Sie sind kuschelig, aber ihr rundes Gesicht mit den Kulleraugen zieht eine hässliche Fratze: Labubus heißen die kleinen Kuscheltiere, die an Handtaschen und Schulranzen baumeln. Sie haben zu einem neuen medialen Hype geführt. Die kleinen Plüschmonster haben es sogar in den Louvre geschafft. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Ausführungen: Jesus-Labubus, Rabbi-Labubus, Teufelchen, Dämonen und Monster.
Das Mode-Accessoire, für das die Fans einige Euro springen lassen, wird in China hergestellt. Die Plüschtiere sind eine Mischung aus Kuschelbär, Hase und Monsterchen. Doch statt eines süßen Bärengesichts glotzen die großen Kulleraugen eher boshaft in die Welt und das breite Grinsen zeigt eine Reihe scharfer Zähnchen. Dieser "ugly cute"-Look, der niedliche Dinge mit hässlichen Elementen verbindet, macht gerade Furore und ist damit salonfähig geworden.
Labubus: Wie Diddelmäuse auf Steroiden
Anders als die Diddelmaus, die früher in deutschen Kinderzimmern Furore machte, sind die Labubus ein Verkaufsobjekt auf Steroiden: Fans müssen vielerorts stundenlang anstehen, um die Figuren zu ergattern, und zahlen hunderte Euro für besondere Figuren. Im Netz gibt es etliche Fan-Gruppen und Sammler-Seiten.
Der wichtigste Marketingtrick lautet: künstliche Verknappung und Überraschung. So werden die Labubus nicht nur in limitierten Serien produziert, sondern vor allem in sogenannten "Blind-Boxes” verkauft. Auf TikTok und Instagram sind Tausende Videos zu sehen, die zeigen, wie Käufer:innen ihre Plastikpackung raschelnd aufreißen und dann einen lauten Freudenschrei ausstoßen, wenn sie eine der seltenen "Limited Edition"-Labubus in den Händen halten.
Die Figuren sind längst zum Statussymbol geworden. Erwachsene tragen sie gut sichtbar an der Handtasche, um zu zeigen, dass sie sich die exklusiven Figuren leisten können. Denn manche dieser Figuren sollen einen Sammlerwert von über 100.000 Euro haben.
Woher kommt der Trend?
Die Labubu-Figuren wurden im Jahr 2015 vom Hongkonger Designer Kasing Lung entworfen, der damals eine Kinderbuchserie mit dem Titel "The Monsters” zeichnete und die kleinen Figuren erfand. Dabei ließ er sich nach eigenen Angaben von nordischen Mythen inspirieren.
Das chinesische Unternehmen Pop Mart erwarb die Lizenzen für die Vermarktung der Figuren als Merchandising-Produkte und brachte sie 2019 auf den Markt. Das Geschäftskonzept des Unternehmens, das sich auf den Verkauf von Plüschtieren und Spielzeug für Erwachsene spezialisiert hat, funktioniert bislang vor allem in Asien besonders gut.
Influencer*innen sorgen für Prominenz
Der Hype um die Labubu-Figuren entstand in den sozialen Medien, als Influencer*innen wie die koreanische Pop-Sängerin Lisa von der K-Pop-Gruppe Blackpink erklärten, dass sie Fans der Figuren sind. Durch Influencer-Marketing erreichte das Unternehmen viralen Erfolg. Auch Kim Kardashian, Rihanna und Dua Lipa wurden schon mit den Figuren gesichtet.
Die Marketing-Maschinerie hat jedenfalls ganz offenbar gut funktioniert. Laut dem Forbes-Magazin hat eine einzige Figurenserie im ersten Halbjahr 2024 einen Umsatz von rund 810 Millionen US-Dollar erzielt. Mittlerweile gibt es etliche Serien.
Louvre verkauft Labubu-Kunstwerke
Selbst das Louvre ist auf den Trend aufgesprungen. Im Museumsshop werden Labubus in limitierter Auflage verkauft, die wie die Mona Lisa oder die Frau mit dem Perlenohrring aussehen. Aus Kunst wird Kommerz – und damit wiederum Umsatz für das Museum, so das Kalkül.
Labubu als Jesus oder Rabbi
In den sozialen Medien diskutieren Influencer*innen aller Religionsgemeinschaften über den neuen Trend. Besonders beliebt ist die Frage, ob die Figuren als dämonisch gelten. Die Autorin Natalieyears alias Natalie Mae, die mit ihrer "Poison"-Trilogie für Kinder die Spiegel-Bestsellerliste eroberte, erklärt ihren über 317.000 Followern auf TikTok, dass sich Christen nicht vor Labubus fürchten müssten, selbst wenn diese dämonisch aussähen. "Das ist nur Angstmacherei”, beschwichtigt sie und fügt hinzu: "Das Einzige, was wirklich dämonisch ist, sind Hochmut, Hass, Egoismus und Stolz” – die Figuren seien nur eine "Ablenkung”.
Muslimische Influencer*innen widmen sich eingehend der Frage, ob Labubus "Haram” oder "Halal” sind. Es gibt vehemente Aufrufe, diese "dämonischen Puppen” auf keinen Fall zu kaufen, da sie den Teufel in sich trügen. Ebenso gibt es Kommentare, die diesem Trend keine so hohe Bedeutung beimessen.
Das fluffige Accessoire scheidet jedenfalls die Geister. Was die einen als süßes Kuscheltier empfinden, kritisieren die anderen als Verblödungsinstrument.
Aber so funktioniert die mediale Welt: Sorge für einen kontroversen Dialog. Dann bekommst du Reichweite und erzielst höheren Umsatz. Da ist der Kapitalismus ganz bei sich.