9. April 2021
Tiere und Corona

Corona: Hundeschulen und Hundetrainer sind besonders gefragt

Viele Hundeschulen in Deutschland registrieren derzeit eine wahre Flut von Anfragen für Welpenkurse. Viele Familien haben einen Hund gekauft - und suchen nun Unterstützung.

 Viele Hundeschulen in Deutschland registrieren derzeit eine wahre Flut von Anfragen für Welpenkurse. "Das sonst übliche Winterloch hat es diesmal nicht gegeben", sagt die Bundesvorsitzende des Berufsverbandes zertifizierter Hundetrainer, Julia Dittmers, im Gespräch mit sonntagsblatt.de. Und auch einen Schritt davor sei die Nachfrage riesig. "Bei Züchtern gibt es schon Wartelisten für Welpen, die noch gar nicht gezeugt wurden." 

"Wir müssen Anmeldungen für unsere Welpengruppe ablehnen, weil wir keinen Platz mehr haben", berichtet Dittmers, die in Posthausen bei Bremen eine Hundeschule leitet. Tierschutz- und Züchterorganisationen schätzen, dass die Zahl der Hunde in deutschen Haushalten allein im vergangenen Jahr um etwa 20 Prozent zugenommen hat. Experten führen das auf die Corona-Krise zurück, weil viele Menschen durch Homeoffice oder Kurzarbeit mehr Zeit zu Hause verbringen und dort einen Hund um sich haben wollen. 

Hundeschulen: Sich der Verantwortung bewusst sein

Dittmers warnt in diesem Zusammenhang vor überstürzten Kaufentscheidungen. "Ein Hund bedeutet Verantwortung für eine lange Zeit, wenn man Glück hat für 15 oder 16 Jahre", betont die 49-jährige Expertin. Sie rät, sich schon vor dem Kauf in Hundeschulen beraten zu lassen, um beispielsweise zu klären, ob eine bestimmte Rasse oder ein Mischling gut in die Familie passt. 

Die Hundetrainerin, die selbst zwei Jack-Russell-Hündinnen hat, warnt außerdem vor "Wühltischwelpen": "Gerade jetzt bei der großen Nachfrage während der Corona-Krise wird alles vermehrt, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist und über Kleinanzeigen im Netz verkauft - auch dann, wenn die Tiere zu früh von der Mutter getrennt wurden oder nicht ordentlich geimpft sind." 

Dittmers empfiehlt deshalb, trotz höherer Preise nur bei zertifizierten Züchtern zu kaufen. "Und auch gleich mit der Erziehung anzufangen, wenn der Welpe in der Familie ist." Die Sozialisierungsphase der jungen Hunde müsse genutzt werden, um spätere Probleme zu vermeiden. "Es geht um Liebe, Grenzen und Konsequenzen", bekräftigt Dittmers, die eine Hundeerziehung nur anhand von Büchern oder Videos im Internet kritisch sieht. "Für Ersthundebesitzer ist der Austausch und eine Anlaufstelle für die alltäglichen Fragen wichtig. Denn schließlich hat ja auch jeder Hund seinen eigenen Charakter." 

Ausbildung von Hunden ist wichtig für die Zukunft

Was die Hundeschulen derzeit anbieten dürfen - Gruppenarbeit oder nur Einzeltraining - ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, teilweise sogar von Region zu Region. "Hier bei uns sieht der Landkreis Gruppenangebote als präventives Angebot, um Probleme in der Zukunft zu vermeiden", verdeutlicht Dittmers. Einzig das Verbot des Trainings im öffentlichen Raum sei bundeseinheitlich. 

Sie könne sich durchaus vorstellen, dass es als Corona-Effekt mit ungenügend ausgebildeten Hunden künftig mehr Unfälle gibt "und dass Hunde mit schlechtem Benehmen vermehrt im Tierheim landen". Grundsätzlich, meint Dittmers, sei ein Hund ein wunderbarer Begleiter. "Aber wer sich ein Tier anschafft, muss über die Zeit des Lockdowns hinausdenken."

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