Donald Trump lebt. Soviel vorweg. Am Wochenende kursierte jedoch in den sozialen Medien – vor allem auf X, ehemals Twitter – das Gerücht, der US-Präsident sei tot. Es erwies sich jedoch rasch als falsch. Trump selbst meldete sich am Sonntag mit gewohnter Übertreibung auf seiner Plattform Truth Social: "Ich habe mich noch nie besser gefühlt."

Und doch bleibt bemerkenswert, was sich binnen weniger Tage zutrug: Google-Suchanfragen nach "Is Trump dead” schossen am Samstag in die Höhe und der Hashtag #TrumpDied trendete auf X.

Eine Verschwörungserzählung hatte sich ihren Weg gebahnt – ausgerechnet um jenen Mann, der selbst ein Meister darin ist, Gerüchte zu säen und Wahrheiten zu verdrehen.

Von Trump-Gerüchten zu Fake News: Wie der Tod erfunden wurde

Wie konnte es dazu kommen – und warum ausgerechnet jetzt? Die Verschwörungserzählung hatte bereits in der vergangenen Woche begonnen und fand mehrere Verstärker.

Zunächst waren Fotos aufgetaucht, die löffelgroße Blutergüsse auf Trumps Handrücken zeigten – zuletzt am 25. August beim Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten im Weißen Haus. Das Weiße Haus erklärte, diese bläulichen Flecken seien eine Nebenwirkung der Aspirin-Therapie, die Trump wegen einer chronischen Veneninsuffizienz erhält.

Diese Erkrankung war bereits im Juli öffentlich gemacht worden – ein häufiges Leiden bei Menschen fortgeschrittenen Alters, das bei korrekter Behandlung keine schwerwiegenden Beeinträchtigungen zur Folge haben sollte.

Öl ins Feuer goss außerdem Vizepräsident J. D. Vance. In einem Interview mit ABC News sprach er über seine Bereitschaft, im Notfall das Präsidentenamt zu übernehmen und fügte zwar hinzu, er sei "zuversichtlich, dass der Präsident gesund" sei. Doch solche Klarstellungen verhallen im Echoraum der Verschwörungstheorien.

Trump ist 79 Jahre alt und damit älter als jeder Präsident vor ihm bei Amtsantritt. Normale Alterserscheinungen werden da schnell zur Projektionsfläche für Misstrauen. Hinzu kam ein fast banaler Auslöser: Trump hatte mehrere Tage keine öffentlichen Auftritte. Eine sommerliche Pause, die für Regierungschefs nicht ungewöhnlich ist. Für die Logik der Erzählungen war sie jedoch willkommenes Futter.

Wenn schon harmloseste Symptome Anlass für wilde Spekulationen sind, was geschieht dann erst, wenn es tatsächlich ernst wird und echte Gesundheitsprobleme auftreten? Wer würde dann noch offiziellen Mitteilungen glauben?

Wenn Hass den Tod wünscht: die moralische Dimension

Dass die Erzählung vom toten Trump so leicht verfing, liegt auch daran, dass sich viele seiner Gegner seinen Tod schlicht wünschen. Aus christlicher Sicht ist das heikel. In der Bergpredigt, der wohl bekanntesten Ethik- und Lebenslehre Jesu, warnt er: Wer Hass schon allein im Herzen trägt, ist nicht weit entfernt vom Töten selbst. (Matthäus 5, 21-22).

Das Leben gilt als Geschenk Gottes und das Gebot der Nächstenliebe schließt auch den Feind ein.

Eine Zumutung, ja. Aber auch eine Erinnerung, dass das Gebot "Du sollst nicht töten”, das sogar im Grundgesetz verankert ist, nicht erst beim Griff zur Waffe gilt, sondern bereits beim Gedanken, den anderen loswerden zu wollen.

Von biblischen Sündenböcken zu modernen Feindbildern

Dass sich solche Gefühle in uns regen, ist menschlich und auch zu erwarten. Entscheidend ist, ob wir die starken Gefühle wahrnehmen, bearbeiten und in eine Haltung christlicher Zugewandtheit übersetzen. Lautstark den Tod eines anderen zu fordern, widerspricht jedenfalls sowohl dem christlichen Menschenbild als auch dem biblischen Gebot der Nächstenliebe.

Dass Menschen Sündenböcke suchen, ist leider so alt wie die Menschheit selbst. Der Begriff stammt aus der Bibel: Am Jom Kippur schickten die Hohepriester einen Ziegenbock symbolisch für die Sünden des Volkes Israel in die Wüste. Damit trug das Tier die Schuld und Sünde der Gemeinschaft weg.

Verschwörungserzählungen scheinen die moderne Variante dieses Rituals zu sein. Nur dass heute kein Tier mehr geopfert wird, sondern "die Eliten” oder "das System” alle Schuld aufgeladen bekommen. Der Effekt ist derselbe: kurzfristige Entlastung. Doch moralisch bleibt es ein Irrweg.