München (epd). Der Schauspieler Samuel Koch attestiert Deutschland erheblichen Nachholbedarf in Sachen Barrierefreiheit. "Wir sind im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich unterwegs", sagte Koch auf "sueddeutsche.de" (Dienstag). Er merke das etwa im öffentlichen Verkehr und in vielen Einrichtungen. "Die Schweiz zum Beispiel ist uns 30, 40 Jahre voraus", sagte Koch, der seit 2010 nach einem Unfall bei der ZDF-Sendung "Wetten dass,...?" vom Hals ab querschnittsgelähmt ist.
Als Beispiel nannte Koch den Auffahrtswinkel von Rampen. In Deutschland seien viele Rampen abgebaut worden, weil sie nicht der DIN-Norm entsprächen. In der Schweiz habe man einfach drei Prozent Kulanz eingeräumt. In Deutschland stehe er daher oft vor Gebäuden, bei denen die Rampe jetzt aufgrund der DIN-Vorschrift fehlten. "Ergebnis: Dann kommt man lieber gar nicht rein, statt mit dem falschen Winkel." Eine Überregulierung sei daher nicht hilfreich.
Er selbst versuche, möglichst unkompliziert aufzutreten. "Ich könnte mich gar nicht durch die Welt bewegen, wenn man nicht wie im Theater auch in der Welt kreative Lösungen finden würde", sagte Koch. "Zuletzt hat mich beim Oktoberfest ein Gabelstapelfahrer auf die Palette genommen, sonst wäre ich die 20 Stufen nicht hochgekommen zu meiner Einladung im Festzelt." Koch ist seit 2024 Schauspieler an den Münchner Kammerspielen. Am 12. November erhält er den Bayerischen Kunstpreis in der Kategorie "Performance" für seine Darstellung des Albrecht von Wallenstein.