München (epd). Fast zwei Drittel der Deutschen plädieren für einen vorübergehenden Entwicklungsstopp besonders leistungsfähiger Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI). Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Digitalpolitik-Briefings "Digitalwende" von "Süddeutsche Zeitung Dossier" (Mittwoch). Demnach sind 64 Prozent der Befragten für eine Entwicklungspause, wenn Fachleute große Zweifel daran haben, dass die Risiken ausreichend kontrolliert werden können.

20 Prozent der wahlberechtigten Personen in Deutschland gaben an, eine solche Maßnahme nicht zu unterstützen. 17 Prozent antworteten mit "Weiß nicht".

Hintergrund ist die kürzliche Kündigung des Forschers Jacob Coxon bei dem KI-Konzern Anthropic. Dieser hatte vergangene Woche auf der Plattform X erklärt, Entwickler des Unternehmens glaubten, dass die Technologie die Menschheit vernichten könnte. Trotzdem gehe Anthropic erhebliche Risiken ein. Auch die Chefs der führenden KI-Unternehmen Anthropic, OpenAI und SpaceXAI forderten jüngst weniger Tempo bei der Entwicklung.

Unterschiede bei Anhängern der Parteien

Der Umfrage zufolge unterstützt eine Mehrheit in allen ausgewiesenen demografischen Gruppen eine solche Entwicklungspause. Männer sprechen sich mit 24 Prozent häufiger als Frauen mit 16 Prozent dafür aus, die Entwicklung nicht zu stoppen. Die Zustimmung fällt in den älteren Altersgruppen tendenziell höher aus.

Bei den Anhängerinnen und Anhängern von Grünen und SPD stößt eine Pause mit 72 und 70 Prozent auf besonders viel Zustimmung. Wählerinnen und Wähler der Union liegen bei 63 Prozent, AfD-Anhänger bei 61 Prozent. Wer bei der vergangenen Bundestagswahl die Linke gewählt hat, unterstützt einen Stopp mit 67 Prozent.

Die Umfrage wurde zwischen Freitag und Montag vom Meinungsforschungsinstitut YouGov erhoben. Befragt wurden vom 11. bis 14. September 2026 insgesamt 2.161 Wahlberechtigte. Die Ergebnisse sind den Angaben nach repräsentativ für die Wahlberechtigten in Deutschland ab 18 Jahren.