Nürnberg (epd). Zu einer Ernährungswende mit mehr Bio-Lebensmitteln ist es noch ein langer Weg. Zu diesem Schluss sind bei einer Podiumsrunde "Ernährungswende schaffen, wahre Preise etablieren" am Mittwoch im Kongress der Messe Biofach in Nürnberg die Expertinnen und Experten gekommen. "Wahre Preise zu etablieren bedeutet konventionelle Lebensmittel zu verteuern", sagt Andreas Swoboda, Verbandsvorstand der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AÖL) und Chef einer Bio-Bäckerei in Fulda. In der derzeitigen Lage mit hohen Energiepreisen und Inflation sei das aber politisch kaum durchzusetzen.
Er schlug daher vor, die auf Bio-Produkte erhobene Mehrwertsteuer zu streichen. Dahinter stehe die Idee, dass insbesondere die konventionelle Lebensmittelproduktion für bis zu 30 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sei. Der Schaden für Mensch und Umwelt werde bisher aber nicht von den Verursachern bezahlt, sondern den Gesellschaften angelastet.
Starköchin Sarah Wiener, zugleich Abgeordnete für die Grünen im Europaparlament, erklärte das fehlende Verursacherprinzip an einem Beispiel aus Frankreich. Dort seien etwa 20 Prozent des Trinkwassers durch Mineraldünger und Pestizide praktisch nicht mehr genießbar und außerhalb der zulässigen Grenzwerte: "Die Kosten der Wasserreinigung trägt die Allgemeinheit", sagte Wiener. Auf dem Weg zu wahren Preisen müsse allerdings noch viel passieren. "Das Wissen über Wirkung und Folgeschäden von Pestiziden ist noch ganz am Anfang." Es fehle etwa ein systematisches EU-weites Monitoring, um die Mengen in der Umwelt bewerten zu können, sagte Wiener.