Weltweit
Arme Länder kämpfen derzeit oft nicht nur gegen die Corona-Pandemie, sondern auch gegen Hunger und wirtschaftliche Krisen. Entwicklungsminister Müller und das Welternährungsprogramm sagen, was zu tun wäre.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) haben die internationale Staatengemeinschaft zu mehr Solidarität bei der Überwindung der Klima-, Hunger- und Corona-Krise aufgerufen. Nicht nur die Corona-Pandemie lasse die Nahrungsmittelpreise steigen, sagte Müller dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Andere Krisen, wie der Klimawandel und politische Konflikte, verstärkten diese Entwicklung. "So verbinden sich Corona, der Klimawandel und Konflikte immer mehr zu einer Polypandemie", sagte der CSU-Politiker.

WFP-Chefökonom Arif Husain sagte der "Augsburger Allgemeinen", in einer globalisierten, verbundenen Welt müsse man "die Probleme der anderen zu unseren eigenen machen - weil sie es sind". Dies gelte gerade auch im Kampf gegen Corona: "Solange wir die Krankheit nicht auf der ganzen Welt besiegt haben, ist niemand sicher."

Entwicklungsländer dürfen nicht vergessen werden

Husain sagte, die Regierungen reicher Nationen dürften die Entwicklungsländer bei der Verteilung der Vakzine nicht vergessen. "Wer Impfstoffe an ärmere Länder abgibt, tut dies nicht nur für die Menschen dort, sondern auch für seine eigene Bevölkerung und für die eigene Wirtschaft." Ein solcher "Wandel in der Denkweise" sei nicht nur beim Thema Corona nötig.

Müller betonte, es müsse jetzt nicht nur darum gehen, die Pandemie zu besiegen. Es seien auch Investitionen in die Ernährungssicherung notwendig, in eine nachhaltige Landwirtschaft und eine funktionierende ländliche Entwicklung.

Deutschland gehe als zweitgrößter Geber für das WFP schon heute voran. Nach Angaben des Ministeriums überwies Deutschland im vergangenen Jahr an das WFP die bisherige Rekordsumme von 1,056 Milliarden Euro. Das waren rund 200 Millionen Euro mehr als 2019.

Wachsender Hunger auf der Welt

Das Welternährungsprogramm hatte wegen gestiegener Nahrungsmittelpreise vor einem Mangel an Essen für Millionen von Menschen gewarnt. Das WFP geht von 270 Millionen Menschen aus, die 2021 akut an Hunger leiden oder davon stark gefährdet sein werden. Das entspräche einem Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Husain verwies darauf, dass durch den wachsenden Hunger auf der Welt auch die Gefahr sozialer Unruhen und damit steigender Flüchtlingszahlen zunehme. Er erinnerte an den arabischen Frühling, der unter anderem ausgelöst wurde, weil sich ein Mann in Tunesien selbst angezündet hatte. Diese habe das Essen auf dem Markt nicht mehr bezahlen können, sagte Husain.

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