Würzburg, Kalefeld (epd). Durch seinen Onkel fing Oliver Häusler Feuer: "Er hat mich für Technik begeistert." Und für den Amateurfunk. 13 Jahre alt war der heute 59-Jährige aus dem niedersächsischen Kalefeld, als er in die Welt des Funkens einstieg. Die Sache faszinierte ihn, erinnert er sich: "Wir sind damals nicht so weit verreist wie heute, das Funken befriedigte meine Abenteuerlust und mein Fernweh." Heute sitzt Häusler dem Distrikt Niedersachsen im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) vor.

Mehr als 67.500 Hobbyfunker gibt es nach Angaben des Clubs in Deutschland, rund zwei Millionen weltweit. Die DARC-Funkamateure engagieren sich bundesweit in 24 Distrikten und treffen sich lokal in 1.000 Ortsverbänden. Eine große Szene, wobei es doch viel einfachere Möglichkeiten der Kommunikation gäbe als den Amateurfunk mit Funkgerät, Antenne und Batterie.

Was die Faszination des Funkens ausmacht

Zu funken, beschreibt Oliver Häusler die Faszination, sei eben etwas vollkommen anderes, als mit dem Handy zu telefonieren. Mit dem Mobiltelefon rufe man eine bestimmte Person an. Zwar sei es auch über ein Funkgerät möglich, jemanden gezielt zu kontaktieren. Doch den Reiz des Amateurfunks mache etwas anderes aus: "Wir rufen in den Äther und schauen, wer antwortet."

Der Amateurfunk gewinne an Bedeutung, das ist der Eindruck des Niedersachsen, der in der Energiewirtschaft tätig ist. Und zwar deshalb, weil die Stromnetze fragiler würden. Das habe unlängst der tagelange Ausfall in Berlin gezeigt. Gefunkt werden kann auch ohne Stromnetz und ohne Internet. Amateurfunker arbeiteten seit 2024 bundesweit daran, flächendeckend alternative Notfunknetze aufzubauen.

Die Geschichte des Amateurfunks geht 140 Jahre zurück: Am 13. November 1886 übertrug Heinrich Hertz in einem Experiment erstmals elektromagnetische Wellen von einem Sender zu einem Empfänger. Zehn Jahre später, im März 1896, übertrug der russische Amateurfunk-Pionier Alexander Stepanowitsch Popow mit einem Gerät drahtlos Signale über eine Distanz von 250 Metern.

Studentische Amateurfunker und "Draußenfunker"

Dass auch junge Menschen sich für den Funk begeistern, sieht man an der Uni Würzburg. "Amateurfunk ist spannender denn je, und zwar aufgrund seiner heutigen Vielfalt", sagt der Würzburger Masterstudent Niels Koch. Seit Mai sitzt er dem DARC-Ortsverband Würzburg-Nord vor, und er engagiert er sich in einer studentischen Amateurfunk-Organisation an der Uni. Zusammen mit dem Informatik-Professor Matthias Jung bietet er seit 2023 Amateurfunk-Vorlesungen an. 137 Studierende legten bisher am Ende der Vorlesungsreihe die Prüfung bei der Bundesnetzagentur ab, erhielten eine Funklizenz und ein Rufzeichen.

Vor allem in den vergangenen zehn Jahren habe sich im Amateurfunkbereich viel getan, sagt Niels Koch. Absolut "in" sei das "Draußenfunken". "Draußenfunk" bedeutet nicht nur, irgendwo in der freien Natur eine Funkstation aufzubauen und dann loszufunken. Diese spezielle Form des Amateurfunks spielt sich nach eigenen Regeln ab. Die Orte, von denen aus man funken darf, sind definiert.

Niels Koch zum Beispiel praktiziert häufig "Pota - Parks on the air". Das bedeutet, dass er seine Funkstation in einem Park, einem Naturschutzgebiet oder auch nah eines Pilgerwegs aufbauen kann. So funkte er schon vom Fränkischen Marienweg aus. Der Student engagiert sich in einem deutschlandweiten Online-Kollektiv namens "Draußenfunker”, dem rund Tausend Menschen angehören. Ihren Ausgang nahm die Bewegung im Sommer 2022 im Öjendorfer Park in Hamburg.

Funken vom Gipfel der Berge

Würzburg ist in der Amateurfunkszene bekannt, weil es hier eine große Funkstation gibt. Dort treffen sich an jedem Samstag Menschen zum Funken. Diese klassische Art des Funkens wird inzwischen allerdings eher von der älteren Generation praktiziert. Die Jüngeren suchen ständig neue technische Herausforderungen.

Koch hat vor Kurzem mit Telegrafie begonnen. Dabei wird über Codes kommuniziert, zum Beispiel über Morsezeichen, eine Kombination von langen und kurzen Signalen. Über eine angeschlossene Morsetaste statt über das Mikrofon zu kommunizieren, sei gerade für die "Draußenszene” attraktiv, und zwar für jenen Teil dieser Community, die von Berggipfeln aus funkt. "Sota - Summits on the air" ("Gipfel in der Luft") nennt sich diese Sparte.

Auch Koch hat seine Funkstation schon am Gipfel eines österreichischen Berges aufgebaut. Dafür nahm er ein leichtes Funkgerät, denn einen schweren Apparat auf den Berg zu schleppen, wäre zu mühsam. Leichte Geräte allerdings sind nicht so leistungsstark. Mit ihnen über Morsezeichen zu kommunizieren, gelingt jedoch meist sehr gut. Die nächste Aufgabe für Gipfelfunker Koch also lautet: das Morsealphabet erlernen.