8.03.2019
Familien

Theater für Babys: Kultur für kleine Kinder

Sabberlatz statt Samtvorhang, Krabbelversuche statt Standing Ovations: Münchens erstes Theater für Babys setzt zur Kunstvermittlung für Kulturknirpse bis 13 Monate auf Licht, Klang und reduzierte Bewegung.
Baby

Theater ist nur Etwas für Eliten im Abendkleid? Diese Auffassung ist glücklicherweise längst überholt. Dass aber schon die Allerkleinsten mehr oder weniger direkt aus dem Bauch der Mama direkt in den Theatersaal robben, ist noch ziemlich neu. In der Schauburg, dem Kinder- und Jugendtheater der Stadt München, entsteht gerade eines der ersten Stücke für Babys zwischen drei und 13 Monaten.

Anna Grüssinger und Josefine Rausch sind die Performerinnen des Stücks und auch für Konzept und Inszenierung verantwortlich. Gemeinsam mit Dramaturgin Michaela Oswald verrieten sie uns vor der Premiere am 16. März, was die Besucher mit Schnuller erwartet.

 

Sie planen Münchens erstes Theater für Babys. Was darf man sich darunter genau vorstellen?

Anna Grüssinger: "Lumi" ist ein Tanztheater, das speziell für Babys ab drei Monaten an der Schauburg entwickelt wird. Es geht ums Schlafen, Wachen und das Spiel mit Licht und Dunkelheit. Es ist ein sinnliches Erlebnis, das erste Begegnungen mit dem Theater schafft.

An wen richtet sich das Stück genau - und warum?

Josefine Rausch: Das Stück richtet sich an Babys zwischen drei und 13 Monaten. Wichtig ist, dass die älteren Kinder noch Krabbelkinder sind, also noch nicht allein laufen können. Das ist insofern wichtig, da die Kinder, wenn sie laufen können, auf einem anderen Entwicklungsstand sind und auch andere Bedürfnisse haben - sie sind viel aktiver und mobiler. Sie wollen ihre Umwelt erkunden und erforschen. In den Forschungs- und Probearbeiten für "Lumi" haben wir uns aber gezielt an Kinder gewandt, die noch nicht laufen können und beobachtet, welche Bedürfnisse bei ihnen vorherrschen.

Welche sind das denn?

Michaela Oswald: "Lumi" ist für die Allerkleinsten gedacht. Also für die, die Welt erst einmal im Liegen oder Sitzen oder auf dem Arm von Mama und Papa wahrnehmen und auch auf Sinneseindrücke anders reagieren. Auch das Erzähltempo der Inszenierung ist an diese besonderen Wahrnehmungsqualitäten angepasst. Aber natürlich richtet sich "Lumi" auch an die Eltern. Wir hoffen, dass sich ein gemeinsames Theatererlebnis einstellt.

Wie sieht der Bühnenraum aus?

Josefine Rausch: Es gibt eine Raum-Bühne, Anna Grüssinger und ich bewegen uns als Performerinnen innerhalb dieses Raumes. Die Zuschauer sitzen im Kreis auf dem mit Teppichen und Kissen ausgelegten Boden quasi um die "Tanzfläche" herum und sind somit ganz dicht am Geschehen dran. Es ist ein kleiner Raum. Kein großer Theatersaal, keine erhöhte Bühne, keine Frontalsituation oder klassische Sitzanordnung. Die Nähe und der Kontakt zum Publikum spielen bei "Lumi" eine wichtige Rolle.

Beim Theater für Babys gibt es ein Spiel mit Licht, Klang und Bewegung.
Beim Theater für Babys gibt es ein Spiel mit Licht, Klang und Bewegung.

Und wie läuft so eine "Vorstellung" dann ab?

Anna Grüssinger: Es wird hier keine klassische Geschichte erzählt, sondern mehr ein sinnliches Erlebnis für die Babys und deren Eltern geschaffen. Wir arbeiten mit Licht und Lichtobjekten, mit Sounds und Bewegung - aber in sehr reduzierter Form. Es soll keine Reizüberflutung sein. Gesprochen wird nicht.

Josefine Rausch: "Lumi" ist eine Stückentwicklung, das heißt, wir sind ohne Skript oder genauen Ablaufplan in die Proben gestartet. Das szenische Material entsteht im Prozess. Wir haben keine festgelegten Rollen, sondern agieren als Performerinnen auf der Bühne.

Michaela Oswald: Es gibt einen festen Ablauf der Inszenierung und auch eine festgelegte Reihenfolge der Szenen. Natürlich kann es immer spontane Abweichungen geben - je nachdem wie aktiv das "Publikum" ist. "Lumi" ist so konzipiert, dass die Performerinnen in Reaktion auf das Publikum Freiheit zum Improvisieren haben. Da kann es Sequenzen geben, in denen die beiden Spielerinnen mal mehr, mal weniger mit den Babys interagieren. Aber dann kommen sie auch wieder zurück in die eigentliche Abfolge. Keine Vorstellung wird sein wie die andere.

Theater für Babys
Die Dramaturgin Michaela Oswald und die Performerinnen Anna Grüssinger und Josefine Rausch (v.l.n.r.) planen Münchens erstes Theater für Babys

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, gibt es Vorbilder und vergleichbare Angebote?

Michaela Oswald: Das "Theater für die Allerkleinsten" oder "Theater von Anfang an" ist keine Erfindung der Schauburg. Aber unsere Idee ist schon, dass wir als Kinder- und Jugendtheater der Stadt München Theater für alle Altersgruppen anbieten möchten. Also auch für Babys. Es gibt bundesweit ähnliche Konzepte und die Resonanz darauf ist sehr gut. Auch im Ausland wie zum Beispiel den Benelux-Ländern oder den skandinavischen Ländern wird sehr viel in diese Richtung gearbeitet. Die Idee ist dabei, dass bereits die Allerkleinsten sinnlich-ästhetische Erfahrungen machen können. Dass sie langsam an Kunst herangeführt werden, aber zu den Bedingungen, wie sie es in den verschiedenen Alters- oder Lebensphasen brauchen.

Brauchen Kleinkinder in diesem Alter wirklich schon kulturelle Bildung? Was steckt pädagogisch hinter dem Konzept?

Michaela Oswald: Eine pädagogische Absicht verfolgen wir nicht. Darum geht es uns gar nicht. Es geht vielmehr um das gemeinsame Theatererlebnis der Kinder zusammen mit ihren Bezugspersonen. Das Theater soll als positiver Ort erfahren werden, in dem gemeinsam für eine gewisse Zeit ein sinnliches Erleben entsteht. Wie eine Auszeit vom Alltag. Alle sind willkommen, sich diese Zeit mit ihren Kindern zu nehmen.

Termine

Die Uraufführung von "Lumi" findet am 16. März um 16 Uhr in der Kleinen Burg statt. Karten telefonisch unter 089 233 371 55. Weitere Termine und Details auf der Homepage der Schauburg.

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