Die CSU-Landtagsabgeordnete Barbara Becker sieht in Religionen eine wichtige Ressource für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kirchen, Moscheen, Synagogen und andere religiöse Gemeinschaften könnten Menschen Orientierung geben, Solidarität fördern und demokratische Werte vermitteln. Das schreibt die evangelische Politikerin in einem Beitrag für das Jahrbuch "Erlanger Diskurse für interreligiösen Dialog".

Religion sei allerdings nicht automatisch ein Faktor für Integration, betont Becker. Sie könne Menschen verbinden, aber auch ausgrenzen und polarisieren. Voraussetzung für ihren Beitrag zum Gemeinwohl seien die Anerkennung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, der Respekt vor Gleichberechtigung und Religionsfreiheit sowie die Bereitschaft zum Dialog.

Religiöse Werte in eine gemeinsame Sprache übersetzen

Becker plädiert dafür, religiöse Überzeugungen in eine Sprache zu übersetzen, die auch außerhalb der jeweiligen Glaubensgemeinschaft verstanden werden kann. Nächstenliebe lasse sich beispielsweise als soziale Verantwortung formulieren, die Bewahrung der Schöpfung als Nachhaltigkeit. Auch der Islam könne demokratische Werte stärken, schreibt Becker, sofern religiöse Gemeinschaften ihre Ressourcen in den Dienst des Gemeinwohls stellten.

Die Politikerin wurde 2020 in die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) berufen. Im Juni 2026 wurde sie als erste Frau zur Präsidentin des Fränkischen Weinbauverbands gewählt. Vor der Wahl hatte sie angekündigt, ihre kirchlichen Ehrenämter aufzugeben. Nach ihrer Wahl erklärte sie jedoch, Mitglied der Landessynode bleiben zu wollen. Auf eine erneute Kandidatur für den Landessynodalausschuss hatte sie bereits verzichtet. 

Religiöse Gemeinschaften sieht Becker zudem in der Verantwortung, gewaltlegitimierende Deutungen zurückzuweisen, junge Menschen zum eigenständigen Denken zu befähigen und Konflikte zu moderieren. Wo Religion sich über den Staat stelle oder demokratische Prinzipien relativiere, verliere sie ihre Legitimität im öffentlichen Raum.