Nürnberg (epd). Die Evangelische Hochschule Nürnberg (EVHN) geht öffentlich auf Distanz zu Aussagen ihres Professors für Systematische Theologie und Philosophie, Ralf Frisch. Anlass sind Äußerungen Frischs in einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) zu seinem Buch "Mehr Opium fürs Volk", einer Sammlung seiner Kolumnen für das Online-Portal "sonntagsblatt.de". Bei Lesern könne durch Frischs Interview-Aussagen der Eindruck entstehen, er äußere sich im Auftrag der Hochschule: "Dem ist nicht so", teilte die EVHN mit.

Das Präsidium der Evangelischen Hochschule Nürnberg stellt in seiner auf 10. Juni datierten Stellungnahme klar, dass Frisch "in seinen Beiträgen und Kolumnen seine persönliche Position" darlege und sie also "nicht im Auftrag der EVHN" schreibe. Dort sei er für "angewandte wissenschaftliche Lehre und Forschung beschäftigt mit entsprechender Wissenschaftskommunikation". Frischs theologische Position sei außerdem "keineswegs repräsentativ für die an der EVHN gelehrte Theologie", heißt es weiter: "Die EVHN steht für Diversität."

Hochschule: Demokratisch verfasste Kirche lebt vom Diskurs

Anders als Frisch in seinen Kolumnen verstehe die EVHN ihre theologische Aufgabe darin, "durch kreative Korrelationen zu einer menschenfreundlichen Kirche und Gesellschaft beizutragen", steht in der von EVHN-Präsident Thomas Popp unterzeichneten Stellungnahme. Eine offene, demokratische Gesellschaft und damit auch eine demokratisch verfasste Kirche lebe vom Diskurs: "Das bedeutet, andere Meinungen auszuhalten und die Vielfalt der Stimmen wertzuschätzen", anstatt pauschal zu diffamieren, heißt es weiter.

Frisch hatte im epd-Gespräch gesagt, es gehöre zu seinem Jobprofil als Theologie-Professor, Kirchenkritik zu üben. Wörtlich sagte er: "Wenn Karl Barth recht hat, dass Dogmatik die Selbstprüfung der christlichen Kirche hinsichtlich der Frage ist, ob diese Kirche eigentlich noch ihrem Gegenstand - dem Evangelium - entspricht, dann gehört das schlicht zu meinem Job." Er setze sich kritisch mit Kirche auseinander, "nicht weil ich sie ablehne oder ihr gar schaden wollte", sondern weil sie ihm am Herzen liege.