27.03.2020
Bayerische Diakone

Diakoniemuseum in Rummelsberg sucht Geschichten und Exponate für eine neue Ausstellung

Wann und wo haben Menschen aus Bayern in den vergangenen 200 Jahren diakonisch gewirkt – als Missionare, Ärzte, Diakonissen und Diakone? Welche Geschichte haben sie von ihren Reisen mitgebracht und welche Menschen stecken dahinter? Fragen, denen Historiker Thomas Greif nachspürt. Für die Ausstellung "Ferne Nächste" sucht der Leiter des Diakoniemuseums in Rummelsberg jetzt Exponate und Erinnerungen, die von Bayern aus irgendwo auf der Welt gesammelt und erlebt wurden.
Ausstellungsstück im Rummelsberger Diakoniemuseum
Eines der Stücke der Ausstellung "Ferne Nächste" im Rummelsberger Diakoniemuseum, zu denen sich hoffentlich noch viele in den kommenden Monaten dazugesellen werden: der Afrika-Reiseführer, den Diakon Johann Buchta 1936 auf seiner Reise nach Tansania dabeihatte.

Mit einem Fußtrittbohrer im Gepäck war die Hensoltshöher Diakonisse Kunigunde Brunner in en 1930er Jahren zuerst nach China, dann nach Taiwan gereist, um den Menschen dort bei ihren Problemen mit Zähnen und Kiefer zu helfen. Im Diakonissen-Mutterhaus in Gunzenhausen Angehörige wurde das mechanische Zahnwerkzeug aufgehoben.

Bereits angekommen ist der Afrika-Reiseführer, den Diakon Johann Buchta 1936 auf seiner Reise nach Tansania dabei hatte, wo er in der Steppe als Krankenpfleger beim Stamm der Massai tätig war.

Nicht nur den Seelen, sondern auch den Körpern Segen spendete Diakon Johannes Baumann auf seiner Reise nach China. Ein Gemälde, das Baumann aus China mitbrachte, zeigt den Missionsarzt Gottlieb Olpp mi einem chinesischen Patienten – der schenkte es den Europäern als Dankeschön für die gute Tat.

Hohe Bedeutung der Sozialfürsorge

"Gegenstände wie der Fußbohrer oder das Buch sind eigentlich unspektakulär. Aber mit ihnen kann man die spannenden Biographien der Menschen erzählen", erklärt Greif. Hatte der Museumsleiter in seiner ersten Schau "Kaiser, Kanzler, Rummelsberger" anhand von 21 Biografien von Menschen aus Rummelsberg deren Mitwirken an Brennpunkten der Weltgeschichte von der wilhelminischen Zeit bis in die Gegenwart dargestellt, weitet sich der Blick nun auf außen.

Über das diakonische Wirken von Menschen, die aus Bayern stammen oder mit einer im Freistaat ansässigen Institution unterwegs waren, soll ein großer Erzählbogen in ferne, exotische Länder gespannt werden, der außergewöhnliche Menschen aus kleinen Dörfern mit der weiten Welt verknüpft.

 Gemälde, das Diakon Johannes Baumann in China für seine Arbeit geschenkt bekam.
Das Gemälde, das Diakon Johannes Baumann in China für seine Arbeit geschenkt bekam.

"Lange stand diakonische Arbeit in der Mission an zweiter Stelle - es ging vor allem um theologisch-kulturelle Verkündigungsarbeit. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Gewichte deutlich verschoben", meint Greif. Beispiele seien "Brot für die Welt" oder die Arbeit der Evangelischen Entwicklungshilfe.

Auch Gegenwartsfragen der "Alten Welt" Europa zu anderen Erdteilen werden dabei gestellt. Damit es nicht zu abstrakt wird, sollen Ausstellungsstücke und die Biografien ihrer Besitzer Beispiele für bestimmte Weltgegenden, Ziele, Erfolge und Misserfolge in diakonischen Zielsetzungen bieten. Im begleitenden Katalog werden verschiedene Autoren Aufsätze zu den Personen der Ausstellung verfassen.  Die über Generationen währenden Beziehungen der Rummelsberger Brüderschaft nach Österreich kommen dabei ebenso zur Sprache wie die Lebensgeschichten vergessener Missionare, die mit der Basler, Leipziger oder Betheler Mission unterwegs waren.

Als Nazi Karriere gemacht

Ein Beispiel dafür ist der 1882 in Wallerstein in Schwaben geborene Carl Ittamaier. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er in Tansania als Arzt aktiv und baute sogar ein Krankenhaus. Zurück in der Heimat sollte er ab 1930 als aktiver Nationalsozialist eine andere Art von Berühmtheit erlangen. Bis 1943 war er Kreisleiter der NSDAP in den Bezirken Forchheim, Höchstadt und Pegnitz und musste wegen seiner Verantwortung für die Übergriffe der Reichspopgramnacht in Forchheim nach dem Zweiten Weltkrieg ins Gefängnis. Auch eine der Geschichten von im diakonischen Auftrag einst von Bayern aus gestarteten Menschen, die Einzug in Ausstellung und Katalog finden und dort auch ohne Happy End zu Ende erzählt werden.

Doch es gibt auch weitaus erbaulichere wie die des ersten Missionsfliegers Fritz Loose, der für die Neuendettelauer Mission in Papua-Neuguinea wirkte, oder jene von Diakon Karl Mittermayr, der 1944 bei Belgrad ein ganzes Waisenhaus quer durch halb Mitteleuropa evakuierte.  Und auch Kurioses mischt sich in den Reigen: Der Pfarrer Ernst Faber hatte eigentlich nur eine theologische Ausbildung, verschlang auf seiner langen Schiffsreise nach China aber mehrere medizinische Fachbücher und behandelte Tausende von Chinesen gegen Augenkrankheiten.

Mitmachen

WER AUSSTELLUNGSSTÜCKE oder Informationen zur Ausstellung "Ferne Nächste" beisteuern möchte, wendet sich an Museumsleiter Thomas Greif, Rummelsberg 47, 90592 Schwarzenbruck; Telefon (0 91 28) 50 28 17, greif.thomas@rummelsberger.net

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