München (epd). Die bayerische Landeskirche ist bisher finanziell mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen. Die Auswirkungen der Pandemie hätten nicht so gravierend durchgeschlagen wie befürchtet, sagte Oberkirchenrat Nikolaus Blum in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). In den letzten Monaten war der Leiter des Landeskirchenamts auch kommissarisch kirchlicher Finanzchef, am 5. Oktober wird sein Nachfolger Patrick de La Lanne mit einem Gottesdienst in diese Funktion eingeführt. Statt des erwarteten Einbruchs bei der Kirchensteuer von 13 bis 14 Prozent habe der Rückgang nur bei knapp zehn Prozent gelegen, erläuterte Blum - das mache allerdings Mindereinnahmen von 73 Millionen Euro aus. Dazu kamen 28 Millionen Euro für einen außerplanmäßigen Corona-Hilfsfonds für in Not geratene kirchliche und diakonische Einrichtungen. Dennoch halte sich das Defizit für 2020 mit einem negativen Jahresergebnis von 66 Millionen Euro in Grenzen, "weil wir im laufenden Haushalt sehr sparsam gewirtschaftet haben und sogar die herabgesetzten Soll-Ansätze nicht ganz ausgeschöpft haben", sagte Blum.

Trotz aller notwendigen Einsparungen stehe die Kirche jedoch nicht mit dem Rücken zur Wand und sei noch handlungsfähig, sagte der Oberkirchenrat. Das kurzfristige Ziel sei, den zu erwartenden Fehlbetrag für 2021 gering zu halten und auf alle Fälle für das Jahr 2022 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Entscheidend werde aber sein, diese noch vorhandenen Handlungsspielräume zu nutzen, um die notwendigen Erneuerungen im Rahmen des Reformkonzepts Profil und Konzentration (PuK) voranzutreiben.

Die Kernaufgaben der Kirche sind Blum zufolge sehr personalintensiv, insbesondere Verkündigung, Unterricht und Seelsorge. Deshalb seien große Anteile des kirchlichen Budgets im Personalbereich gebunden. Einsparungen seien nur möglich in den flexiblen Bereichen, beispielsweise bei den Zuwendungen für Einrichtungen und Werke innerhalb der Landeskirche. Und da ließen sich Kürzungen nicht beliebig fortsetzen. Irgendwann komme der Punkt, an dem sich die Frage nach strukturellen Änderungen stellt. Deshalb könne es besser sein, nur noch zwei Einrichtungen zu haben, die lebensfähig sind und kraftvoll nach außen wirken, als drei oder vier, die alle zu wenig Luft zum Atmen haben und kaum über die Runden kommen. Deshalb komme die Kirche nicht darum herum, in den nächsten Jahren Prioritäten zu setzen.

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