Flucht und Migration
Das Dok.fest München @home zeigt acht Filme rund um das Thema Flucht. Wir stellen sie kurz vor.
Titelbild Dok.fest @home

Für alle, die gerne Dokumentationen schauen, ist das Dok.fest München eine Institution. Seit 2019 ist es das größte Dokumentarfilmfestival in Deutschland und ist auch europaweit eine der größten Plattformen für diese Kunstform. Wie schon 2020 findet das Dok.fest digital statt. Bis zum 23. Mai können Sie sich 131 Filme aus 43 Ländern online anschauen.

Acht Filme zum Thema Flucht

Acht Filme beschäftigen sich mit dem Thema Flucht. Wir stellen sie hier vor:

Arada

Still aus dem Film Arda

"Wenn jemand Schwyzerdütsch am Telefon spricht, fühle ich mich daheim." Duran und Vedat arbeiten für einen Schweizer Callcenter. Es ist prekäre Arbeit, aber sie verbindet sie mit ihrer Heimat. Sie sind Schweiztürken, geboren und aufgewachsen in der Schweiz. Nach einem Gefängnisaufenthalt wurden sie ausgewiesen und können nicht zurück, denn sie haben keinen Schweizer Pass. Durans Frau und sein kleiner Sohn leben weiterhin in der Schweiz. Vedat hat Heimweh und idealisiert das verlorene Land. Für Mustafa, der schon vor 25 Jahre ausreisen musste, ist die Sehnsucht immer noch groß. Mit seiner Familie fährt er in die Berge, auf der Suche nach Schnee… Eine präzise, kunstvoll verwobene Studie über Heimat, Nationalität, Identität. "Arada" bedeutet "dazwischen". Ysabel Fantou 

Auf der Webseite vom Dok.fest München können Sie sich den Film online anschauen.

Follow You Home

Still aus dem Film Follow You home

Als die beiden afghanischen Brüder Popal und Darmal sich nach neun Jahren in Dänemark wiedertreffen, ist die Freude von kurzer Dauer. Popal hat Kopenhagen bereits zu seiner neuen Heimat machen können, doch Darmals Asylantrag wird abgelehnt. Voller Sorgen und Ängste verliert Darmal seine Zukunft aus dem Blick. Die Hoffnung auf einen Neustart wird erstickt von der Bürokratie des dänischen Asylsystems. Mit viel Bruderliebe, der Unterstützung eines Priester-Ehepaars und einer Menschenrechtsanwältin zieht Popal in den Kampf für das Bleiberecht seines Bruders. Ihn wieder zu verlieren, ist keine Option. Eva Weinmann

Auf der Webseite vom Dok.fest München können Sie sich den Film online anschauen.

Shadow Game

Still aus dem Film Shadow Game

"Dieses Game ist natürlich gefährlich. Du kannst sterben und das Game verlieren. Aber wenn du es über die Grenze schaffst, hast du gewonnen. Deshalb nennen sie es ‚das Game‘." Nie im Leben hätten sich die Jugendlichen vorstellen können, dass sie einmal in dieser Situation sein würden, erzählen sie. Sie durchqueren heimlich schneebedeckte Wälder, Flüsse, müssen mit brutalen Grenzkontrollen rechnen, mit wilden Tieren und Minenfeldern. Über drei Jahre begleiten die beiden Regisseurinnen Minderjährige auf den Stationen ihrer Flucht quer durch Europa, die sie auch selbst mit ihren Handys dokumentieren. Ein unglaublich spannendes, dazu ästhetisch herausragendes Filmkunstwerk, das den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnet. Und ein aufrüttelndes Zeitdokument. Ysabel Fantou

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The Wire

Still aus dem Film The Wire

"Das ist die neue Berliner Mauer." Sie liegt im "zauberhaften Tal der Schmetterlinge" unterhalb des Risnjak-Gebirges und vor den Toren Zagrebs, wo die smaragdfarbene Kupa entlangfließt. Immer schon lebten hier Kroaten und Slowenen Seite an Seite in einer EU-Vorzeigeregion in puncto Nachhaltigkeit und sanfter Tourismus. Wo sich vorher Bären, Luchse und Wölfe in völliger Abgeschiedenheit versteckten, stehen nun kilometerlange Grenzzaunanlagen. Während Militärkonvois patrouillieren und Stacheldraht verlegen, suchen andere ihr Heil in der lebensgefährlichen Flucht durch dschungelartiges Terrain. Mikroskopisch fein sezierender und emotional aufwühlender Dokumentarfilm über den komplizierten Status des Schengener Abkommens – mitten in Europa. Simon Hauck

