Tübingen, Pforzen (epd). Eine in Europa bislang unbekannte fossile Otterart haben Tübinger Forscher bei Pforzen (Kreis Ostallgäu) entdeckt. Der sogenannte Vishnu-Otter ist in 11,4 Millionen Jahre alten Erdschichten des Ausgrabungsortes Hammerschmiede entdeckt worden. "Der Nachweis eines Vishnu-Otters in Bayern kam unerwartet, denn dessen Vertreter kannte man bisher nur aus Asien und Afrika", teilte die Ausgrabungsleiterin Madelaine Böhme von der Tübinger Universität am Freitag mit. Die Grabungsstelle im Allgäu wurde 2019 durch Funde des sich zweibeinig fortbewegenden Menschenaffen "Danuvius guggenmosi" weltweit berühmt.

Vishnu-Otter waren den Angaben zufolge Raubtiere von mittlerer Größe und einem Gewicht von zehn bis 15 Kilogramm, die zuerst aus Sedimenten am Fuße des Himalayas bekannt waren. Sie lebten vor 14 bis 12,5 Millionen Jahren in den großen Flüssen Südasiens. Jüngere Funde zeigten, dass Vishnu-Otter vor etwa 12 Millionen Jahren Ostafrika erreichten. "

Möglich wurde die Ausbreitung des Otters bis nach Europa wohl durch Gebirgsbildungen von den Alpen im Westen bis hin zum iranischen Elbrus-Gebirge im Osten vor zwölf Millionen Jahren. Dadurch sei eine Wasserverbindung von Wien über den Aralsee bis zum Indischen Ozean entstanden, die der Vishnu-Otter nutzen konnte. Denn über Land habe er keine weiten Strecken zurücklegen können.