Gendergerechte Sprache und Gottesbild
Die Katholische junge Gemeinde diskutiert über die Einführung eines Gendersternchens, um vom männlichen Gottesbild wegzukommen. Allein der Vorschlag hat einige Wellen geschlagen. Doch wie hält es die Evangelische Jugend? Wir haben nachgefragt.
Zwei Hände berühren sich

Die Nachricht sorgte für Aufsehen: Die Katholische junge Gemeinde überlegt, den Gottesbegriff gendergerecht zu gestalten - und Gott in Zukunft mit Gendersternchen zu schreiben: Gott*. Das sorgte – vorhersehbarerweise – für Reaktionen von Belustigung über Empörung bis hin zu wüsten Beschimpfungen.

Evangelische Jugend: Gendersensible Schreibweise von Gott momentan kein Thema

Die Evangelische Jugend indes diskutiert diese Frage derzeit nicht, jedenfalls nicht auf Bundesebene. Das erklärt eine Referentin der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) gegenüber sonntagsblatt.de. Zwar sei der Evangelischen Jugend bewusst, "dass das androzentrische Gottesbild für viele Kinder und Jugendliche auf ihrem Glaubensweg hinderlich" sein könne. Aber: "Auf Bundesebene diskutieren wir die gendersensible Schreibweise von G*tt momentan nicht", stellt sie klar.

Einige Mitglieder täten dies allerdings durchaus, diese stünden "in ihrer Viefalt" sicherlich auch ganz unterschiedlich zum Thema. Außerdem verweist sie darauf, dass sich die Evangelische Jugend in ihren Beschlüssen gegen Diskriminierung und für die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt einsetze:

"So arbeiten wir in unseren Texten bewusst mit dem Gendersternchen."

Seit 2014: Sensibler Umgang mit geschlechtlicher Identität

Bereits 2014 verabschiedete die Evangelische Jugend einen Beschluss mit der Überschrift "Gendergerechtigkeit ist mehr als Mann oder Frau - Für einen sensiblen Umgang mit geschlechtlicher Diversität in der Evangelischen Jugend". Um den Gottesbegriff ging es dabei aber nicht.

Evangelische Jugend Bayern: Mit der Thematik "nicht befasst"

Die Evangelische Jugend  in Bayern habe sich mit der Thematik Gott* mit Genderstern bisher "nicht befasst", erklärt eine Sprecherin gegenüber sonntagsblatt.de. Es sei auch nichts in Planung. 

Einen bestimmten Grund gebe es dafür nicht:

"Als EJB ist uns gendern schon wichtig, aber die Frage, ob wir es bei Gott machen sollten, hat sich bisher einfach nicht gestellt."

Die Katholische junge Gemeinde gendert in ihren Schreiben auch ("Katholik*innen"). Als Begründung für ihre Überlegungen, auch Gott zu gendern, gaben sie an, dass "immer mehr Gläubige von der Vorstellung eines männlich patriarchalen, weißen Gottesbildes befremdet" seien. Dieses Gottesbild, der sprichwörtliche alte Mann mit dem weißen Bart, greife zu kurz – und erschwere vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott. 

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej)

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) ist der Zusammenschluss der Evangelischen Jugend in Deutschland. Als Dachorganisation vertritt die aej die Interessen der Evangelischen Jugend auf Bundesebene gegenüber Bundesministerien, gesamtkirchlichen Zusammenschlüssen, Fachorganisationen und internationalen Partnern. Ihre derzeit 32 Mitglieder sind bundeszentrale evangelische Jugendverbände und Jugendwerke, Jugendwerke evangelischer Freikirchen und die Jugendarbeit der Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Weiterhin sind acht bundesweit tätige außerordentliche Mitglieder kooperativ angeschlossen. Die aej vertritt laut eigenen Angaben die Interessen von ca. 1,35 Millionen jungen Menschen.

Weitere Artikel zum Thema:

Gendergerechte Sprache und Gottesbild

Ausschnitt aus Michelangelos Bild von Gott, der Adams Finger berührt
Ist Gott ein alter, weißer Mann? Die Katholische junge Gemeinde hält diese Vorstellung für befremdlich – und sucht nach neuen Gottesbezeichnungen, unter anderem auch mit dem Genderstern. Ein anderer katholischer Jugendverband verwendet "Gott*" bereits.

„Sonntags“ – Der kompakte Überblick

Starten Sie mit unserem Newsletter in die Woche.

 
Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.*