13.06.2017
Sonntagsblatt-Ratgeber

Sprechstunde: Strapazen mit Teenager

Der 14-jährige Sohn von Frau M. wird in letzter Zeit immer schwieriger. Sich ihm gegenüber immer mehr wie ein Zirkusdompteur zu fühlen, geht ihr sehr gegen den Strich.
Gruppe von jugendlichen mit Smartphones

Mein 14-jähriger Sohn wird in letzter Zeit immer schwieriger. Eigentlich bin ich eher nachgiebig und freundlich; mich ihm gegenüber immer mehr wie ein Zirkusdompteur zu fühlen, geht mir sehr gegen den Strich.

Mein Mann sagt immer: "Sei doch froh, dass er keine Drogen nimmt und nicht trinkt." Da hat er recht; unser Sohn surft vor allem im Internet rum. Aber mich regt das auch auf, und ich bin dann auch enttäuscht und wütend, wenn er sich wieder mal nicht an die vereinbarten Zeiten gehalten hat.

Außerdem finde ich, dass er ziemlich faul und bequem geworden ist. Früher hat er mit seinen Kameraden draußen Fußball gespielt. Jetzt verabreden sie sich zu irgendwelchen Computerspielen und sitzen stundenlang vor der Kiste. Und immer muss ich die sein, die ihn ermahnt und ihm Grenzen setzt.

Frau M. (41)

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Teenager wie Säuglinge sind, nur größer und mit Alkohol als Zugabe. Wie Säuglinge brauchen sie – so verstehe ich das – Liebe, und zwar vor allem dann, wenn sie sie am wenigsten schätzen können, sondern einen anschreien. Als 14-Jähriger wird Ihr Sohn mit Erfahrungen konfrontiert, die für ihn so neu sind, dass er vermutlich nicht mal weiß, wie er sie bezeichnen soll. Er braucht seine Eltern als Vorbilder und Gesprächspartner, die ihm – mit ihrem stabileren Erwachsenengehirn – helfen können, bei all diesen Veränderungen einigermaßen ruhig zu bleiben und sein Pubertätsboot durch die Klippen zu steuern.

Elternautorität ist gefragt – und das ist was anderes als autoritäre Eltern. Es ist ein Mittelweg zwischen den Extremen, autoritär zu sein und alles besser zu wissen, oder zu nachlässig und zu denken, dass er schon wissen wird, was er tut.

Dabei könnte es genau um das gehen, was Ihnen eigentlich liegt: einerseits Regeln zu vereinbaren (aber auch immer wieder anzupassen) – und andererseits freundlich und zugewandt zu bleiben. Natürlich haben Sie Erwartungen an Ihren Sohn – aber genauso wichtig (oder womöglich noch wichtiger) ist es, gefühlsmäßig, emotional in Kontakt zu bleiben. Also sich auch für seine Sicht der Dinge zu interessieren und für seine Gefühle Verständnis zu haben.

Auf diese Weise könnte er sich abschauen, wie es ist, auch die Gefühle anderer, Ihre Gefühle zum Beispiel, zu respektieren. Wenn Sie ihn als "faul" bezeichnen, ist das für ihn vermutlich eher beschämend, und das ist keine Supererfahrung, weil er sich damit unverstanden und abqualifiziert fühlt.

Und wenn Sie sich über seinen Umgang mit dem PC wirklich Sorgen machen, dann wäre es gut (im Sinne der Elternautorität), mit ihm über diese ganz konkreten Sorgen zu sprechen, statt nur darüber zu klagen, dass er zu lange vor dem PC sitzt.

Eine Bekannte von mir, Mutter eines inzwischen 21-Jährigen, hat sich seinerzeit damit getröstet, dass das beste Mittel gegen 14-Jährige das Wissen ist, dass sie 15 werden (und 16 usw.). Wenn das nicht mehr geholfen hat, hat sie sich gesagt: Teenager sind eine Erinnerung der Natur daran, dass es allmählich Zeit wird, dass die Kinder ausziehen.

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