10.04.2019
Passionsgeschichte

Der Ostergarten im Bibelturm in Haßfurt

Die Passionszeit mit allen Sinnen erleben: Dieses Angebot macht der ökumenische Verein Bibelwelten in Haßfurt seit über zehn Jahren. Der Ostergarten im Bibelturm ist besonders für Kinder eine eindrückliche Erfahrung.
 Angelika Reinhart (rechts) mit den Kommunionkindern im Ostergarten in Haßfurt
So wie Jesus das Brot mit seinen Freunden teilte, teilt Angelika Reinhart (rechts) das Brot mit den Kommunionkindern und stellt im Ostergarten in Haßfurt das Passahfest nach.

Wir würden in der ersten Reihe stehen, weil wir wissen wollen, wie Jesus aussieht", sagen die Kommunionkinder Fabian und Julien aus Gerolzhofen. Im obersten Raum des Bibelturms in Haßfurt stehen sie neben einem großen Stoffesel, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern soll, und erklären, warum sie sehen wollen würden, wie Jesus nach Jerusalem kam. Wie damals die Menschen vor Jerusalem machen auch sie den Weg für Jesus mit bunten Tüchern schön. "Jesus kam nach Jerusalem, weil er mit seinen Freunden ein Fest feiern wollte", erklärt Angelika Reinhart. Sie ist eine der zehn Haupt- und Ehrenamtlichen, die die Gruppen durch den Ostergarten im Bibelturm führen.

Seit 2007 bietet der Verein Bibelwelten während der Fastenzeit Führungen durch den Ostergarten im Bibelturm an. In unterschiedlich gestalteten Räumen können die Besucher die Passion Christi nacherleben und Jesus vom Einzug in Jerusalem über die Kreuzigung bis zur Auferstehung auf Schritt und Tritt begleiten. Im vergangenen Jahr kamen rund 2500 Personen vom Vorschul- bis ins Erwachsenenalter in den Ostergarten.

Miteinander teilen, zusammen feiern und dabei an Jesus denken

Rund 100 Treppenstufen werden bei der Führung bestiegen. Beim Einzug in Jerusalem, im ersten Raum, werden die Besucher gleich mit ins Geschehen genommen. "Wir haben die Zeit dafür, dass jeder ein Tuch legen darf. Damit sind alle von Anfang an bei der Sache", sagt Reinhart. Im zweiten Raum stellt sie mit den Kommunionkindern das Passahfest nach, das Jesus mit seinen Freunden gefeiert hat. "Aber irgendwie merkten die Freunde, dass dieses Mal irgendetwas anders war", erklärt Reinhart. Sie erzählt, wie Jesus seine Freunde aufforderte, das Brot miteinander zu teilen, und ihnen sagte, dass er immer da sei, wenn sie miteinander teilen und gut zueinander sind.

Um das einmal nachzuspielen, greift Reinhart zu einem Fladenbrot und bittet die Kinder, es Jesus und seinen Freunden gleichzutun. Die Kinder reißen sich ein Stück vom Brot ab und geben es an den Nachbarn weiter. "Jesus teilte auch seinen Wein mit den Freunden", sagt Reinhart. "Tut dies zu meinem Gedächtnis, heißt es in der Kirche. Genau das können wir jetzt auch tun: miteinander teilen, zusammen feiern und dabei an Jesus denken."

Nachdem die Kinder erfahren haben, wie Jesus zum Tode verurteilt und von seinem besten Freund verraten worden ist, betreten sie einen schwach beleuchteten Raum. Aus einem CD-Player ertönt leise melancholische Musik. Vor ihnen stehen drei große Kreuze aus Holz. Reinhart erklärt in einem ruhigen und leisen Ton, dass es für die Freunde von Jesus sehr schwer gewesen sein muss, als er am Kreuz gestorben ist. "Aber Jesus stirbt am Kreuz für alles Schwere in der Welt und für alles Schwere in deinem Leben", sagt sie zu den Kindern. Sie ermutigt die Kinder, einen Stein aus dem bereitstehenden Korb zu nehmen und im Stillen Jesus zu sagen, was für sie schwer ist. Ihren jeweiligen Gedanken dürfen sie mitsamt dem Stein vor dem Kreuz ablegen.

Die frohe Botschaft erleben

Annerose Simon begleitet Reinhart während der Führung, um sich noch ein paar letzte Tipps und Anregungen für ihre eigene Führung zu holen. "Schön ist, dass wir als Führende sehr unterschiedlich sind und jeder auf seine Weise die Gruppen durch den Turm führt", erklärt sie. Auch für sich selbst erleben Simon und Reinhart den Ostergarten als eine Bereicherung. Seit es den Ostergarten gibt, feiern sie das Osterfest viel bewusster. "Im Ostergarten erleben wir alle Facetten: Wir feiern zusammen, wir trauern, aber wir freuen uns auch, dass Jesus wiederauferstanden ist", erklärt Simon. Es sei einfach cool, das zu erzählen, woran man selbst glaubt, ergänzt Reinhart. "Das ist die frohe Botschaft und es funktioniert. Sie ist etwas, was wir weitersagen können und dürfen."

Die frohe Botschaft erleben die Kinder schließlich im letzten Raum, am offenen Grab von Jesus. Als Zeichen der Auferstehung entzündet Reinhart eine Osterkerze. "Bei Gott geht das Leben weiter, da hört es nicht mit dem Tod auf", sagt sie. Auf der Kerze ist ein kleiner Spiegel angebracht. "Jesus ist auferstanden und will dein Freund sein", sagt Reinhart zu jedem einzelnen Kind und hält dabei die Osterkerze so, dass sich jedes selbst auf der Kerze sieht. Als kleine Erinnerung an diese frohe Botschaft erhalten die Kinder einen Stempelabdruck auf ihre Hand, auf dem steht: Ich bin bei Euch. "Jesus ist bei dir. Wann immer es dir gut geht, aber auch, wenn es dir mal schlecht geht."

INFO

Führungen durch den Ostergarten sind für Gruppen bis Gründonnerstag, 18. April, möglich. Eine öffentliche Führung für Einzelpersonen (ohne Anmeldung) findet am Sonntag, 14. April, um 14 Uhr statt. Information und Kontakt: www.bibelwelten.de

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