Bad Kissingen (epd). Im Konflikt um einen Tarifvertrag für das Bad Kissinger Kurorchester "Staatsbad Philharmonie" scheint keine Einigung in Sicht: Erst vergangene Woche hatte sich der Bad Kissinger Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) in einem Offenen Brief an die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) mit einem Rundumschlag zu Wort gemeldet - nun kontert die Berufsmusiker-Gewerkschaft. Im Ton ist die DOV zwar konziliant, doch in der Sache will die Vereinigung hart bleiben, kündigt sie an.

In seiner Antwort unterzieht die DOV den OB-Brief einem "Faktencheck". Im Kern geht es um die Arbeitsbedingungen des Orchesters und die Bezahlung der Berufsmusikerinnen und -musiker. Laut DOV steht dem Kurorchester ein "Tarifvertrag der Stufe D gemäß dem Flächentarifvertrag für Konzert- und Theaterorchester (TVK) zu", der Rechte und Pflichten der 130 deutschen Berufsorchester regle. Die Staatsbad Philharmonie sei das letzte Festangestellten-Orchester in Bayern ohne Tarifvertrag.

Die Staatsbad GmbH, ein Gemeinschaftsbetrieb von Stadt und Freistaat, ist Träger des Kurorchesters und sieht die Sache anders. Einige berechtigte Kritikpunkte an Arbeitsbedingungen und Bezahlungen habe man mit einem "Maßnahmenpaket" korrigiert, schreibt OB Vogel. Zugleich wirft er der DOV eine Kampagne vor, die den Ruf der Stadt schädige. Die Gewerkschaft mobilisiere "die Kulturredaktionen dieser Republik, die zum Teil faktenfrei vollständig" die Argumentation der DOV übernähmen.

In seinem Brief an den Oberbürgermeister schreibt DOV-Syndikus Robin von Olshausen, dass die Positionen von Staatsbad und Gewerkschaft "de facto gar nicht so weit" auseinanderlägen. Jedoch vermisse man in den Ausführungen des OBs "ein grundlegendes Verständnis für die Arbeits- und Funktionsweise eines Orchesters". Dem aktuellen Konflikt lägen "unterschiedliche Wertschätzungen" für das Kurorchester zugrunde. Man stehe aber weiter für gemeinsame Gespräche bereit, so die DOV. Der Tarifkonflikt zwischen der Philharmonie und der Staatsbad GmbH dauert schon länger. Laut DOV erhalten die Musiker Durchschnittslöhne von monatlich 3.000 Euro - Feiertagszuschläge gibt es aber beispielsweise nicht. Mitglieder aus verschiedenen anderen Profi-Orchestern in Bayern hatten sich in den vergangenen Wochen mit ihren Kollegen in Bad Kissingen solidarisiert.

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