21.03.2021
Welt-Tuberkulose-Tag

Tuberkulose: Drei Tote pro Minute - vor Corona-Pandemie

Weltweit mehr als zehn Millionen Erkrankungen und 1,4 Millionen Tote im Jahr: Die Tuberkulose ist nach wie vor nicht besiegt. Und Corona bremst den Kampf gegen TB weiter aus.

Die tödliche Partnerschaft zwischen Aids und Tuberkulose wirft den Kampf gegen TB seit langem zurück. Jetzt droht aus dem Duo ein fatales Trio zu werden: Das Coronavirus bremst nicht nur Gesundheitssysteme weltweit aus, sondern ist auch für Menschen mit Vorerkrankungen wie einer Lungentuberkulose besonders gefährlich.

Und noch immer erkranken nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich rund zehn Millionen Menschen neu an TB.

Dabei wurden zuletzt weiterhin etwa 1,4 Millionen Todesfälle im Jahr verzeichnet, etwa drei Tote pro Minute. Das Corona-Jahr 2020 taucht in den Statistiken noch gar nicht auf.

Tuberkulose: Erhöhte Gefahr durch Corona

"Auch wenn noch keine Studien vorliegen: Es ist davon auszugehen, dass eine Tuberkulose-Erkrankung und insbesondere eine Lungen-TB zu einem schwereren Krankheitsverlauf bei einer Covid-19-Infektion führen", mahnt Sebastian Dietrich von der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in Würzburg zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März.

Zudem sei bereits klar, dass inmitten der Corona-Pandemie weniger TB-Infektionen diagnostiziert und behandelt würden - was weitere Auswirkungen auf die Sterberate von Tuberkulose-Kranken befürchten lasse.

Denn für Tuberkulose gilt in Zeiten von Corona dasselbe wie für viele andere Krankheiten: Covid-19 entzieht Ärzte und Pflegekräfte, Geld und Aufmerksamkeit. Besonders schlimm ist dies in armen Ländern, in denen die Gesundheitssysteme ohnehin oft überlastet sind. Und dort treten die weitaus meisten TB-Fälle auf, zu rund 80 Prozent in Süd- und Südostasien und in Afrika.

"Angestellte, die sich sonst zum Beispiel um TB kümmern, mussten bei der Versorgung von Corona-Patienten und -Patientinnen aushelfen", sagt Dietrich. "Betten wurden für sie freigemacht und Budgets umgewidmet." Dienste seien unterbrochen, TB-Infektionen später diagnostiziert worden. "Und je später die Diagnose erfolgt, desto schwieriger wird es, die TB erfolgreich zu behandeln", erklärt der Arzt.

TB mit Antibiotika heilbar

Rechtzeitig erkannt, ist die Tuberkulose mit einem Antibiotika-Cocktail eigentlich heilbar. Dass die Krankheit aber noch lange nicht besiegt ist, hat vor allem drei Gründe - Armut, das tödliche Zusammenspiel mit dem Aids-Virus und dass die Medikamente in einer zunehmenden Zahl von Fällen ihre Schlagkraft verlieren.

Diese Resistenzen sind hausgemacht:

Wenn die Behandlung mit dem Medikamenten-Mix nicht wie vorgeschrieben über Monate hinweg regelmäßig durchgehalten wird, können Tuberkulose-Bakterien überleben und Widerstand gegen die Antibiotika aufbauen.

Bekannt und am häufigsten ist die Lungentuberkulose, aber auch andere Organe können befallen sein.

Besonders in Afrika südlich der Sahara bietet die Immunschwächekrankheit Aids einen Nährboden für die TB-Bakterien. Denn ist das Immunsystem gedrückt, können die Erreger leichter angreifen. Neben schwächenden Krankheiten sind es auch oft unsägliche Lebensbedingungen, die der Tuberkulose Tür und Tor öffnen.

Ein Viertel bis ein Drittel der Menschheit trägt nach Schätzungen den Erreger in sich, im Normalfall bricht die Krankheit aber nicht aus. Hunger und Mangelernährung jedoch reißen die Barriere ebenso nieder wie immenser Stress - etwa bei Krieg und Flucht. Auch katastrophale beengte Wohnverhältnisse wie in den Slums der Megastädte begünstigen die TB, die sich durch Tröpfcheninfektion verbreitet.

TB ist Krankheit der Armen

Hier schließt sich erneut der Kreis zum tödlichen Beitrag von Corona. "Tuberkulose ist eine Krankheit der Armen", erklärt Tropenmediziner Dietrich. "Und wegen der weltweiten Lockdowns brach unzähligen Tagelöhnern und ihren Familien das Einkommen weg, wodurch Armut und Hunger sich in vielen Teilen der Erde massiv vergrößern. Damit wird es auch mehr Menschen geben, die an TB erkranken."

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Aids-Beratungsstelle Niederbayern

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Eigentlich sind die Tage rund um den Weltaidstag am 1. Dezember sehr arbeitsreich für das Team der AIDS-Beratungsstelle Niederbayern. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sind normalerweise mit zahlreichen Infoständen vertreten und starten Aktionen. Doch im Corona-Jahr 2020 läuft nichts wie gewohnt. Infostände gibt es nicht – die Arbeit aber bleibt.