Evangelische Hochschule Nürnberg
Laura Krüger und Johannes Bindner studieren im fünften Semester Religionspädagogik und haben im Oktober ihr praktisches Studienjahr in der Schule und in der kirchlichen Bildungsarbeit begonnen. Im Gespräch mit dem Sonntagsblatt erklären sie, wie Religionsunterricht in Zeiten von Corona funktioniert und welche Impulse sie von der Evangelischen Hochschule Nürnberg aus setzen wollen.
Religionspädagogik-Studenten
Johannes Bindner und Laura Krüger studieren in Nürnberg Religionspädagogik.

Johannes hospitiert in einer Bamberger Schulklasse drei Gruppen im Religionsunterricht. "Enger Kontakt zwischen den Kindern wie beispielsweise Gruppenarbeit ist derzeit leider nicht möglich. Es läuft auf

Frontalunterricht meinerseits heraus", bedauert er. Der Unterricht werde aber sehr gut angenommen und werde auch im Kollegenkreis geschätzt. Drei Kinder seiner Gruppen seien erst durch Flucht seit wenigen Jahren in Deutschland und hätten keine christlichen Wurzeln. Gerade die Drei würden reger mitmachen als die Kinder, die mit dem christlichen Bekenntnis aufgewachsen sind.

"Nicht mitmachen beim christlichen Religionsunterricht wollen eigentlich nur die Kinder, deren Eltern Zeugen Jehovas sind", erklärt Bindner.

Zurück zum konfessionellen Religionsunterricht

Nicht nur Corona und die politisch verordneten Begleiterscheinungen in Sachen Hygienevorschriften machen den angehenden Religionslehrern das Arbeiten derzeit recht schwer. Auch wegen der gemischt-konfessionellen Klassen könne er in seinem Fach nicht ganz in die Tiefe gehen.

"Ich höre aber überall, dass man baldmöglichst wieder zum konfessionell getrennten Unterricht zurückkehren will, sodass ich hoffe, bald wieder in der Bandbreite zu unterrichten, wie ich es normalerweise könnte. Das evangelische wie katholische Fähnchen wird weiter hoch gehalten".

Laura unterrichtet an einer Schwabacher Grundschule – gerne, oder manchmal auch notgedrungen ohne jegliche technische Unterstützung. "Das funktioniert gerade bei den jüngeren Schülern aber hervorragend, weil die noch sehr viel Kreativität mitbringen und sich von Erzählungen anregen lassen", berichtet sie.

In höheren Klassen ist dann schon ein höherer medialer Einsatz erforderlich. Generell fehlt es derzeit aber auch an den einfachen Möglichkeiten, die Schüler am Ball zu halten. "Wir können keine Stuhlkreise bilden oder Gegenstände von Hand zu Hand reichen lassen", meint sie.

Haftungspunkte für das Leben

Es werde generell immer wichtiger, die Schüler davon zu überzeugen, dass das, was sie im Religionsunterricht hören, auch relevant für ihr eigenes Leben sein könnte, ergänzt Barbara Wohl, Beauftragte für die praktischen Studiensemester im Studiengang Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit an der EVHN, die Laura und Johannes durch das praktische Jahr begleitet.

So entfalte beispielsweise die Geschichte vom Barmherzigen Samariter nicht mehr alleine als schöne, biblische Erzählung ihre Wirkung. "Als Pädagoge muss ich mich fragen, was diese Geschichte einer 12-Jährigen Schülerin mit auf den Weg geben kann", meint Wohl. Wenn der Religionsunterricht diese Haftungspunkte nicht aufzeigen könne, dann sei er nur Schall und Rauch.

Aus diesem Grund sind die Studenten gerade dabei, einen eigenen kompetenzorientierten Lehrplan zu erstellen, der über die bloße Wissensvermittlung hinaus gehe, sondern sich an der Lebenswelt der Schüler orientiere. Ein Baustein sei, Symbole zu erkennen. Beispiel Weihnachten: Der Stern steht für die Hoffnung. "Von dort aus gehend können sich die jungen Menschen fragen, welche Symbole in ihrem Leben hoffnungsvoll machen", sagt Laura Krüger.

Johannes Bindner wünscht sich eine neue Form des Erzählens von biblischen Geschichten. "Wir wollen die Essenz eines Gleichnisses herausarbeiten und auf die persönliche Situation der Lernenden beziehen." Dass Gott einen liebt, habe vor 2000 Jahren genauso gegolten wie heute. Der offizielle schulische Lehrplan sei natürlich bindend, erklärt Barbara Wohl.

"Aber wir Pädagogen können uns überlegen, welche Deutespuren und Sehhilfen wir den Kindern anbieten."

Zwei Nürnberger Schülerinnen (14 Jahre alt) betonen, wie wichtig ihnen der Religionsunterricht ist. Leonie Vetter mag den Religionsunterricht, weil man dort viel fragen und diskutieren kann. "Als es diese Möglichkeit im Distanzunterricht nicht mehr gab, fand ich es ziemlich langweilig", erklärt sie. "Man erfährt anders als beim Konfirmandenunterricht nicht nur etwas über seine eigene, sondern auch etwas über andere Religionen", sagt Laura Kerekesch.

Man könne auch nicht darauf verzichten, da viele Menschen Vorurteile über Menschen anderer Religion haben, sich selbst aber nie wirklich mit dieser befasst haben.

Weitere Artikel zum Thema:

„Sonntags“ – Der kompakte Überblick

Starten Sie mit unserem Newsletter in die Woche.

 
Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.*

Sonntagsblatt