27.09.2020
Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Daniela Ludwig zur Drogen- und Suchtpolitik in der Corona-Krise

Eigentlich treffe es der Titel "Drogenbeauftragte der Bundesregierung" nicht, sagt Daniela Ludwig (CSU), die seit genau einem Jahr im Amt ist. Besser sei "Suchtbeauftragte", schließlich habe sie mit allen Arten von Sucht zu tun: Glücksspiel, Medien und natürlich legale wie illegale Suchtmittel.
Drogen Heroin Sucht

Dennoch bleiben die Drogen natürlich Thema Nummer eins. Die Sorte der konsumierten Drogen hat dabei nach ihrer Einschätzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun, wie Ludwig im Münchner Presseclub sagte.

Der starke Anstieg bei Kokain hänge womöglich mit dem steigenden Leistungsdruck zusammen: Kokain sei längst nicht mehr nur die Droge der Reichen und Schönen, sondern sein Konsum ziehe sich inzwischen durch die "volle Breite der Gesellschaft", sagte Ludwig.

Auch beim Konsum sogenannter Partydrogen gehe der Trend klar nach oben, was möglicherweise ebenfalls eine Entwicklung hin zu "weniger Pausen" im Arbeitsleben widerspiegele.

Konsum von Drogen

Zahlen dazu, ob der Konsum von Rauschmitteln speziell während der Corona-Krise zugenommen hat, liegen laut der Drogenbeauftragten voraussichtlich erst in einem halben Jahr vor. Beim Thema Sucht jedoch sei bereits in den ersten Tagen klar gewesen, wo es Probleme geben werde, sagte Ludwig: "Die Süchtigen ziehen sich oft in die eigenen vier Wände zurück."

Im Lockdown seien dadurch oft ihre letzten Außenkontakte zu Suchthelfern oder Gesprächskreisen abgerissen.

Digitale Suchthilfe

Suchthelfer hätten ihr Angebot zunehmend auf Digitalisierung umgestellt, etwa Chats mit Klienten, sagte die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete. Zudem sei es wichtig, dass Therapien in Reha-Kliniken weiterlaufen könnten.

Bürokratische Erleichterungen bei der Substitutionstherapie hätten dazu geführt, dass nun mehr Suchtkranke in dieser anerkannten Therapieform unterkämen.

Sorgen bereiten Ludwig die Kinder aus suchtbelasteten Familien, die durch die Kita- und Schulschließungen zeitweise aus dem Blick geraten seien. Das Beratungsportal "kidkit.de", wo sich betroffene Kinder und Jugendliche Hilfe holen können, sei mit mehr Geld ausgestattet worden.

Kampagne für Familien

Klar zugenommen während des Corona-Lockdowns haben laut Ludwig das Online-Glücksspiel und die Nutzung sozialer Medien, insbesondere auch bei Kindern. Dies sei klar zu erkennen aufgrund der vorliegenden Zugriffszahlen.

Mit ihrer Kampagne "Familie.Freunde.Follower" will Ludwig Familien für das Thema digitale Medien und deren Tücken sensibilisieren. Ihr Wunschziel sei, dass sogenannte In-App-Käufe für Kinder verboten oder deutlich erschwert werden.

Im Umgang mit illegalen Drogen, auch mit Cannabis, will Ludwig weiterhin stark auf Prävention und Repression setzen.

"Wir verlieren aus dem Auge bei allen Legalisierungsdebatten, die ich sehr unglücklich finde, dass Cannabis gefährlich ist", sagte sie.

Um sie vor Nachteilen im späteren Leben zu bewahren, sollten aber Jugendliche, die erstmals mit Cannabis erwischt würden, nicht automatisch strafrechtlich verfolgt, sondern zur Teilnahme an einem Präventionsprogramm verpflichtet werden.

Dieses Vorgehen gebe es bereits modellhaft und laut Polizei "sehr erfolgreich".

Meidizinalcannabis

Die Entscheidung von 2017, Medizinalcannabis in begründeten Ausnahmefällen zuzulassen, hält Ludwig nach wie vor für richtig. Es gebe bereits rund 140 Studien zur Wirksamkeit. Bei einigen Krankheits- und Schmerzbildern zeige der Gebrauch von Cannabis gute Wirkungen, etwa bei Multipler Sklerose, bei anderen gebe es noch keine validen Aussagen.

Medizinalcannabis solle jedoch der "last exit" bleiben, nachdem alle anderen Schmerzmittel ausprobiert worden seien.

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