4.03.2020
Werbematerial der Parteien

Materialschlacht Wahlkampf: So umweltverträglich ist die Wahlwerbung der Parteien wirklich

Die Innenstädte und Bundesstraßen sind dieser Tage wieder voll mit Plakaten und Bannern zur Kommunalwahl am 15. März. Welchen Wert die Parteien auf Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit dabei legen, ist unterschiedlich, wie eine epd-Umfrage ergab.
Wahlplakate vor den bayerischen Kommunalwahlen 2020 in Würzburg

Wahlkämpfe sind immer Materialschlachten, das ist bei der bayerischen Kommunalwahl natürlich nicht anders. Vor dem Wahltag am 15. März überbieten sich Parteien und Wählergruppen vielerorts regelrecht mit Bannern, Plakaten und Flugblättern.

Und obwohl die meisten größeren Parteien nach eigenen Aussagen großen Wert auf die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit ihrer Wahlwerbung gelegt haben: Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass nicht nur die Zahl der Plakate und Banner zugenommen hat, sondern auch immer öfter nur einmal verwendbare Werbemittel wie Hohlkammerplatten genutzt werden.

Bund Naturschutz kritisiert die mangelnde Nachhaltigkeit der Wahlwerbung

 "Die Wahlwerbung wird vom Umweltaspekt her insgesamt weniger nachhaltig", sagt der Landesbeauftragte des Bund Naturschutzes (BN), Martin Geilhufe. Auf dem Land nähmen die bedruckten Banner zu, die an Bauzäune gehängt würden - mit Gesichtern aktueller Kandidaten: "So etwas kann man bei der nächsten Wahl nicht mehr gebrauchen." In den Städten nähme hingegen die "Laternenwerbung" zu. Neben den immer noch vorhandenen überplakatierbaren Stellwänden kämen zunehmend Einweg-Plakate auf Hohlkammerplatten zum Einsatz: "Die könnte man zwar recyceln - faktisch tut das aber kaum einer."

Ein repräsentatives bayernweites Bild zu erfragen, wie es die Parteien und Wählergruppen mit ihrer Wahlwerbung halten, ist kaum möglich. Das liegt nicht nur an den unzähligen lokalen Wählergemeinschaften, die alle für sich selbst im Kleinen arbeiten - sondern auch daran, dass die Landesverbände der Parteien ihren Orts- und Kreisverbänden nur Angebote und keine Vorgaben machen, wo sie ihre Werbematerialien bestellen können und welche Kriterien sie an die Herstellung anlegen sollen. Bei den zentralen Werbe-Bestellangeboten setzen allerdings nur ödp und Grüne bei Plakaten ausschließlich auf Papier und Pappe.

Die Parteien unterstreichen die Verwendung von klimaneutralen Produkten und Materialien

Die Grünen teilten auf epd-Anfrage mit, dass "alle vom Landesverband angebotenen Produkte klimaneutral und auf FSC zertifiziertem Material gedruckt" werden. Der überwiegende Teil werde aus Recyclingmaterial hergestellt. Auch habe man bei der Auswahl der Werbegeschenke auf umweltfreundliche Artikel sowie Verpackungen geachtet. Die ödp teilte mit, man lasse als Landesverband klimaneutral drucken und verwende umweltfreundliche Farben und Recyclingpapiere. Seit 2018 biete man zentral nur noch Papier- oder Pappplakate an. Man bemühe sich, ganz auf Kunststoffe zu verzichten, erläuterte eine Parteisprecherin.

Die CSU teilte mit, man habe "die erste klimaneutrale Parteizentrale in Deutschland", in der nur auf zertifiziertem FSC-Papier gedruckt werde. Für Wahlplakate werde "eine breite Palette an Materialien" verwendet, sie würden nach Möglichkeit "umweltverträglich produziert".

Die Orts- und Kreisverbände setzen auf Plakate auf Holz- und Pappständern und auch auf Hohlkammerplakate. Die FDP teilte mit, man empfehle einen klimaneutralen Druck, mehr Vorgaben oder eine zentrale Bestellung für Werbemittel gebe es nicht. Die Linke setzt auf Hohlkammerplakate und verweist zugleich darauf, dass diese zu 99 Prozent recycelbar seien.

BN-Landesbeauftragter Geilhufe sagte dazu, die Wirklichkeit sehe bei Hohlkammerplatten und daraus hergestellten Plakaten vermutlich ganz anders aus.

"Wir vermuten, dass weniger als ein Prozent tatsächlich in die stoffliche Wiederverwertung gehen", sagte er.

Ein Großteil lande im Hausmüll oder gehe in die thermische Verwertung, wird also verbrannt. Letztlich gehe es bei dem Thema aber nicht nur um die Umwelt, sondern auch um die sozialen Folgen der Lieferketten: Wer günstig druckt, der nehme unter Umständen niedrige Löhne in Druckereien sowie bei der Logistik in Kauf: "Wir beraten Parteien gerne, wie es anders geht."

Die bayerische SPD verwies ebenfalls darauf, dass die kommunalen Verbände bei der Kommunalwahl selbst über ihr Wahlwerbematerial entscheiden könnten. Der Landesverband biete aber über ein Portal seinen Orts- und Kreisverbänden bearbeitbare Design-Vorlagen an und vermittle auch Druckereien, bei denen klimaneutral gearbeitet werde. "Über das Intranet-Portal bieten wir ausschließlich umweltverträgliche 'Allwetterplakate' und keine Hohlkammerplakate an", sagte ein SPD-Sprecher. Die Freien Wähler blieben allgemein. Als "starke kommunale Kraft" entschieden die Gliederungen selbst über ihre Wahlwerbung.

Der Landesverband der ebenfalls im Landtag vertretenen AfD reagierte auf die Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) zum Thema auch nach mehrmaligem Nachhaken nicht.

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