24.04.2020
Corona und Kirche

Gerhard Feige und Heinrich Bedford-Strohm gegen vorschnelle Gottesdienst-Erlaubnis

Der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Feige kritisiert die Ungeduld, mit der einige Christen und kirchliche Verantwortungsträger eine baldige Freigabe von Gottesdiensten während der Corona-Pandemie fordern.
Altar und Bibel in der Christuskirche Tutzing

"Christen dürften nicht ähnlich wie Lobbyisten versuchen Partikularinteressen durchzusetzen", hieß es in einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Gastbeitrag des Bischofs von Magdeburg, Gerhard Feige, auf dem Internetportal katholisch.de.

Christen sollten vielmehr solidarisch mit dafür Sorge tragen, die lebensbedrohliche Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus einzudämmen und eine medizinische Überforderung unserer Gesellschaft zu verhindern, schrieb Feige. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sprach sich gegen eine vorschnelle Gottesdienst-Öffnung aus.

Beratungen zu Lockerungen des Gottesdienstverbotes

Christliche, jüdische und muslimische Religionsvertreter hatten mit Innenstaatssekretär Markus Kerber in Berlin über Lockerungen des Gottesdienstverbots beraten. Dabei hatte man sich geeinigt, dass die Glaubensgemeinschaften Konzepte vorstellen sollen. Diese sollen dann als Entscheidungsgrundlage für die erneuten Beratungen von Bund und Ländern am 30. April dienen.

Der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Bedford-Strohm unterstrich auf seiner Facebook-Seite, dass es sich hier nur um die Möglichkeit handele, keinesfalls die nun von oben ausgegebene Verpflichtung, solche Gottesdienste in den Kirchen schon jetzt wieder anzubieten. "Ich bin sehr dankbar und glücklich, wie viele kreative Formate vor Ort entwickelt wurden, um kraftvoll Gemeinde zu sein, auch ohne dass wir schon wieder in den Kirchen Gottesdienst feiern können", fügte er hinzu.

Jetzt werde der Ausnahmezustand erstmal bleiben. "Für mich bleibt es jedenfalls absolut klar, dass auch und gerade bei den Gottesdiensten das oberste Gebot sein muss, Risiken zu minimieren und damit Leben zu schützen", unterstrich Bedford-Strohm.

Corona und die Kirche: Gottesdienstausfälle seien fast ein Luxusproblem

Feige räumte ein, auch ihm liege die Religionsfreiheit am Herzen und es tue ihm weh, immer noch auf öffentliche Gottesdienste verzichten zu müssen. Er frage sich aber, ob die Gottesdienstausfälle angesichts des Leids großer Teile der Bevölkerung nicht fast ein Luxusproblem sind. "Wenn seitens der Kirchen der Druck auf den Staat erhöht werde, dass baldmöglichst wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden können, frage ich mich natürlich, ob das in der den aktuellen gesetzlichen Vorschriften anzupassenden Form tatsächlich den Glauben fördert oder eher zum Krampf wird."

Er könne sich bis jetzt jedenfalls kaum vorstellen, wie Gottesdienste mit Zugangsbegrenzung, Anwesenheitsliste, Abstandswahrung, Mundschutz, Handschuhen, einem Desinfektionsritus vor der Gabenbereitung und der Austeilung der Kommunion mittels einer - noch zu erfindenden - liturgischen Zange gottgefällig und heilsdienlich sein sollen. Feige ist Vorsitzender der Ökumenekommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

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