26.09.2018
Hebammenmangel

Geburtenstarke Zeit: Jede fünfte Mutter hat keine Nachsorgehebamme

Seit Jahren wird über den Hebammenmangel diskutiert. Erst vor wenigen Wochen hat das Gesundheitsministerium in Bayern die Ergebnisse einer Befragung dazu vorgelegt. Nun gibt es eine bundesweite Online-Studie, finanziert von einem Privatunternehmen.
Mutter mit Säugling

Jede fünfte Mutter in Deutschland nimmt einer neuen Studie zufolge keine Nachsorgehebamme für eine Wochenbettbetreuung in Anspruch. Rund ein Drittel dieser 20 Prozent hätte aber gerne eine Hebamme für die Zeit direkt nach der Geburt gehabt, heißt es in der Studie "Mangel an Hebammen in Deutschland", die vom Meinungsforschungsinstitut Skopos im Auftrag des Unternehmens "die kartenmacherei" in Gilching (Landkreis Starnberg) erstellt wurde. Dazu hatten die Meinungsforscher zwischen dem 20. Mai und 7. Juni dieses Jahres 1.000 Mütter online befragt.

Der meistgenannte Grund von Müttern, die gern eine Hebamme gehabt hätten aber keine gefunden haben, ist die Nichtverfügbarkeit: Mehr als 48 Prozent gaben an, dass sie in der Nähe ihres Wohnortes keine freie Hebamme gefunden hätten. Etwa 35 Prozent gaben an, dass keine der verfügbaren Hebammen ihnen sympathisch gewesen sei - und immerhin fast ein Drittel der 20 Prozent wusste nichts vom gesetzlichen Anspruch auf eine Wochenbettbetreuung zu Hause durch eine Hebamme. Zudem gaben neun Prozent der Betroffenen laut der Studie an, dass sie keine Hebamme zur Nachsorge gefunden haben, die ihre Sprache spricht.

80 Prozent nutzen Nachsorgehebamme

Bundesweit nahmen 79,8 Prozent der befragten Mütter die Dienste einer Nachsorgehebamme in Anspruch. Den prozentual höchsten Wert erlangten die Mütter in Niedersachsen mit 92,3 Prozent, den niedrigsten die Mütter in Schleswig-Holstein mit 74,3 Prozent. Bayerns Mütter liegen mit 82,7 Prozent etwas über dem Bundesdurchschnitt, knapp unter dem Durchschnittswert landeten die Mütter in Baden-Württemberg mit 79,7 Prozent. Keine Quoten liegen für Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und das Saarland vor. Dort konnten die Meinungsforscher nicht genügen Daten sammeln, um aussagekräftige Quoten zu errechnen.

Weitere Ergebnisse der Online-Befragung sind, dass mit 56,6 Prozent das die Mehrheit der Teilnehmerinnen nur weniger als eine Woche nach einer Hebamme mit freien Kapazitäten suchen musste. 23,9 Prozent benötigten dafür etwa einen Monat, weitere zehn Prozent zwei Monate und nur 1,1 Prozent war länger als sechs Monate auf der Suche. Knapp die Hälfte gab außerdem an, bis zum dritten Schwangerschaftsmonat mit der Suche nach einer Hebamme begonnen zu haben. 26,9 Prozent der Frauen vertrauten dabei auf Empfehlungen von Familienmitgliedern und Freunden, fast 26 Prozent wurden per Internetsuche fündig.

Jede vierte Schwangere hat Problem, Hebamme zu finden

Erst vor kurzem hatte auch das bayerische Gesundheitsministerium eine Studie zum Thema Hebammen veröffentlicht. Demnach hatte jede vierte Schwangere in Bayern ein Problem damit, eine Hebamme zu finden, die noch freie Kapazitäten hatte - in München waren es sogar um die 40 Prozent der Mütter. Anders ausgedrückt: In München mussten gut 30 Prozent der werdenden Mütter über sieben Hebammen kontaktieren, ehe sie eine Betreuungszusage hatten, bayernweit lag diese Zahl bei vier Prozent. Laut der Studie gab es im Jahr 2016 im Freistaat 2.990 aktive Hebammen, 2.700 davon waren freiberuflich tätig.

Während die bundesweite Online-Befragung 1.000 Teilnehmerinnen hatte, waren es bei der allein auf Bayern bezogenen Studie immerhin mehr als 1.300 Mütter, mehr als 1.000 Hebammen sowie 44 von 115 der bayerischen Kliniken mit Geburtsabteilung, die sich beteiligt hatten. Die Online-Befragung von Skopos ist den Angaben zufolge repräsentativ. Teilnahmevoraussetzung war, dass die Frauen höchstens drei Jahre vor der Befragung ein Kind entbunden hatten.

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Hebamme
Die Hebammen-Studie des Gesundheitsministeriums ist keine Lobes-Arie auf die aktuellen Zustände: Labil sei die Versorgung, heißt es da unter anderem. Trotzdem gibt es Kritik an der Aussagekraft der Erhebung - unter anderem von der Diakonie Bayern. Experten bemängeln geringe Rücklaufquoten und niedrige Beteiligung von Bildungsfernen.