Mond die technisch einzige Möglichkeit, eine Szenerie zu erhellen und dem Bild eine Tiefe und Raumwirkung zu geben. Ein Blick auf die Mondbilder der Kunstgeschichte öffnet die Tür zu einer geheimnisvollen Welt voller Gegensätze. Denn zum künstlerischen Konzept der Nacht gehören widersprüchliche Themenbereiche: Geborgenheit und Bedrohung, Ruhe und Schrecken, Feierlaune und Melancholie, Reinheit und Verfall, Leben und Tod.

Mond in der christlichen Ikonografie

In der christlichen Ikonografie werden dem Mond vielfältige Bedeutungen und Funktionen zugeschrieben. Viele nächtliche Szenen werden verbunden mit Heil, Geborgenheit und Gottesnähe. Mondszenen sind oft Schauplatz religiöser Hingabe und göttlicher Offenbarung, hier werden Menschen gezeigt, die eine Erleuchtung hatten oder eine Vision. In den Schöpfungsberichten geht die Welt aus einer Urfi nsternis hervor, erst der Schöpfergott trennt das Licht von der zeitlosen Nacht. "Es wurde Abend, und es wurde Morgen" – mit dieser Formel wird die Zeit defi niert und in eine Periode der Finsternis und der Helligkeit aufgeteilt. Der Niederländer Geertgen tot Sint Jans malt die Geburt Christi als demütigen Moment der Hingabe und Versenkung:

Marias Gesicht wird vom inneren Leuchten des Kindes hell erleuchtet, während der Engel der Verkündigung hoch oben im dunklen Himmel mit dem Mond zu einem Lichtball verschmilzt. Viele Darstellungen der Geburt Christi verbinden Nacht und Licht. Und genau diese Kopplung macht die emotionale Kraft des Geschehens spürbar.

Mondsichel in der Kunst

Auch die Mondsichel spielt in der christlichen Bilderwelt eine bedeutende Rolle: Albrecht Dürer setzt die Mutter Gottes in seinem Marienleben auf eine schmale Sichel, sie schwebt über den Wolken und wird von einem Strahlenkranz umgeben. In biblischen Geschichten wie der Flucht nach Jerusalem, Jakobs Traum von der Himmelsleiter und König Salomos nächtlicher Bitte um Einsicht und Gerechtigkeit lenkt der Mond den Blick der Betrachter auf das nächtliche Geschehen. Aber die christliche Kunst kennt auch Nächte des Unheils und der Gottesferne. An bedeutenden Tagen des Jahres wie der Johannisnacht erscheinen Teufel und heidnische Götter, andere Heiligengeschichten berichten von schauerlichen Gestalten, die Menschen peinigen oder foltern und brutal hinrichten.

Dunkelheit der Nacht steht für Tod und Hölle

Die Dunkelheit steht also auch für Tod, Hölle, Verdammung. Der spanische Künstler El Greco malt um 1610 "Christus am Ölberg" als Nacht der Qual und des  Todes; einzig das Zwiegespräch zwischen Jesus und einem Engel wird fahl beleuchtet. Die Wolken im Hintergrund scheinen den Mond absichtlich verdecken zu wollen, und auch die Jünger verschwinden in der nebligen Nacht. Ebenso sind das Abendmahl, die Gefangennahme, das Verhör oder die Verspottung vor dem Hohepriester nächtliche Ereignisse, bei denen der Mond oft die Rolle des stillen Zeugen spielt, dessen Lichterschein auf Details des Geschehens aufmerksam machen soll. So auch beim Martyrium des heiligen Laurentius von Tizian. Das Gemälde entstand um 1548 und gilt als eine der frühesten Darstellungen einer Marterszene bei Nacht. Der nackte Körper des Märtyrers wird auf dem glühenden Feuergrill von einem Lichtstrahl des Mondes erfasst. Dieser leuchtet durch die tiefschwarze Nacht als Zeichen der Erlösung.

Mond - Darstellung von Utagawa Hiroshige aus Japan

Mond von Utagawa Hiroshige (Japan, Tokyo (Edo) 1797–1858 Tokyo )

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In dem Artikel über den Mond in der Kunst erfahren Sie, wie sich die Darstellung des Mondes in der Kunstgeschichte verändert hat, warum Caspar David Friedrich so gerne den Mond malte, und wir Marc Schagall die Sterne in seinen Bildern verwendete. Die Autorin Rieke C. Harmsen berichtet auch, wie der Mond in der Bildenden Kunst für Fantasien und Träume herhalten musste.

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