13.02.2020
Kultur und Glaube

Mehr als nur Kunstgeschichte: Neue Website präsentiert 59 Markgrafenkirchen

Sie gehören sozusagen zu den Kronjuwelen fränkischer Kirchenbaukunst: Jetzt wurde für die Markgrafenkirchen eine Art virtuelle Schatztruhe geschaffen. Darin lassen sich nicht nur kunsthistorische Perlen entdecken.
Regionalbischöfin Dorothea Greiner bei der öffentlichen Präsentation der neuen Website
"Wer nicht im Netz ist, wird nicht gefunden": Regionalbischöfin Dorothea Greiner bei der öffentlichen Präsentation der neuen Website in der St.-Jakobus-Kirche in Berg.

Es war eine Verbeugung vor dem Dichter Heinrich Holzschuher, der einst den Klassiker "O du fröhliche" um zwei weitere Strophen bereicherte und später auf dem alten Friedhof in Berg im Landkreis Hof seine letzte Ruhestätte fand. Mit diesem Lied endete am vergangenen Sonntag in der St.-Jakobus-Kirche Berg eine Feierstunde, deren Anlass nicht nur einmal als "Meilenstein" gelobt wurde.

Als "höchstgelegene Kirchengemeinde Oberfrankens", so Regionalbischöfin Dorothea Greiner, hatte man die Jakobuskirche gewählt, um die nächste Etappe des ambitionierten Projekts "Erschließung der Markgrafenkirchen in Oberfranken" zu starten. Offiziell freigeschaltet wurde die brandneue Website, die "Informationen zu Kirchen, Tourismus und Kultur in der Region auf einer einzigartigen Plattform" verbindet, wie es Projektmanagerin Jutta Geyrhalter formulierte.

Geistliches Kulturgut von europäischem Rang

Tatsächlich sind auf dieser Website erstmals die Ergebnisse einer jahrelangen Arbeit an einem Ort versammelt. Die ersten Impulse, die 59 Markgrafenkirchen und ihren speziellen "protestantischen Barock" als "geistliches Kulturgut von europäischem Rang" neu zu entdecken, liegen erst knapp sechs Jahre zurück. Bis Ende 2022 wird das Pojekt im Rahmen des LEADER-Programms der Europäischen Union finanziell gefördert.

Der Bayreuther Pfarrer Hans Peetz, der vor drei Jahren für diese Aufgabe eine neu geschaffene Projektstelle übernahm, sprach von einer "Mammutaufgabe", die nach gründlicher Vorbereitung im Herbst 2018 auch praktisch angepackt werden konnte. Als zentrales Element stand schon zu Beginn ein umfassender Internet-Auftritt fest: Denn um Aufmerksamkeit und Interesse zu wecken, geht an diesem führenden Informationsmedium kein Weg mehr vorbei. So enthält die Website auch ausgetüftelte Touren-Angebote für Radler, Wanderer und Pilger, Wegweiser zu weiteren Sehenswürdigkeiten, zu Gastronomie oder einem umfangreichen Veranstaltungskalender.

Umfassenden Tourismusführer

Dafür hat der Fotograf David Sünderhauf alle Kirchen neu und nach Worten von Regionalbischöfin Greiner mit "viel Gefühl und Atmosphäre" ins Bild gesetzt – für einen zusammenfassenden Tourismusführer und für kompakte Faltprospekte, die in allen Kirchen zum Mitnehmen ausgelegt werden. Aus den mehreren Tausend Aufnahmen, die im Lauf des letzten Jahres entstanden sind, steht nun eine Auswahl von je zwölf Bildern pro Kirche im Netz; einzige Ausnahme ist die Jakobuskirche Creußen, die derzeit generalsaniert wird.

Was die dreisprachige Website (übersetzt wurden Texte auf Englisch und Tschechisch) besonders auszeichnet, ist neben den einzelnen Kirchenporträts die Rubrik "Wissen", in der Hans Peetz die Hintergründe aus Theologie, Geschichte und Kunstgeschichte erläutert. Diesen Teil samt einem Stichwortlexikon (intern augenzwinkernd "Wikipeetzia" genannt) will er auch nach seinem bevorstehenden Eintritt in den Ruhestand weiter ausbauen. Und: Die Projektstelle werde von der Landeskirche um weitere zwei Jahre verlängert, kündigte Dorothea Greiner in Berg an.

Kurs für Kirchenführung

Der Verein Markgrafenkirchen e.V. bietet in diesem Jahr eine Fortbildung für Führungen in Markgrafenkirchen an. Die Ausbildung geht vom 22. Februar bis 21. November 2020. Neben vielen Informationen und Fakten wird besonderer Wert auf die Vermittlung mit allen Sinnen und zahlreichen Methoden der Kirchenpädagogik gelegt. Anmeldung bis 19. Februar per E-Mail: ute.steiniger@elkb.de

Mehr Information: Tel. (09 21) 75 74-821,
www.markgrafenkirchen-bayern.de

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