Kirche & Reformation
Es war kein einfacher Weg für die Coburger Landeskirche hinüber in die bayerische Landeskirche. Viele Hürden mussten vor 100 Jahren überwunden werden, bis es zum Zusammenschluss kam. Ein Rückblick.
Die Coburger Morizkirche
Die Coburger Morizkirche

Im vergangenen Jahr feierte Coburg seine 100-jährige Zugehörigkeit zum Freistaat Bayern. Durch den damaligen Zusammenschluss orientierte sich die Landeskirche Coburg ein Jahr später auch Richtung Bayern. Die geschichtliche Entwicklung der Coburger Landeskirche geht bis zur Zeit der Reformation zurück. Damals hatte sich im Fürstentum Sachsen-Coburg eine evangelische Landeskirche herausgebildet. Bis zur Reformation war der Fürstbischof von Würzburg das kirchliche Oberhaupt seines Landkapitels Coburg gewesen. Mit der Reformation wurde der jeweilige evangelische Landesherr eine Art "Ersatzbischof". Für die kirchliche Leitung war ein Superintendent zuständig.

Coburger Landeskirche und das Ende der Monarchie

Dieses Konstrukt sollte bis zum Ende der Monarchie bleiben. Mit deren Ende im Jahr 1918 verlor die Coburger Landeskirche allerdings auch ihren bisherigen "obersten Bischof" und wurde zu einer eigenständigen, nicht mehr an den Staat gebundenen Kirche. Eine eigene Verfassung musste geschaffen werden. Die gesetzgebende Versammlung wurde die Landessynode. Deren Wahlordnung orientierte sich an der Weimarer Verfassung. Somit konnten bereits Frauen in die Synode gewählt werden, was in Bayern noch bis die 1950er-Jahre dauerte.

Die wichtigste Aufgabe der Coburger Landessynode war, über die Zukunft der Coburger Landeskirche zu entscheiden. Eigenständig konnte sie aus finanziellen Mittel nicht bleiben, zumal sie kaum über eigene Mittel verfügte und auch keinerlei Kirchensteuern erhoben worden waren. Im geschlossenen Staatsvertrag zwischen Coburg und Bayern wird in Paragraf 11 festgehalten, dass die bisherigen Leistungen des Staats an die Kirche in Coburg vom bayerischen Staat bis zur Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche übernommen werden.

Die Coburger Bevölkerung votierte am 30. November 1919 mit über 88 Prozent gegen einen Beitritt zum "Gemeinschaftsvertrag der Thüringer Staaten". Damit gerieten die kirchlich Verantwortlichen in eine Zwickmühle. Curt Weiß, der spätere zweite Coburger Dekan, brachte es auf den Punkt: "Wir sind von unserem Volk verlassen, wenn wir uns nach Thüringen wenden." Andererseits stellte Georg Kükenthal (1864-1955), zum letzten Generalsuperintendenten gewählt, sachlich fest, dass "unsere gesamte Geisteskultur mindestens seit der Reformation durchaus von Thüringen her beeinflusst und befruchtet worden ist. Daraus erhellt, eine wie schwere Gewissensfrage es für alle ist, die zu Hütern und Pflegern kultureller Güter berufen sind, sich vom Mutterland der Reformation zu lösen."

Evangelische Geistliche und Coburger Pfarrer

Von eben daher war um 1920 auch noch die Mehrzahl der evangelischen Geistlichen geprägt. Die meisten Coburger Geistlichen hatten in Jena studiert und waren daher sehr liberal geprägt. Man kam natürlich seinen Aufgaben als Geistlicher nach, aber da die Gemeinden sehr klein und überschaubar waren, konnte man sich noch viel besser ins Gemeindeleben mit einbringen: im Obst- und Gartenbauverein, als Pomologe, Imker oder Historiker. Um vor allem die Situation der Landwirte, ja der Landbevölkerung auch finanziell zu verbessern, setzten sich die Pfarrer zum Beispiel für die Errichtung der Raiffeisenkassen ein. Der Anschluss an die bayerische Landeskirche stieß aber wiederum bei der Coburger Pfarrschaft auf Widerstände. Sie fürchteten um ihre Freiheit. Im Lauf der Jahre haben sich in Coburg eigene Abläufe bei Gottesdiensten herausgebildet. Das Vaterunser reichte als Taufbekenntnis aus; das Apostolische Glaubensbekenntnis war nicht vonnöten. Das Abendmahl wurde nur selten gefeiert, und die Trauung Geschiedener war in das seelsorgerische Ermessen des einzelnen Geistlichen gestellt. Für Bayern noch über Jahrzehnte hinweg unvorstellbar. Die Coburger waren deshalb in Bayern als Heidenland verschrien, und der Kontakt von bayerischen zu Coburger Pfarrern war nicht gern gesehen. Es gab viele unterschiedliche Auffassungen und Reibungspunkte. Die meisten theologischen Fragen wurden im Sinne der bayerischen Landeskirche gelöst. Der Vertrag war zwischen April 1920 und Januar 1921 in mehreren Gesprächen und Sitzungen vor allem in München erarbeitet worden. Am 10. Januar 1921 nahm ihn die Coburger Landessynode auf ihrer fünften und letzten Sitzung einstimmig unverändert an.

Ende der Coburger Landeskirche

Als Datum des Beitritts zur bayerischen Landeskirche bestimmte man den 1. April. Damit ging eine fast 400-jährige selbstständige Entwicklung der Coburgischen Landeskirche zu Ende. Am 10. April 1921 fand der festliche Gottesdienst in der Coburger Morizkirche statt. Im Lauf der 50-jährigen Übergangszeit näherte man sich immer mehr an, und sogar zwei Landesbischöfe kamen bzw. kommen aus Coburg: Johannes Hanselmann (1927-1999) und der derzeitige Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. In welcher Form die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Beitritt stattfinden können, hängt von Entwicklungen der Corona-Lage ab.

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