München (epd). Einen Begegnungsraum zum Gedenken an die Opfer des OEZ-Anschlags vom Juli 2016 eröffnet die Initiative "München erinnern!" am Sonntag (22. Januar) in der Innenstadt. Die Stadt stelle dafür vorübergehend bis 31. Juli 2023 einen zentralen Raum in der Dienerstraße zur Verfügung, teilte die Initiative am Mittwoch mit. Die Angehörigen der Ermordeten und die Überlebenden bräuchten die Solidarität der Stadtgesellschaft, "damit dieser rechtsterroristische Anschlag nicht vergessen wird", sagte Rudolf Kollmann, Vater des ermordeten Guiliano Kollmann. Die Suche nach einem dauerhaften Gedenkraum in Moosach laufe parallel weiter.

Am 22. Juli 2016 hatte ein 18-Jähriger rund um das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) im Stadtteil Moosach neun vorwiegend junge Menschen erschossen: Armela Segashi, Can Leyla, Dijamant Zabërgja, Guiliano Kollmann, Hüseyin Dayicik, Roberto Rafael, Sabina S. und Selçuk Kilic waren zwischen 14 und 20 Jahren alt, Sevda Dag 45 Jahre. Die Tat wurde zunächst als Amoklauf bezeichnet, später aber von verschiedenen Gutachtern als politisch motivierte, rassistische Tat eingestuft. Im öffentlichen Bewusstsein der Stadtgesellschaft sei das jedoch noch nicht verankert, so die Kritik der Initiative.

Den Raum im Zentrum der Stadt nutzen zu können, sei für die Angehörigen und Überlebenden ein wichtiger Schritt, hieß es weiter. Er ermögliche, sich "im Schmerz zu solidarisieren und die Opfer in Erinnerung zu behalten als Menschen, die Spaß hatten, die gerne Fußball spielten, gute Freunde und Freundinnen oder eine liebevolle Mutter waren". Die Initiative setze sich weiterhin dafür ein, die Gräber der Ermordeten als Ehrengräber dauerhaft zu erhalten. Außerdem sollten die Namen der Ermordeten beispielsweise durch Straßenbenennungen im Stadtbild sichtbar werden.

Eine zentrale Forderung von "München erinnern!" ist die Schließung der McDonalds-Filiale am OEZ. "In jedem Burger, den die Menschen dort essen, steckt das Blut unserer Kinder", sagt Sibel Leyla, die Mutter von Can Leyla, der wie vier weitere Personen in dem Schnellrestaurant erschossen wurde. Es sei für sie und die Angehörigen unerträglich, "dass Menschen in dem Lokal Spaß haben und Geburtstage feiern, in dem fünf Menschen bei dem rechtsterroristischen Anschlag ermordet wurden". Stattdessen solle am Tatort "ein würdiger Gedenkort" entstehen.