Umwelt
Schaufel, Rechen und Hacke - ohne diese Utensilien geht nichts mehr im Kindergarten St. Markus in Weiden. Schließlich müssen die Kleinen richtig ackern - im wörtlichen Sinn: Die Kinder bewirtschaften einen Acker. Dabei lernen sie gleich mehrere wichtige Dinge.
Im Kindergarten St. Markus in Weiden pflanzen, ackern und jäten die Kinder auf eigenem Acker.
Im Kindergarten St. Markus in Weiden pflanzen, ackern und jäten die Kinder auf eigenem Acker. Hinten: Leiterin Sonja Wimmer.

Unkraut jäten, Erde lockern, gießen, Schnecken sammeln und natürlich ernten: Die Kinder des Kindergartens St. Markus in Weiden kümmern sich einfach um alles und sind mit Feuereifer dabei, berichtet Sonja Wimmer, die Leiterin des Kindergartens.

"Die Kinder haben mit Freude den Acker eingerichtet, die Wege getreten und sogar Mathematik draußen geübt. Sie haben jeden Tag Freude dran, die Pflanzen zu beobachten, zu pflegen, zu gießen. Auch uns macht es Spaß, mit den Kindern im Garten zu arbeiten, mit der Natur zu leben. Es ist einfach ein super Acker!"

Verein GemüseAckerdemie unterstützt Schulen und Kindergärten 

Pfarrer Dominic Naujoks ist froh, dass die Rasenfläche hinter seiner Kirche jetzt sinnvoll genutzt wird - und das mit professioneller Hilfe der GemüseAckerdemie. Dieser Verein, der deutschlandweit agiert, unterstützt Schulen und Kindergärten, um den Kindern zu vermitteln, dass Gemüse wachsen muss, bevor man es im Supermarkt kaufen kann.

In Bayern nehmen bereits 150 Kindergärten und Schulen teil. 4.200 Kinder und Jugendliche ackern dabei mit. Auf den Feldern wachsen 32 verschiedene Gemüsesorten - darunter auch die Bayerische Rübe und das Bamberger Hörnla. 758 Meter hoch liegt der höchst gelegene Lernort der GemüseAckerdemie, das ist in Marktoberdorf (Landkreis Ostallgäu).

Landwirt Christoph Schmitz entwickelte Idee des "ackerdemischen Bildungsprogramms"

Die Idee zur Entwicklung eines "ackerdemischen Bildungsprogramms" kam dem studierten Landwirt Christoph Schmitz im Jahr 2012. Viele Schulklassen besuchten damals seinen elterlichen Hof für einen Tagesausflug.

Aber können Kinder an einem einzigen Tag tatsächlich nachhaltig lernen, wie natürliche Prozesse und Landwirtschaft funktionieren? Als Antwort schrieb er die Arbeit "Entfremdung der Gesellschaft von Nahrungsmitteln" und entwarf das Konzept.

Pfarrer Naujoks ist begeistert von dem Projekt: "Das wollten wir unseren Kindern gerne auch nahe bringen, dass sie die Schöpfung erleben. Die sind dann natürlich ganz begeistert dabei und müssen ihre Aufgaben wahrnehmen. Aber das macht ihnen viel Freude, vor allem wenn sie sehen, wie das Ganze schön wächst."

Projekt macht Kinder zu Gemüse-Profis  

Und was da so alles wächst, seit die Beete angelegt wurden: Ob Tomaten, Paprika, Zuckermais, Rote Beete oder Kohlrabi - die Kinder sind inzwischen wahre Profis, was Gemüse und Co. angeht.

Und auch die Kindergärtnerinnen haben viel dazugelernt - Dank der GemüseAckerdemie. Die begleitet die Erzieherinnen und führt sie durch die Prozesse, freut sich Sonja Wimmer: "Wie die Fruchtfolge aussehen muss, was am Besten ist, damit der Boden immer genügend Nährstoffe hat, wann wir welche Pflanzen anpflanzen müssen."

Kinder haben eigenständig einen Markttag geplant

Und bei so viel professioneller Hilfe und liebevoller Pflege ist den Kindern der Salat bald über den Kopf gewachsen, berichtet die stolze Kindergartenleiterin. Höchste Zeit für die erste Ernte und Überlegung: Was tun mit dem ganzen Salat?

"Und dann haben sich die Kinder überlegt: Wir verkaufen." Die erste Idee waren hundert Euro für einen Salat, weil sie auch etwas verdienen wollten, denn sie hatten ja eingepflanzt, Unkraut gejätet. "Dann kamen sie ins Gespräch über Geld und wieviel man denn verlangen kann und dann haben die Kinder eigenständig einen Markttag geplant", erzählt Wimmer.

Kindergartenleiterin Wimmer hofft auf Projekt-Nachahmer

Sie haben Bestellzettel gemalt, die Kasse organisiert mit selbst geschriebenen Kassenzetteln, Zeitungspapier zum Verpacken mitgebracht und so weiter. "Und sie waren dann hinterher ganz stolz, dass wir uns jetzt davon ein Eis kaufen können und sogar vielleicht noch etwas mehr", sagt Sonja Wimmer.

Und so profitieren alle Beteiligten von ihrem Acker im Kindergarten Sankt Markus in Weiden. Dementsprechend hofft die Leiterin, dass das Projekt zahlreiche Nachahmer findet. Denn sie ist überzeugt: "Wenn die Finger schmutzig sind, dann lernen die Kinder."

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