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This Rain Will Never Stop

Still aus dem Film This Rain will never stop

Andriy Suleiman floh mit seiner Familie aus seiner Heimat in Syrien in die Ukraine, von einer Kriegsregion in die nächste. Der eine Onkel schafft es nach Deutschland, ein anderer bleibt im Irak, ein dritter in Syrien. Der Film entspinnt sich aus dem ewigen Wechsel von Krieg und Frieden, zeichnet Konturen nach und lässt sie wieder verschwimmen. Wir folgen Andriy bei seiner ehrenamtlichen Arbeit beim Roten Kreuz, sehen seine Familie hadern, hoffen, zweifeln. Als sein Vater plötzlich stirbt, will Andriy seinen Leichnam in die alte Heimat begleiten. In monochromen Bildern lässt die Filmemacherin an den Katastrophen des Kriegs teilhaben, lässt Schmerz und Unsicherheit spüren und zeigt einen jungen Mann, der es schafft immer aufs Neue über sich herauszuwachsen. Helga-Mari Steininger

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Wandering, A Rohingya Story

Still aus dem Film Wandering

"What happened is not only about us. It is about human beings.” Im Kutupalong, dem weltgrößten Flüchtlingscamp in Bangladesh leben 700.000 Rohingya, Angehörige einer muslimischen Minderheit, die 2017 den Völkermord in Myanmar überlebt haben. In ruhigen, kontemplativen Bildern wird ihr immergleicher Alltag sichtbar, zwischen Hausarbeit, Essensausgabe und Leerlauf. Behutsam öffnet sich der Blick auf die Menschen. Ihre Gesichter erzählen von Leid und Verlust, ihre Stimmen von der Perspektivlosigkeit. Dazwischen die Kinder, die das Erlebte in Bildern verarbeiten und Fußball spielen im Matsch. Ein Film wie ein gemaltes Zeitdokument, berührend und voller Poesie. Ysabel Fantou

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Nichts Neues

Still aus dem Film Nichts Neues

"Ich kann Ihnen sagen, was morgen passiert: nix." Die "Mission Lifeline" liegt im Hafen von Malta. Morgen ist einer von vielen Prozesstagen und Kapitän Claus-Peter Reisch ist wegen angeblich falscher Papiere angeklagt. Solange das Verfahren läuft, darf die Crew ihrer Mission nicht folgen: Flüchtende aus dem Mittelmeer zu retten. Das Schiff wird in Stand gehalten, eine Waschmaschine läuft, es wird gesaugt, gekocht, das Deck geschrubbt. Aus dem Radio dröhnen abstrakte Zahlen von Menschen, die hilflos auf Booten festsitzen. Luxusdampfer verlassen den Hafen, die "Lifeline" bleibt konfisziert. 63 Tage, 184 Tage, 320 Tage… wieder ein Prozesstag – nichts Neues. Ein Film über das Warten und die Absurdität europäischer Flüchtlingspolitik. Katharina Dolles

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Jano & Shiro, A Brothers‘ Journey

Still aus dem Film Janno and Shiro

Die unzertrennlichen Brüder Shiro und Jano entscheiden sich gemeinsam für die beschwerliche Flucht von Syrien nach Europa. Sie werden getrennt, erleben schlimme Momente und finden wieder zusammen – ihre Handykamera ist immer dabei. In den Niederlanden angekommen, sieht das erhoffte Paradies anders aus als erwartet: Shiro (15) findet als Minderjähriger Unterstützung. Er darf die Sprache lernen, Freundschaften schließen und wird integriert. Der Erwachsene Jano (18) muss in einem Auffangzentrum für Erwachsene ausharren, ohne Aufgabe und ohne Möglichkeit zu arbeiten. Nach anderthalb Jahren trifft endlich die Entscheidung der Einwanderungsbehörde ein.

Die Filmmusik, mal angespannt mal ganz verträumt, lässt die Geschichte der Brüder spannend und abenteuerlich erscheinen. Wenn sich die beiden vorübergehend verlieren, wird der Bildschirm geteilt; es fühlt sich an, als würden sie die Hauptrollen in ihrem eigenen Videoclip spielen. Und tatsächlich: Eine gut erzählte Geschichte kann unsere Sicht auf die Welt verändern.

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Ausstellung leihen: "Frauen auf der Flucht"

Ausstellungsplakat »Frauen auf der Flucht«
Ausstellungsplakat »Frauen auf der Flucht«

Weltweit sind etwa die Hälfte aller Flüchtlinge Mädchen und Frauen. Mädchen und Frauen, die ihre Heimat verlassen müssen, erleben oft Gewalt und Diskriminierung. Die Ausstellung "Auf der Flucht: Frauen und Migration" präsentiert das Werk von neun FotografInnen. Sie schildern den Alltag in den Flüchtlingslagern und die schwierige Suche nach einem neuen Zuhause. Die Ausstellung kann unter ausstellung-leihen.de gebucht werden.

 

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