München (epd). Die bayerische SPD hat erneut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für seine Idee kritisiert, Lehrerinnen und Lehrer aus anderen Bundesländern abzuwerben. Die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Simone Strohmayr, sagte am Montag vor der Presse, dies sei ein "bildungspolitischer Raubzug", der darauf hinweise, dass die Personalpolitik der Staatsregierung gescheitert sei. Mit einem solchen "unsolidarischen Tabubruch" zerstöre man Vertrauen bei der Schulfamilie.
Strohmayr stellte ein Maßnahmenpaket vor, mit dem die SPD dem Lehrermangel entgegentreten wolle. Nach einer von der Partei in Auftrag gegebenen Studie würden derzeit 4.000 Lehrkräfte fehlen, sagte die Landtagsabgeordnete; bis 2025 würden jährlich 1.800 dazukommen. Das führe dazu, dass in manchen Schulen eine "prekäre Lage" herrsche. Zu den Problemen der Lehrerinnen und Lehrer zählten unvergütete Mehrleistungen und zu viel Bürokratie. Schulleiter seien ohne Planungssicherheit, jede zehnte Unterrichtsstunde falle aus. "Die Lehrer klagen, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr schaffen", stellte Strohmayr fest, Leidtragende seien letztlich die Schülerinnen und Schüler.
Dem Lehrermangel wolle man mit besseren Studienbedingungen und mehr Studienplätzen begegnen, so die SPD. Quereinsteiger sollten lange Zeit begleitet werden und dürften nicht gleich am ersten Tag vor einer Klasse stehen. Zu den Forderungen gehörten auch, mehr Kunst- und Musik-Lehrkräfte auszubilden, mehr Verwaltungsangestellte und flächendeckend Systemadministratoren einzustellen und multiprofessionelle Teams zu schaffen aus Psychologinnen oder Erziehern, eventuell auch mit medizinischen Kräften. Die Fraktion will außerdem, dass ein Konzept erstellt wird, die Eingangsbesoldung von Grund- und Mittelschulkräften anzuheben. In einem ersten Schritt würden dafür 17 Millionen Euro im Haushalt stehen, es brauche langfristig dafür aber 300 Millionen Euro, sagte die Bildungspolitikerin.
Die stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Elternverbands Henrike Paese schlug vor, ein Programm aufzusetzen, das nach dem Vorbild des Landärzte-Modells junge Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel in die Hauptstadt München locken könnte. Sie sagte, der Lehrermangel strahle auf die Elternschaft aus. Unterrichtsausfälle seien in den Familien oft eine organisatorische Herausforderung.