Am Essen kann es schon mal nicht liegen. Zufrieden blicken die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes in Kürnach bei Würzburg auf die gedeckten Tafeln im Speisesaal der gemeindeeigenen Mehrzweckhalle. An langen Tischen stehen belegte Brötchen, Kaffee und Getränke parat. Alle Beteiligten, die an diesem Freitag nach Fronleichnam zur mobilen Blutspende eingeladen haben, wissen: Die Verpflegung ist wichtig.

In einer halben Stunde geht es los. Im Foyer sind verschiedene Stationen aufgebaut: Wer kommt, muss sich zuerst registrieren, einen Fragebogen ausfüllen und den Hämoglobinwert im Blut bestimmen lassen. Nach der Anamnese nehmen die Freiwilligen schließlich auf einer der neun Liegen Platz, die in einem Nebenraum aufgebaut sind. Zehn Minuten dauert es etwa, bis ein halber Liter Blut abgenommen ist. Erst dann geht es in den Saal mit den belegten Brötchen. Saure Gürkchen gibt es auch.

Chuna Makoli sieht sich den Aufbau der Stationen an, spricht kurz mit einem der Ärzte, setzt sich an einen Laptop. Die 24-jährige medizinische Fachangestellte leitet das Team, das an diesem Tag im Einsatz ist. "Mein Ziel ist, dass es allen Beteiligten gut geht", erklärt sie. "Man sollte vor dem Blutabnehmen vor allem genug trinken und essen, gerade, wenn es im Sommer heiß ist. Ein ausgiebiges Frühstück reicht nicht für den ganzen Tag."

Drei Probleme: Sommer, Ferien, Brückentag

Inzwischen sind die ersten Spendewilligen eingetroffen. Etwa 80 Personen haben sich für heute angemeldet, sagt Leon Lipecki. Er ist als Referent Marketing und Terminorganisation beim Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BSD) dafür zuständig, Aktionen wie heute vorzubereiten. 80 angemeldete Spender, das sind etwa 30 weniger als sonst. "Das liegt wahrscheinlich daran, dass heute mehrere Dinge zusammenkommen: Sommer, Ferien und Brückentag", erklärt er.

Ein "saisonales Loch", das auch BSD-Sprecher Patric Nohe gut kennt. Er bemüht eine Fußball-Metapher: "Je größer der Kader einer Mannschaft, desto besser können Ausfälle kompensiert werden. Deswegen müssen wir die Blutspende-Mannschaft insgesamt vergrößern", sagt er. Auch wegen des demografischen Wandels. Am fleißigsten spenden die Babyboomer, also die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1964. Die fallen nun bald nach und nach aus dem System. "Jetzt müssen die nächsten Generationen nachkommen", sagt Nohe.

Einige dieser Fleißigen sitzen gleich darauf an der gedeckten Tafel. Ein 65-Jähriger verzeichnet heute seine 95. Spende. "Man hört immer wieder, dass Blut fehlt", sagt er, "und wenn man helfen kann, warum sollte man nicht?" Sein 61-jähriger Sitznachbar ist zufällig bei derselben Marke. "Ich spende immer, wenn ich darf", sagt er. Bei Männern ist das sechsmal im Jahr, bei Frauen viermal. Blut spenden darf, wer mindestens 18 Jahre alt und gesund ist. Ausschlusskriterien gibt es wenige - etwa ein frisch gestochenes Tattoo oder eine Schwangerschaft. "Ich habe Blutgruppe 0", sagt eine Frau am Kaffeetisch, "mich motiviert, dass ich damit vielen Leuten helfen kann." Die Blutgruppe 0 negativ ist für alle Empfänger geeignet und daher besonders wertvoll.

Aufbereitung von Spenderblut kostet viel Geld

Die Kliniken kaufen dem BSD die Präparate ab, die Spenderinnen und Spender geben ihr Blut kostenlos. Gegen den Vorwurf, der BSD mache Profit mit gespendetem Blut, wehrt sich Sprecher Nohe entschieden. "Blut kostet kein Geld und das ist auch gut so", sagt er: "Was wir aber mit dem Blut machen, das kostet sehr viel Geld." Das Blut muss getestet und aufbereitet werden. Die Labore und das Personal kosten Geld - ebenso wie jede Nadel, jeder Beutel, jedes Teströhrchen, das bei der Blutspende verwendet wird.

Etwa 2.000 Blutkonserven werden täglich in Bayern benötigt, rund 75 Prozent davon kommen vom BSD. Direkt an Kliniken oder bei privaten Anbietern kann allerdings auch gespendet werden. Nur 5 bis 6 Prozent der spendefähigen Menschen im Freistaat jedoch gehen überhaupt zur Blutspende, das sind etwa 240.000 Menschen im Jahr. "Ich denke, viele wissen einfach nicht, dass es diese Möglichkeit gibt", sagt Terminkoordinator Lipecki. Er setzt Hoffnung in die Werbekampagnen, die sich gezielt an jüngere Menschen richten.

An der Kaffeetafel ist der Altersdurchschnitt mittlerweile gesunken: Ein 48-Jähriger erzählt, dass er heute zum 145. Mal gespendet hat. "Mich motiviert die Hilfe am Nächsten, auch der regelmäßige Gesundheitscheck", sagt er. "Aber vor allem die sozialen Kontakte." Nicken am Tisch. Man kennt sich, viele erinnern sich ungern an die Corona-Zeit, als das Zusammensitzen nach der Blutspende ausgefallen ist.

Am Abend sind in Kürnach insgesamt 89 Blutspenden zusammengekommen. Lipecki ist zufrieden. Auf einem der Pappaufsteller, die nun wieder eingepackt werden, steht eine Erinnerung: "Sie dürfen schon in 56 Tagen wieder spenden." Ob beim nächsten Termin auch neue, jüngere Spender dazukommen? Das wird sich zeigen.