Würzburg, Frankfurt a.M. (epd). Die Wissenschaftlerin Frauke Fischer von der Universität Würzburg kritisiert ein weltweit viel zu geringes Engagement für den Arten- und Naturschutz. Die promovierte Biologin sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Montag: "Es geht hier nicht um Naturromantik, sondern um Schäden für die Menschheit."

Fischer, die sich als Buchautorin, Podcasterin und Kolumnistin in der Tageszeitung "Frankfurter Rundschau" betätigt, äußerte sich zu der am Samstag in der armenischen Hauptstadt Jerewan zu Ende gegangenen internationalen Konferenz zum Thema Natur- und Artenschutz mit Vertreterinnen und Vertreter aus knapp 200 Staaten. 2022 hatte die Weltgemeinschaft im kanadischen Montreal ein Abkommen vereinbart, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen und bis 2050 im Einklang mit der Natur zu leben. Die Vereinbarung sieht unter anderem vor, bis 2030 insgesamt 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter wirksamen Schutz zu stellen. In Jerewan ging es um eine Bestandsaufnahme nach der Hälfte der Laufzeit.

Nur eines von 23 Zielen in Reichweite

Die Würzburger Naturschutzexpertin wies darauf hin, dass das Abkommen von Montreal 23 Ziele für den Zeitraum bis 2030 vorgibt. Doch "wir sehen, dass wir gerade einmal bei einem einzigen dieser 23 Ziele im Zeitplan sind und bei allen anderen nicht", bemängelte Fischer. Diese Ergebnisse nannte sie "erschreckend".

Scharf kritisierte Fischer die weltweite Subventionspraxis: "Statt sie zu schützen, subventionieren wir die Zerstörung unserer eigenen Existenzgrundlage im großen Stil."

In Jerewan sei etwas mehr als eine Milliarde US-Dollar für den Naturschutz mobilisiert worden, einen großen Teil davon habe allein eine Gruppe um den Schauspieler Leonardo DiCaprio beigesteuert. "Im selben Jahr hat allein der wiederholte deutsche Tankrabatt den Steuerzahler mehr als vier Milliarden Euro gekostet - also viermal so viel, wie die Weltgemeinschaft für den Schutz unserer Lebensgrundlagen aufbringen will."

Subventionspraxis "an Absurdität kaum zu übertreffen"

Die EU gebe jährlich zwischen 110 und 170 Milliarden Euro für klimaschädliche Subventionen aus, prangerte Fischer an und schlussfolgerte: "Das ist an Absurdität kaum zu übertreffen."

Doch sie nannte auch positive Punkte: Gut sei, dass es die Konferenz überhaupt gegeben habe und die Staatengemeinschaft im Gespräch bleibe. Niemand habe die 2030er-Ziele offiziell aufgekündigt oder verschoben. Als Meilenstein bezeichnete Fischer das In-Kraft-Treten eines Schutzabkommens für die hohe See.