Das Evangelium, nicht die Institution Kirche, bestimmt das Mandat Evangelischer Publizistik. Es geht nicht um Öffentlichkeitsarbeit für eine Institution, sondern um Information, Kommunikation und eine christliche Perspektive, die dem Leben in seiner Vielfalt und der Wahrheit dienen. Evangelische Publizistik bekennt sich zu ihren Wurzeln in protestantisch begründetem Glauben, zugleich ist sie nicht kirchlichen Wünschen und Verlautbarungen verpflichtet. Als Autonomie in Verbundenheit könnte man diese Position beschreiben.
Evangelische Publizistik soll kein Medium von vornherein ausschließen, sondern ist souverän, in reflexiver Distanz mit den Medien. Eine solche Publizistik hat stabilisierende Funktion, in dem sie Menschen gut unterhält und in Kenntnis setzt darüber, wie Leben für sich selbst und andere hoffnungsvoll und zuversichtlich gestaltet werden kann. Im besten Sinne ist sie reformatorisch, erneuernd. Sie setzt im Leben des Individuums und der Gesellschaft verantwortungsvoll erneuernde und kritisch hinterfragende Impulse.
Offenheit, Diskurs und Reflexion
Diese Publizistik zeigt Offenheit für Weltanschauungs- und Lebenseinstellungen, sie pflegt respektvollen Diskurs und kultiviert (selbst-)kritische Reflexion. Vertreter und Vertreterinnen Evangelischer Publizistik sind gebildete Zeitgenoss:innen, die sich auskennen in der Gegenwart, ohne in ihr auf- oder gar unterzugehen. Sie erkennen politische und gesellschaftliche Realitäten, ohne sie als unumstößlich anzunehmen. Hass und Hetze sind ihr fremd – sie identifiziert sie aber und nennt sie deutlich beim Namen.
Evangelischer Publizistik ist daran gelegen, den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat zu stützen und damit der Menschenwürde zu dienen. Sie richtet sich emanzipatorisch an Individuen und Gruppen, die die Freiheit haben, entscheidungs- und handlungsfähig auf ihre Impulse zu antworten. Die Kommunikation in den Medien spielt sich ab in äußerster Privatheit, in sich selbst bestätigenden Blasen und zugleich in enormer Distanz – oft auch zu den Fakten.
Evangelische Publizistik kann durch Qualität und Präzision überzeugen – und damit aufhören lassen. Aufhören lassen in des Wortes doppelter Bedeutung: Mit etwas aufhören, um zuzuhören, zuzuschauen, um zu lesen, um sich auszutauschen. Aufhören als aufmerken, sich ernst genommen und weitergeführt fühlen.
Zeit, Expertise und Einfühlsamkeit für Menschen
Es lässt aufhorchen, wenn Lebenssituationen wahrgenommen, wenn gesellschaftliche und politische Situationen genau analysiert und in Kommentaren potentielle Veränderungsmöglichkeiten offeriert werden.
Mag manches des hier Geschriebenen gelegentlich nur Postulat sein – Auftrag Evangelischer Publizistik ist es allemal: Sachlich und leidenschaftlich, mit Zeit, Expertise und Einfühlsamkeit für Menschen und das Leben da zu sein und im Sinne eines gelungenen Community Managements mit anderen zu teilen, was Glaube, Hoffnung, Liebe zum Nutzen aller stärkt. Theologisch reflektiert, multimedial gekonnt.
Aktion "Demokratie braucht viele Stimmen"
Unsere sonntags-Redaktion beteiligt sich an der bundesweiten Aktion "Demokratie braucht viele Stimmen". Wir haben prominente Autorinnen und Autoren um einen Gastbeitrag gebeten. Die Beiträge werden in der Woche vom 14. bis 19. September 2026 veröffentlicht.
- Susanne Breit-Keßler, Publizistin und frühere Regionalbischöfin für München und Oberbayern
- Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing
- Reinhard Mawick, Chefredakteur und Geschäftsführer von Zeitzeichen, Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft
- Florian Höhne, Professor an der FAU Erlangen
- Johanna Haberer, Publizistin
Allgemeine Informationen zur Aktion findet Ihr unter diesem Link.
Den Kommentar von Oliver Marquart zum Thema gibt es unter diesem Link.