Mobilität
Zu wenig Fahrradwege, zu viele Autos. Ein bundesweites gesellschaftliches Bündnis fordert nun auch vom Freistaat die klimaverträgliche Mobilitätswende. Es ist überzeugt: Klima retten und Lebensqualität verbessern passt zusammen.
Fahrradweg

Weniger "Autoland" und mehr Mobilitätsdiskurs mit allen relevanten Partnern wünscht sich das bundesweite gesellschaftliche Bündnis "Sozialverträgliche Mobilitätswende" vom Freistaat Bayern.

Es sei möglich, das Klima zu schützen und die Lebensqualität von Millionen Bürgerinnen und Bürgern zu verbessern, betonten die Vertreter am Montag bei der Präsentation des Bündnisses. Doch dafür müsse mit einer neuen Klima- und Mobilitätspolitik dringend investiert werden - in Radwege, in öffentliche Verkehrsmittel und in die Weiterbildung der Menschen in der Mobilitätswirtschaft.

BUND Naturschutz kritisiert die Staatsregierung in Sachen Verkehrswende 

Die Staatsregierung habe in Sachen Verkehrswende die letzten Jahre geschlafen, kritisierte der Vorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern, Richard Mergner. Der Umweltverband gehört dem Bündnis ebenso an wie der Sozialverband AWO, die Gewerkschaften DGB, IG Metall und ver.di und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD).

Neben dem Auto hätten andere Mobilitätsformen noch immer einen viel zu niedrigen Stellenwert. Dabei umfasse die Mobilitätswirtschaft nicht nur die Automobilbranche, sondern reiche von der Bahnindustrie über den öffentlichen Personennahverkehr bis zum Fahrradhandel. Es brauche daher nicht nur Autogipfel in der Staatskanzlei, sondern einen Mobilitätsdiskurs mit allen relevanten Partnern.

AWO Bayern: Menschen sind auf Auto fixiert

Nach wie vor seien die Menschen zu sehr aufs Auto fixiert, bestätigte Nicole Schley, Vorsitzende der AWO Bayern.

Nicht nur fürs Klima, auch für Menschen mit geringem Einkommen, die sich oft gar kein Auto leisten könnten, brauche es daher einen gut ausgebauten und erschwinglichen öffentlichen Personennah- und -fernverkehr sowie sichere Rad- und Gehwege.

Mehr als die Hälfte aller bayerischen Bahnhöfe nicht barrierefrei

Auch Menschen mit Behinderung, ältere Menschen und Familien könnten öffentliche Verkehrsmittel oft nur schwer nutzen, denn mehr als die Hälfte aller Bahnhöfe und Haltepunkte in Bayern sei nicht barrierefrei.

Auf dem Land sei das Auto wegen fehlender ÖPNV-Angebote und weiter Wege für Job, Einkauf und weitere Erledigungen des täglichen Bedarfs quasi unverzichtbar.

"Wir brauchen ein Umdenken weg von der Konzentration auf wenige Zentren hin zu mehr Angeboten vor Ort", betonte Schley. Außerdem müssten die Kosten einer Mobilitätswende solidarisch verteilt werden.

Verkehrswende als Baustein zur Wahrung der Schöpfung

Die Verkehrswende in Deutschland sei ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Bewahrung der Schöpfung für nachfolgende Generationen, erklärte die Referentin für Fragen der Nachhaltigkeit bei der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Oberkirchenrätin Ruth Gütter, laut Pressemitteilung.

Seit vielen Jahren engagierten sich die evangelischen Landeskirchen und die EKD daher für Klimagerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung.

Umstellung auf klimaneutrale Antriebe könnte Arbeitsplätze retten

Um das Klima zu retten und Arbeitsplätze zu sichern, brauche es eine ökologische und soziale Mobilitätswende, ergänzte der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Johann Horn.

Mit der Umstellung auf klimaneutrale Antriebe könnten Arbeitsplätze in der Auto- und Zulieferindustrie dauerhaft erhalten werden. Dafür brauche es jedoch gezielte und massive Investitionen.

Bayern müsse es schaffen, den Bedürfnissen aller Menschen auf ökologischer, klimafreundlicher und sozialer Weise gerecht zu werden, so das Bündnis: ob in der Stadt oder auf dem Land, jung oder alt, gesund oder mit körperlichen Einschränkungen. 

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