14.09.2020
Südafrika

Kapstadt ist Hotspot: Corona-Pandemie erschwert Arbeit der Kinder-Aidshilfe Südafrika

Seit 2006 gibt es in Regensburg die Kinder-Aidshilfe Südafrika. Der Arbeitskreis mit Stiftung betreibt ein Kinder- und Familienzentrum in Kapstadt. Mangelnde Einnahmen durch die Corona-Pandemie erschweren die Arbeit.
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Kinder des Familienzentrums Elonwabeni in Kapstadt: Wegen der Corona-Pandemie mussten sie auf eine kleine Farm umziehen. Kapstadt gilt als Corona-Risikogebiet, und die Immunabwehr der Kinder ist geschwächt.

Wenn Doris Pilhofer-Horsch digitale Nachrichten aus Südafrika erhält, ist sie hin- und hergerissen. 2006 gründete sie mit sechs anderen Aktiven den Arbeitskreis Kinder-Aidshilfe Südafrika in Regensburg, zu dem heute eine Stiftung gehört.

Seither betreibt die Stiftung das Kinder- und Familienzentrum "Elonwabeni". In der Sprache der Xhosa, eine der elf Amtssprachen in Südafrika, bedeutet es "Ort des Glücklichseins". Denn Kinder, die im Zentrum unterkommen, haben meist das bessere Los gezogen.

Und so freut sich Pilhofer-Horsch, wenn sie hört, wie gut die Verantwortlichen in Südafrika mit der aktuellen Pandemie zurechtkommen. Zum anderen aber sorgt sie sich um die Zukunft des Projekts. "Die Situation ist für uns dramatisch", sagt sie. Wegen Corona sind in diesem Jahr fast alle Veranstaltungen und Aktionen der Stiftung in Regensburg ins Wasser gefallen, die den Betrieb der Einrichtung in Afrika sichern. "Für die Kinder dort ist Corona zudem eine große Bedrohung für ihre Gesundheit."

Pilhofer-Horsch: "Aids war eine richtige Epidemie in Südafrika."

In der Einrichtung in Kapstadt sind bis zu 30 Kinder in verschiedenen Wohngruppen untergebracht und werden jeweils von einer Hausmutter betreut. Es sind Babys, Kinder aller Altersklassen und Jugendliche bis zu 17 Jahren.

Alle eint, dass ihre Eltern HIV-positiv oder drogenabhängig sind. Manche sind schon gestorben. Einige Kinder tragen das HI-Virus selbst in sich. "Vor 25 Jahren war Aids eine richtige Epidemie in Südafrika", erklärt Pilhofer-Horsch. "Die Regierung war überfordert mit der Vielzahl an Erkrankten."

Damals lebte Denise Landes mit ihrem Mann Rolf noch in der Oberpfalz. Landes stammt ursprünglich aus Südafrika und wurde bei Besuchen dort beständig mit der Not konfrontiert. "Wir sind befreundet, und sie bat mich um Unterstützung", erklärt Pilhofer-Horsch. So kam es zur Gründung des Arbeitskreises, der seither versucht, die Not der Kinder zu mildern. Landes und ihr Mann, der aus dem Raum Amberg stammt, sind inzwischen nach Südafrika ausgewandert und verwalten das Projekt vor Ort.

Corona erschwert die Arbeit im Kinder- und Familienzentrum Elonwabeni

"Das Coronavirus hat die Arbeit im Kinder- und Familienzentrum Elonwabeni auf den Kopf gestellt", erklärt Pilhofer-Horsch. Um die Kinder zu schützen, hat man sie vom Hotspot Kapstadt weggebracht. Gemeinsam mit ihren Hausmüttern leben sie aktuell auf einer Farm etwa 140 Kilometer von Kapstadt entfernt. "Die Farm gehört der Familie Landes, und sie haben dort Holzhäuschen errichtet, um die Kinder in den Ferien unterzubringen."

 

 

Jetzt aber werden die Unterkünfte dauerhaft gebraucht. Auch die Hausmütter sind dabei und kümmern sich. "Mehr konnten wir nicht tun, um die Kinder zu schützen", sagt Pilhofer-Horsch. Eine Jugendliche, die zwischendurch nach Kapstadt musste, ist dort prompt erkrankt. "Das hat uns gezeigt, wie schnell etwas passieren kann." Für die Kinder, deren Immunsystem zum Teil geschwächt ist, könnte eine Covid-19-Infektion dramatische Folgen haben.

Die Unterbringung auf der Farm bringt Kosten mit sich. "Wir müssen die Kinder dort beschulen und haben dafür einen pensionierten Lehrer zusätzlich angestellt", erklärt Pilhofer-Horsch. Zwei weitere pädagogische Fachkräfte wurden benötigt. Bis Weihnachten können die Kinder in jedem Fall dortbleiben. Wie es dann weitergeht, sei noch ungewiss.

Südafrika zählt aktuell zum Corona-Risikogebiet

Das liege an den Finanzen, aber auch an der unklaren Situation rund um die Pandemie. Laut Robert-Koch-Institut zählt Südafrika aktuell zum Risikogebiet. Die Zahlen der Neuerkrankungen sind den Angaben zufolge nach wie vor sehr hoch.

"Wir bräuchten dringend Spenden, die unsere großen Ausfälle abfedern", erklärt Pilhofer-Horsch. Im März konnte ein Flohmarkt der St.-Lukas-Gemeinde Regensburg zugunsten der Kinder-Aidshilfe Südafrika gerade noch stattfinden.

Unterstützung hatte der Verein auch durch den Weihnachtsmarkt am Bismarckplatz in Regensburg oder das Tollwood-Winterfestival in München: Voriges Jahr hat sich auch in der Landeshauptstadt ein Freundeskreis der Kinder-Aidshilfe Südafrika gegründet, der ebenfalls "Elonwabeni" unterstützt. Doch mit dem Lockdown mussten alle Aktionen abgesagt werden.

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