Evangelische Synode in Bayern
Die Kirche gestalten und nach vorne bringen möchte die evangelische Pfarrerin Yvonne Renner. Warum es auch wichtig ist, zu trauern im Veränderungsprozess, erklärt sie im Sonntagsblatt-Interview.
Yvonne Renner
Yvonne Renner

Die evangelische Pfarrerin Yvonne Renner will die Kirche der Zukunft gestalten. Sie ist davon überzeugt, dass in zehn Jahren die Kirche immer noch Bestand haben wird.

Was möchten Sie in den nächsten sechs Jahren erreichen mit der Synode?

Ich möchte erreichen, dass die Synode sich mit den geografischen und theologischen Unterschieden als eine Gemeinschaft versteht, die zusammen mit den anderen Kirchenleitenden Organen die Landeskirche gestaltet. Wenn wir alle zusammenarbeiten, uns verstehen lernen und auch mal Differenzen wohlwollend aushalten, kann das große Schiff der evangelischen Kirche in Bayern die Segel hissen und mit dem Wind Gottes der Zukunft entgegen schippern.

Welche Themen bewegen Sie persönlich - und warum?

Mich bewegt vor allem das Thema "Unsere Kirche wird in Zukunft eine andere sein", weil ich in Bezug auf diese Veränderung bei Gemeindemitgliedern und Kolleg*innen viel Trauer spüre. Ich selbst kenne die bayerische Landeskirche wie sie vor 35 oder 40 Jahren war nicht, da ich zu dieser Zeit noch nicht auf der Welt war.

Aber ich habe großen Respekt vor der Leistung aller, die die Gemeinden damals so aufgebaut und mit Leben gefüllt haben und verstehe, dass es Zeit zum Trauern darüber braucht, weil sich nun alles im Wandel befindet. Und ich hoffe, dass nach der Zeit der Trauer, die Zeit des Suchens und Neufindens einer "Kirche der Zukunft" kommt, in der ich die nächsten Jahrzehnte mitarbeiten kann.

Wie schätzen Sie die Zukunft der Kirche ein: Wo stehen wir in zehn Jahren?

Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren vermutlich mit weniger Mitgliedern und Personal aber dennoch mit viel Mut, Gestaltungswillen und Motivation die Kirche mit Leben füllen. Ich glaube, es kommt nicht auf die Quantität an, sondern auf die Qualität, mit der das Evangelium die Herzen der Menschen erreicht. Die Zeit der Apostelgeschichte, in der die Gemeinde täglich um 3.000 Mitglieder gewachsen ist, ist sicherlich vorbei. Aber der christliche Inhalt von der Liebe und Zuwendung Gottes zu jede*m von uns, ist heute genauso relevant wie damals. Und jede*r Einzelne, der*die davon begeistert ist, ist eine Bereicherung für uns und diese Welt.

Was bedeutet evangelisch sein für Sie? Wie leben Sie Ihren Glauben?

Für mich bedeutet ein Leben im Glauben, anderen in Liebe zu begegnen. Und dabei ist es ganz egal, wen man liebt, sondern dass man liebt. Ich versuche niemanden auszugrenzen und immer im Gespräch zu bleiben, jede*n mit den Gaben und Fähigkeiten wertzuschätzen, die er*sie von Gott bekommen hat und in aller Vielfalt gemeinsam Kirche und Gesellschaft zu gestalten. Dabei gnädig und fehlertolerant mit mir und anderen zu sein, dafür steht für mich evangelisch sein.

Pfarrerin Yvonne Renner

Yvonne Renner, geboren 1987, ist in einem kleinen Dorf im Dekanat Coburg aufgewachsen. Sie studierte Theologie in Neuendettelsau und Berlin. Nach einem Vikariat in München in der St. Lukaskirche war sie seit 2018 Pfarrerin an der Friedenskirche München Trudering. Seit 2018 forscht sie zu ihrem Dissertationsprojekt zu "Aktuellen Konzeptionen von Gemeindeaufbau". Die evangelische Pfarrerin ist verheiratet.

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