6.11.2020
Neue EJB-Vorsitzende

Katrin Vogelmann: "Jugendliche haben ein Bedürfnis nach Jugendarbeit und sie wollen Gemeinde leben"

Die Theologie-Studentin Katrin Vogelmann wurde vor Kurzem zur neuen Vorsitzenden der Evangelischen Jugend in Bayern gewählt worden. Im Interview spricht sie über ihre Aufgaben und die nächsten wichtigen Themen. Gleichzeitig verrät Vogelmann im Gespräch, wie sie selbst zur EJB kam.
Katrin Vogelmann, Vorsitzende der Evangelischen Jugend in Bayern

Anfang Oktober wurde die 24-jährige Theologiestudentin Katrin Vogelmann aus dem Dekanat Kempten bei der Vollversammlung der Landesjugendkammer zur neuen Vorsitzenden der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB) gewählt. Sie übernahm die Aufgaben von Paula Tiggemann, die aus beruflichen Gründen vorzeitig von ihrem Amt zurückgetreten ist.

Sonntagsblatt.de konnte mit ihr über ihre Aufgaben als Vorsitzende sprechen und welche wichtigen Punkte derzeit anstehen. Daneben hat Vogelmann erzählt, wie sie einst selbst zum EJB kam und wie es allgemein um die evangelischen Jugenden in Bayern bestellt ist. 

Wie sehen Ihre Aufgaben als EJB-Vorsitzende aus?

Katrin Vogelmann: Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. In der Landesjugendkammer beschäftigen wir uns mit vielen unterschiedlichen Themen. Dabei versuchen die Jugendarbeit in ihrer kirchlichen und in ihrem gesamtgesellschaftlichen Kontext wahrzunehmen und Rahmenbedingungen für evangelische Jugendarbeit zu schaffen. Meine Aufgabe ist es zu koordinieren und dann kommt noch die ein oder andere repräsentative Aufgabe hinzu. Manchmal kann man da gar nicht so genau trennen zwischen uns als Gremium und meiner Aufgabe.

Wie viele sitzen aktuell im Gremium?

Vogelmann: Aktuell sind es 22 Personen. Das sind 11 gewählte VertreterInnen der ehrenamtlichen Jugendlichen, der Hauptberuflichen und der sechs Mitgliedsverbände.

Was sind Ihre persönlichen Ziele für Ihre Amtszeit?

Vogelmann: Wir stecken gerade in vielen Prozessen. So beschäftigen wir uns mit dem kommenden Kirchentag in Frankfurt 2021, sehr stark mit Digitalisierung sowie mit Nachhaltigkeit und sozialökologischer Transformation. Wir sind aber auch beim Thema PUK (Anm. d. Red.: Profil und Konzentration – Der landeskirchliche Zukunftsprozess) dabei. Als PUK-JugendbotschafterInnen waren wir auf Anfrage im ganzen Land unterwegs. Dabei haben wir eine Methode vorgestellt, mit der vor Ort zu Puk gearbeitet werden kann. Als Jugendverband haben wir auch beschlossen, uns selbst zu „puken“ und zu schauen, was ist für uns Profil und Konzentration? Wer sind wir? Was sind unsere Themen und Aufgaben? Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Er beinhaltet für uns als Landesjugendkammer auch die Frage, wie können wir unsere Aufgaben besser verteilen - besonders in einer Zeit, in der ehrenamtliche Arbeit immer intensiver wird und gleichzeitig Jugendliche immer weniger Zeit dafür haben.

Ich könnte wahrscheinlich noch lange weitererzählen, es gibt einfach viel zu tun.

Wie ist allgemein die Situation bei der EJB? Stichpunkt Nachwuchsprobleme.

Vogelmann: Wir sind insgesamt noch sehr gut aufgestellt. Natürlich gibt auch Jugenden vor Ort, die Probleme bei der Nachwuchsgewinnung haben. Wir haben aber auch viele Orte, an denen es sehr gut läuft. Gerade in Corona-Zeiten werden neue Formen und Methoden entwickelt und auch in digitalen Räumen gearbeitet. Denn die Jugendlichen haben ein Bedürfnis nach Jugendarbeit und sie wollen Gemeinde leben. Da ist wahnsinnig viel Engagement dabei.

Wie sind Sie eigentlich zur EJB gekommen?

Vogelmann: Sehr klassisch, nämlich über die Konfirmation. Ich war wohl mit sehr engagierten Hauptberuflichen gesegnet. Sie haben uns auch wahnsinnig gepusht und uns Jugendlichen einen Raum geboten, in dem wir uns ausleben konnten. Ich bin dann hängen geblieben und durfte schon früh Verantwortung übernehmen. Da waren viele schöne Jahre in der Jugend im Allgäu dabei. Nach meinem Abi bin ich noch ins Ausland gegangen und habe über bei Mission EineWelt ein Freiwilligendienst gemacht. Das war eine ganz andere Form von Jugendarbeit. Wegen des Studiums und die räumliche Trennung von meiner Gemeinde war schnell klar, dass es in die Landesjungendkammer gehen sollte.

Sie studieren Theologie. Wo soll es denn später hingehen?

Vogelmann: Das ist noch ganz schön weit weg. Ich habe gerade das Bedürfnis, wieder in die Jugendarbeit zurückzukehren, weil ich gemerkt habe, was sie mir gibt.

Ich möchte auch anderen jungen Menschen Kirche so zeigen, wie ich sie erlebt habe.

Wie es aber in fünf Jahren, wenn ich mein Vikariat fertig habe, sein wird, weiß ich jetzt noch nicht.

Ihre Amtszeit geht nur bis Juni 2021. Wie geht es danach weiter?

Vogelmann: Das kann ich noch nicht sagen. Aktuell freue ich mich erstmal auf das dreiviertel Jahr, das vor mir liegt. Wir sind gerade in einem super Workflow. Wie es weitergeht, muss ich dann entscheiden.

Was sind die nächsten Punkte, die wichtig sind?

Vogelmann: Wir haben uns erst kürzlich mit dem Thema Prävention sexualisierter Gewalt auseinandergesetzt. Hierzu stehen wir mit der Landeskirche in engem Kontakt. Momentan sind wir auch an dem Thema verbal-sexualisierte Gewalt, auch Catcalling genannt, dran. Auch ganz groß auf dem Plan steht die Landesstellenplanung. Wir sind aber auch bei der sozialökologischen Transformation und eben dem Kirchentag 2021 dran. Allgemein arbeiten wir in vielen Arbeitsgruppen auf Hochtouren. Das ist super schön zu sehen.

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