Wunsiedel, Jena (epd). Kleinstlebewesen in Mooren könnten bei der Entwicklung neuer Medikamente helfen. Ein Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena und weiterer Einrichtungen habe im Erbgut von Moorbakterien Tausende bisher unbekannte Baupläne für Naturstoffe entdeckt, teilte die Hochschule am Freitag mit. Solche Stoffe könnten als Grundlage für neue Arzneimittel dienen.

Für ihre Studie untersuchten die Forschenden Torf aus einem Moor im bayerischen Fichtelgebirge. Sie fanden knapp 9.700 Abschnitte im Erbgut, die Bauanleitungen für Naturstoffe enthalten. Mehr als 8.000 davon waren für die weitere Untersuchung geeignet. Rund 97 Prozent ließen sich keiner bisher bekannten Gruppe zuordnen.

Nur ein Teil des genetischen Materials wird auch genutzt

Die Forschenden prüften laut Studie zudem, welche Gene in ihrer natürlichen Umgebung aktiv waren. Dabei habe sich gezeigt, dass nur ein kleiner Teil der gefundenen Baupläne tatsächlich genutzt werde. Besonders aktiv seien Bakterien, die gleichzeitig Pflanzenmaterial abbauten, also die Bakterien mit Nährstoffen versorgten.

Die Ergebnisse sind nach Angaben der Universität Jena für die Suche nach neuen Wirkstoffen wichtig. Sie zeigten, dass Forschende nicht nur das Erbgut von Bakterien untersuchen sollten. Sie müssten auch verstehen, unter welchen Bedingungen die Mikroorganismen bestimmte Stoffe herstellen.

Dazu könnten sie im Labor die Bedingungen im Moor nachbilden. So ließen sich möglicherweise bisher unbekannte Stoffe für die pharmazeutische Forschung gewinnen. Ob daraus neue Medikamente entstehen könnten, müssten weitere Untersuchungen zeigen.