5.10.2020
Erntedank

Bedford-Strohm zu Erntedank: Gerechtigkeit ist ein Impfstoff gegen Hunger

Am vergangenen Sonntag haben Christen in ganz Deutschland das Erntedankfest gefeiert. Zu diesem Anlass erinnerte Heinrich Bedford-Strohm an die vielen Menschen, die weltweit an Hunger leiden. Dekan Hans Stiegler rief zur Reflexion des eigenen Glaubens auf.
Heinrich Bedford-Strohm

Die Christen haben am Sonntag das Erntedankfest gefeiert. In den Kirchen waren die Altäre mit Früchten, Obst, Gemüse und Getreide geschmückt.

In den Gottesdiensten stand die Bedeutung der Schöpfung mit Wachstum und Ernte für die Menschen im Mittelpunkt.

Erntedank-Aktionen

Im christlichen Verständnis gehören das Danken und Teilen zusammen. Erntedank-Gottesdienste sind daher oft mit einer Solidaritätsaktion zugunsten notleidender Menschen verbunden.

Die Früchte und andere Nahrungsmittel werden nach dem Fest häufig an Bedürftige in der Gemeinde, in Obdachlosenheimen oder an soziale Einrichtungen verteilt.

Heinrich Bedford-Strohm: Erinnerung an Hungersnöte

Wie der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte, könnten Gerechtigkeit und faire Löhne für alle Menschen die Hungersnöte und Unterversorgung auf der Welt beenden.

Weltweit stürben täglich 20.000 Menschen an Hunger und damit doppelt so viele, wie in Deutschland bisher insgesamt dem Corona-Virus zum Opfer gefallen waren, sagte der Bischof in der Münchner Himmelfahrtskirche.

"Impfstoff Gerechtigkeit"

Im Gegensatz zu Corona gebe es gegen Hunger jedoch den "Impfstoff Gerechtigkeit".

Wenn die Menschen auf der ganzen Welt faire Chancen bekämen und von den Löhnen ihrer Arbeit auch ihre Familien ernähren könnten, könne der Hunger besiegt werden, sagte der Bischof, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Es gebe genug Lebensmittel für alle Menschen.

Vorschlag: Lieferkettengesetz

In seiner Predigt, der er die biblische Geschichte der Speisung einer großen Menschenmenge durch Christus mit einigen wenigen Broten und Fischen zugrunde legte, sprach sich der Bischof für ein Lieferkettengesetz aus.

Denn durch dieses Gesetz müsse jedes Unternehmen dafür sorgen, dass seine Produkte fair zustande kommen.

Dekan Hans Stiegler: Reflexion des eigenen Glaubens

Der Ansbacher Dekan Hans Stiegler empfahl, das Erntedankfest für eine Bestandsaufnahme des persönlichen Glaubensleben zu nutzen.

Dabei sollten sich die Menschen wieder klar machen, dass sie sich mit ihren Nöten und Sorgen Jesus Christus anvertrauen können.

"Dazu gehören auch alle schweren und belastenden Entwicklungen der letzten Monate", betonte Stiegler, der auch Vizepräsident der bayerischen Landessynode ist, in einem Beitrag für die Wochenzeitung "Sonntagsblatt" (München).

Erntedank in den USA

Die Tradition, ein Erntedankfest zu begehen, ist auch in anderen Ländern bekannt.

In den USA wird beispielsweise am vierten Donnerstag im November Thanksgiving gefeiert.

Anders als in Deutschland ist der Tag kein rein kirchlicher, sondern ein ziviler Feiertag. Traditionell kommt an diesem Tag im Familienkreis ein Truthahn auf den Tisch.

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