München (epd). Im Korruptionsfall in der Münchner Ausländerbehörde ist eine zweite Anklage erhoben worden. Wie die Staatsanwaltschaft München I am Mittwoch mitteilte, besteht gegen eine ehemalige Mitarbeiterin des Münchner Kreisverwaltungsreferat (KVR) der Verdacht der Bestechlichkeit in 85 Fällen in Tateinheit mit dem Einschleusen von vietnamesische Antragstellern und Urkundenfälschung in 68 Fällen. Zwei weiteren Angeschuldigten würden ebenfalls "gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen" sowie Beihilfe zur Bestechlichkeit vorgeworfen. Bei einem von ihnen handele es sich um den Ehemann der ehemaligen KVR-Mitarbeiterin. Auch er soll womöglich Urkunden gefälscht haben, heißt es.

Der angeschuldigte Ehemann soll für die Antragsteller slowenische Aufenthaltstitel gefälscht oder gefälschte slowenische Aufenthaltstitel beschafft haben, um die Erteilung der rechtswidrigen Dokumente durch seine Partnerin im KVR zu erleichtern. Zudem soll er die Antragsteller kontaktiert, vermittelt und ihnen Termine für die Abholung der Dokumente mitgeteilt haben. Der zweite Angeschuldigte habe das Bestechungsgeld entgegengenommen. Dabei soll es sich um Summen im jeweils mindestens fünfstelligen Bereich gehandelt haben.

Wohnungsrazzia stellt Bargeld, Gold und Silber sicher

Bei einer Wohnungsdurchsuchung des angeschuldigten Paares im Oktober 2025 seien Bargeld in Höhe von rund 100.000 Euro, 200 Gramm Gold und 250 Gramm Silber sichergestellt worden. Die Staatsanwaltschaft beabsichtigt der Mitteilung zufolge, bei der Hauptverhandlung eine Geldstrafe in Höhe von 850.000 Euro zu beantragen, der Termin steht noch nicht fest. Gegen fünf weitere Personen, die die Bande unterstützt haben könnten, werde noch ermittelt, ebenso gegen die vietnamesischen Antragsteller.

Im Zuge der ersten Anklage im Korruptionsfall in der Münchner Ausländerbehörde waren im Januar 2026 bereits zwei ehemalige Mitarbeiter des KVR wegen Bestechlichkeit jeweils zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Ein dritter Angeklagter wurde wegen Bestechung und Titelmissbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Gegen sieben weitere Beschuldigte dauerten die Ermittlungen noch an.

Aufdeckung durch interne Kontrollen

Den Fall ins Rollen gebracht hatte das KVR selbst. Durch "regelmäßige Kontrollmechanismen" seien "Ungereimtheiten bei der Bearbeitung von Fällen" zwischen Mai 2022 und Januar 2024 bemerkt worden, wie das KVR im März 2025 mitgeteilt hatte. Durch darauf folgende Razzien der Polizei und Staatsanwaltschaft war der Korruptionsverdacht öffentlich geworden. Das KVR ist die Sicherheits- und Ordnungsbehörde der Landeshauptstadt und beschäftigt rund 3.800 Mitarbeitende.