Bei der Landtagswahl hat Sachsen-Anhalt der AfD ein starkes Ergebnis beschert. Eine Bevölkerungsgruppe fiel dabei jedoch deutlich aus dem Rahmen: Wer einer Kirche angehört, stimmte wesentlich seltener für die AfD als Konfessionslose.
Unter den evangelischen Wähler:innen kam die Partei auf 33 Prozent, unter den katholischen Wähler:innen auf 32 Prozent. Bei Menschen ohne Religionszugehörigkeit waren es dagegen 47 Prozent. Das geht aus einer Analyse der Wahl- und Sozialforschung der Konrad-Adenauer-Stiftung hervor.
Kirchenmitglieder sind somit keine AfD-freundliche Minderheit – im Gegenteil. Ihr Wahlverhalten dämpft das Ergebnis der AfD. Das gilt trotz eines deutlichen Rechtsrucks auch innerhalb der Kirchen: Seit der Landtagswahl 2021 konnte die AfD unter Evangelischen um 19 und unter Katholik:innen um 15 Prozentpunkte zulegen. Bei Konfessionslosen fiel ihr Zuwachs mit 24 Punkten jedoch deutlich größer aus.
Knapp 300.000 Kirchenmitglieder
Es zeigt sich also ein auffälliger Unterschied: Die AfD erreicht bei Konfessionslosen fast die Hälfte der Stimmen, bei Kirchenmitgliedern bleibt sie hingegen deutlich darunter. Anders ausgedrückt: Würden evangelische und katholische Christ:innen die AfD genauso häufig wählen wie Konfessionslose, wäre ihr Ergebnis noch höher.
Dieser Unterschied würde womöglich noch stärker ins Gewicht fallen, wenn Kirchenmitglieder in Sachsen-Anhalt nicht eine so kleine Minderheit wären. Rund 230.000 Menschen gehören der evangelischen Kirche an, weitere 64.841 der römisch-katholischen Kirche. Zusammen sind das knapp 295.000 Menschen oder 13,8 Prozent der Bevölkerung. Die große Mehrheit gehört keiner der beiden großen Kirchen an.
Es wäre allerdings falsch, daraus abzuleiten, dass eine Kirchenmitgliedschaft automatisch vor einer Wahl der AfD schützt. Mit 32 bzw. 33 Prozent liegt die Partei auch unter Christ:innen auf einem hohen Niveau. Ein Vergleich mit dem Jahr 2021 zeigt zudem, wie stark sich das Wahlverhalten verändert hat. Die AfD konnte ihren Stimmenanteil in allen drei Gruppen deutlich steigern.
Der Abstand wird größer
Auffällig ist jedoch die unterschiedliche Dynamik. So stieg der AfD-Anteil bei den Konfessionslosen seit 2021 um 24 Prozentpunkte. Bei den Evangelischen waren es 19 und bei den Katholik:innen 15 Prozentpunkte. Der Abstand ist also nicht nur ein Unterschied beim aktuellen Wahlergebnis, sondern hat sich im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl auch vergrößert.
Die Frage ist deshalb nicht, warum Kirchenmitglieder die AfD nicht wählen – denn viele tun es. Spannend ist aber die Frage, warum sie die Partei trotz des starken Rechtsrucks in Sachsen-Anhalt weiterhin deutlich seltener wählen als Menschen ohne Konfessionszugehörigkeit.
Die Zahlen der Wahlforschung zeigen zunächst nur einen Zusammenhang, aber keine Ursache. Sie belegen also nicht, dass die Kirchenmitgliedschaft Menschen selbst von der AfD fernhält. Bemerkenswert bleibt der deutliche Abstand zwischen Kirchenmitgliedern und Konfessionslosen – und die Tatsache, dass er seit der Wahl 2021 sogar größer geworden ist.
Der Befund lautet also: In einem Bundesland, in dem die AfD besonders stark ist, gehört die Religionszugehörigkeit zu den Merkmalen, bei denen sich ihr Wahlergebnis deutlich unterscheidet. Kirchenmitglieder haben den Erfolg der AfD nicht verhindert. Aber sie haben ihn – gemessen an ihrem Wahlverhalten – erkennbar gebremst und verhindert, dass die Partei alleine regieren kann.