München (epd). Online-Audio-Angebote sind in Deutschland fest etabliert: Drei Viertel der Erwachsenen und Jugendlichen in Deutschland hören Musik, Radio, Podcasts oder Hörbücher und Hörspiele übers Internet. Dies zeigt der Online-Audio-Monitor (OAM) 2026, den die Landesmedienanstalten - darunter die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) - am Mittwoch in München vorstellten. Vor allem im Auto werde viel Online-Audio gehört, "doch im digitalen Cockpit entscheidet zunehmend die Auffindbarkeit darüber, was gehört wird", sagte BLM-Präsident Thorsten Schmiege. Darum müssten Radioangebote etwa in Apps und auf Plattformen "sichtbar und leicht zugänglich sein", gerade lokale, regionale und journalistische Formate.
Während die Online-Audio-Nutzung in den vergangenen Jahren in Deutschland stark wuchs, konsolidierte sie sich laut OAM 2026 "auf sehr hohem Niveau". 75 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren - 53 Millionen Menschen - hören demnach zumindest gelegentlich Online-Audio. Im Jahr 2018 waren es erst 58 Prozent gewesen. Dabei hören rund 48 Millionen (68 Prozent) mindestens einmal im Monat, fast 32 Millionen Menschen (44 Prozent) sogar täglich oder fast täglich.
Webradio: Nutzung ging leicht zurück
Am beliebtesten bleibt mit 66 Prozent das Musikstreaming, gefolgt von Webradio (54 Prozent), Podcasts (34 Prozent) und Hörbüchern sowie Hörspielen (25 Prozent). Bei Webradio sowie Hörbüchern und Hörspielen ging die Nutzung im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück. Acht von zehn Webradio-Hörenden nutzen Sender, die auch über UKW oder DAB+ verbreitet werden, mehr als die Hälfte hört ausschließlich solche Programme.
Die meistgenutzten Zugänge bleiben Google/YouTube (51 Prozent) und Spotify (48 Prozent) vor den Audiotheken, Apps und Websites der Radiosender, Radioplattformen und Amazon. Bei den Geräten nutzen 83 Prozent der Online-Audio-Hörenden das Smartphone, 38 Prozent das Smart TV.
30 Millionen Menschen hören Angebote im Auto
Im Auto hören 30 Millionen Menschen Online-Audio, davon die allermeisten (84 Prozent) auch Radio. 74 Prozent schalten dabei klassisches Radio ein, vor Musikstreaming (70 Prozent) und Webradio (60 Prozent). Besonders präsent ist Radio im fest eingebauten Infotainmentsystem, während es bei Apple CarPlay und Android Auto stärker mit Musikstreaming und Podcasts konkurriert.
Die Nutzung von Webradio im Auto steigt: Am häufigsten wird es über eine Radiosender-App oder die integrierte Online-Radiofunktion des Fahrzeugs gestartet, an dritter Stelle über Aggregator-Plattformen. Da Angebote für aktiv Autofahrende schwierig aufzurufen sind, müssen sie künftig womöglich schon vorher entscheiden, was sie hören wollen, sagte "radio.net"-Geschäftsführerin Katja Ostrowsky.
Radio bleibt "das lokale Lagerfeuer"
Radio ist laut dem Digitalchef des österreichischen Senders Life Radio, Benjamin Hartwich, weiterhin "das lokale Lagerfeuer" der Gemeinsamkeiten, gerade bei Ereignissen. Radiosender müssten jedoch verstärkt auf veränderte Hörbedürfnisse reagieren, etwa weniger Wetterberichte senden und dafür mehr "gute Geschichten" oder Gespräche.
Die Vizepräsidentin der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, Julia Jeske, begrüßte die "spannende Vielfalt" bei den Online-Audio-Angeboten. Manchmal sei es jedoch schwierig herauszufinden, wer hinter einem Angebot steckt, was die Regulierung schwieriger mache.
Der Online-Audio-Monitor untersucht repräsentativ die Online-Audio-Nutzung der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren in Deutschland. Auftraggeber der von mindline media durchgeführten Studie sind die BLM, die Medienanstalt Berlin-Brandenburg, die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), die Landesanstalt für Medien NRW, der Bundesverband Digitale Wirtschaft, VAUNET - Verband Privater Medien und RMS Radio Marketing Service.