München (epd). Der Freistaat Bayern stockt den Zuschuss für den Landesverband der Deutschen Sinti und Roma kräftig auf. Er erhält nun jährlich 662.000 Euro, rund 230.000 Euro mehr als zuvor, teilte das bayerische Kultusministerium am Mittwoch mit. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte, mit den zusätzlichen Mitteln könne eine Monitoringstelle eingerichtet werden, um antiziganistische Vorfälle zu erfassen und sie zusammen mit den staatlichen Stellen zu bearbeiten. Damit lasse sich Aufklärungsarbeit gegen Diskriminierung und Antiziganismus noch gezielter betreiben. Alle Bürgerinnen und Bürger sollten für den noch immer weitverbreiteten Antiziganismus sensibilisiert werden, so Piazolo.

Am 80. Jahrestages der Deportation der bayerischen Sinti und Roma unterzeichneten Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der Vorsitzende des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Bayern, Erich Schneeberger, einen Änderungsvertrag zum gemeinsamen Vertrag, der seit 2018 bestand. Er sieht die Aufstockung der Gelder und eine ausgeweitete Zusammenarbeit vor, hieß es. "Sinti und Roma sind Teil der bayerischen Familie", sagte Söder bei dem Festakt, "sie genießen unsere volle Wertschätzung und unseren besonderen Schutz."

Der Freistaat Bayern setzte seit Jahren auf eine enge Kooperation mit dem Landesverband der Sinti und Roma in Bayern, hieß es in der Mitteilung. Im Fokus stehe die aktive Erinnerungsarbeit vor dem Hintergrund der Verfolgung der Sinti und Roma und dem systematischen Völkermord durch die Nationalsozialisten. Ende 1942 hatte der Reichsführer SS Heinrich Himmler mit dem Auschwitz-Erlass angeordnet, alle noch im Deutschen Reich lebenden Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz zu deportieren. Die Deportationen fanden im März 1943 statt. Von den während der NS-Zeit lebenden rund 40.000 deutschen und österreichischen Sinti und Roma wurden mehr als 25.000 ermordet. Insgesamt fielen Schätzungen zufolge 500.000 Sinti und Roma dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer.