Der ehemalige deutsche Nationaltorwart Bernd Leno steht in der Kritik, nachdem er auf Instagram offenbar ein Video gelikt hat, das als queerfeindlich kritisiert wird.

In dem inzwischen gelöschten Beitrag wurde gezeigt, wie ein Autofahrer bei einer Pride-Parade in eine Menschenmenge rast – unterlegt mit der im klassischen Meme-Stil gehaltenen Aussage: "Neuigkeiten: In GTA 6 wird es Pride-Paraden geben. Ich, sobald ich das Spiel betrete." Es wird also suggeriert, dass es eine angemessene Reaktion auf eine queere Veranstaltung sei, mit einem Auto hineinzurasen – zumindest in einem Computerspiel.

Den Vorwurf öffentlich gemacht hat Pascal Kaiser, ein offen schwuler Schiedsrichter aus Köln, der auf Instagram mehrere Screenshots veröffentlichte. Diese sollen belegen, dass Leno dem Video ein Like gegeben hat – und es später wieder entfernte. Die Screenshots liegen unserer Redaktion vor.

Schiedsrichter: Nicht nur geschmacklos, sondern brandgefährlich

Für Kaiser ist der Vorfall mehr als ein digitaler Ausrutscher. Er erklärt gegenüber sonntags: Wer solche Inhalte likt, mache sich mitverantwortlich für ein Klima, das queere Menschen online wie offline bedrohe. Dass Leno sein Like später kommentarlos gelöscht habe, sei keine Entschuldigung, sondern Ausdruck eines kalkulierten Rückzugs:

"Hier geht es nicht um Haltung, sondern um Imagepflege."

Leno habe ihn, nachdem er ihn sachlich darauf hingewiesen habe, blockiert.

Kaiser, der sich seit Jahren für mehr Sichtbarkeit im Sport einsetzt, betont, wie gefährlich es sei, wenn Gewalt gegen queere Menschen verharmlost oder gar bejubelt werde – selbst in ironischer Form.

Das Video sei nicht nur ein Schlag ins Gesicht für die queere Community, sondern auch eine Respektlosigkeit gegenüber Opfern realer Gewalttaten: "In Mannheim, in Trier und an vielen anderen Orten sind Menschen durch Fahrzeuge verletzt oder getötet worden. Solche Bilder als Witz zu liken, ist nicht nur geschmacklos – es ist brandgefährlich", sagt Kaiser gegenüber sonntags.

Er fordert eine öffentliche Entschuldigung Lenos, eine klare Distanzierung durch dessen Verein Fulham FC sowie eine Reaktion des DFB. Andernfalls, so Kaiser, müsse man die Diversitätsagenda des Verbandes hinterfragen. Es brauche ein unmissverständliches Signal:

"Hass darf im Fußball keinen Platz haben."

Agentur: Nicht wissentlich gelikt

Auch Kommentare unter Lenos eigenen Beiträgen, in denen User Regenbogenfahnen posteten, sind dokumentiert. Seitdem hat der Fußballprofi offenbar die Kommentarfunktion bei all seinen Instagram-Postings deaktiviert. Eine Stellungnahme von Leno gibt es bislang nicht. Auf Anfrage dieser Redaktion äußerte sich auch sein Verein Fulham FC zunächst nicht.

Mittlerweile hat Lenos Beratungsagentur der "Bild" ein Statement gegeben: "Bernd ist ein weltoffener Mensch. Er distanziert sich von dem Video, welches er nie wissentlich geliked hat.“ Leno werde einen Anwalt einschalten und Akteneinsicht verlangen, heißt es weiter.

Video gelöscht

Das Video selbst wurde inzwischen gelöscht. Es war in der queeren Community auf heftige Kritik gestoßen, weil es queeres Leben lächerlich macht und mit Gewaltfantasien verknüpft. Für viele ein Beispiel dafür, wie schnell sich digitale Gesten – ein Like – in politische Botschaften verwandeln können. 

Mittlerweile beschäftigt der Fall nicht nur die sozialen Netzwerke, sondern auch die Polizei: Kaiser hat das Video den Behörden übermittelt, die es dem Staatsschutz übergeben haben.

Fußball und Homophobie

Der Fall berührt ein bekanntes Spannungsfeld: Männer-Fußball und Homosexualität gelten noch immer als schwer vereinbar. Bis heute hat sich kein aktiver männlicher Profi in den obersten deutschen Ligen geoutet. Immer wieder kommt es zu queerfeindlichen Vorfällen im Stadion oder im Netz.

Ob Bernd Leno bewusst oder unachtsam gehandelt hat, ist bislang ungeklärt. Für viele Beobachter*innen bleibt aber das Bild eines Likes, der queeres Leben infrage stellt – und einer Öffentlichkeit, die nicht mehr wegsieht.