Unter dem Motto "Eine Reise durch das Meer der Zeit" spannt sich der Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart bis weit in die Zukunft. Pfarrer Rüdiger Popp und die Fürther Künstlerin und Kuratorin Ulrike Irrgang haben gemeinsam ein Konzept entwickelt, das mehr sein will als eine klassische Jubiläumsfeier. Statt einer reinen Rückschau soll das Jahr eine lebendige Zeitreise werden. "Wir wollten nicht einfach nur in der Vergangenheit stehen bleiben", sagt Popp. "Uns hat die Idee begeistert, einen Bogen zu spannen – von gestern über heute bis ins Morgen."

Das Jubiläumsjahr ist bewusst in drei große Themenbereiche gegliedert: 1826, 2026 und 2226. Dieses Dreiklang-Prinzip prägt die gesamte Programmgestaltung. Jede der drei Zeitebenen wird durch eine eigene Ausstellung und durch begleitende Veranstaltungen sichtbar gemacht.

Historische Perspektiven: Wie Fundstücke und Erinnerungen Kirche erzählen

Den Auftakt bildet die historische Perspektive. Besucherinnen und Besucher begegnen dabei der Kirche und ihrer Geschichte auf ungewöhnliche Weise: historische Bilder, Fundstücke aus dem Kirchenraum oder auch eine alte Orgelpfeife erzählen Geschichten aus zwei Jahrhunderten Gemeindeleben. Selbst Engel, die auf dem Dachboden entdeckt wurden, bekommen in einer Station ihre eigene Stimme. "Die Kirche kommt auf unterschiedliche Art zu Wort", erklärt Irrgang. "Die Bilder, die Orgel, aber auch Menschen aus der Vergangenheit erzählen ihre Geschichte."

Im Sommer folgt der Blick ins Heute. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler setzen sich mit der Auferstehungskirche als Ort der Begegnung auseinander. Gleichzeitig werden Stimmen aus der Stadt gesammelt. Für Interviews wurden Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kultur und Gesellschaft befragt. Im Herbst richtet sich der Blick schließlich auf die Frage, wie eine Kirche im Jahr 2226 aussehen könnte. Visionen und Ideen der Gemeinde werden Teil der Ausstellung.

Dass Kunst und Kirche in der Auferstehungskirche eng miteinander verbunden sind, hat Tradition. Seit vielen Jahren organisiert der Arbeitskreis "Kunst & Kirche" Ausstellungen und Projekte im Kirchenraum. "Diese Kirche war immer auch eine Kunst- und Kulturkirche", sagt Popp. "Das prägt uns bis heute."

Musik im Jubiläum: Konzerte und Akzente der Kantorin begleiten das Jahr

Ein wichtiger Bestandteil ist auch die Musik. Die Kantorin der Evangelischen Altstadtkirchen in Fürth, Sirka Schwartz-Uppendieck, wird das Jubiläumsjahr mit zahlreichen Konzerten begleiten und musikalische Akzente setzen.

Auch die Entstehungsgeschichte der Kirche selbst steckt voller überraschender Details. So erinnert Popp an eine ungewöhnliche Spende aus dem 19. Jahrhundert: "Ein Gemeindemitglied hatte im Lotto gewonnen und davon den Kirchturm mitfinanziert." Und auch die jüdische Gemeinde spielte eine Rolle beim Bau der Kirche. Kuratorin Ulrike Irrgang hebt diesen historischen Zusammenhang besonders hervor: "Die jüdische Gemeinde war damals ein selbstverständlicher Teil der Stadtgesellschaft und hat den Kirchenbau mit unterstützt."

Wichtig ist den Organisatoren, dass das Jubiläumsjahr nicht nur auf ältere Gemeindemitglieder blickt. Besonders Jugendliche sollen einbezogen werden – etwa Konfirmandinnen und Konfirmanden, die ihre eigenen Perspektiven auf Kirche und Zukunft einbringen. "Gemeinde verändert sich ständig", sagt Irrgang. "Das Schiff, das wir Gemeinde nennen, fährt durch den Raum der Zeit." Die Idee zu diesem Bild kam ihr aus einem Kirchenlied der 1960er Jahre. Daraus entwickelte sich schließlich das Motto der Zeitreise.

White Cubes in der Kirche: Neue Räume für zeitgenössische Kunst

Ein besonderes Element der Ausstellungen sind sogenannte "White Cubes", die ab November in der Kirche installiert werden sollen. Diese neutralen Ausstellungsräume innerhalb des Kirchenraums geben zeitgenössischen Kunstwerken eine eigene Bühne und eröffnen neue Perspektiven auf das historische Gebäude.

Neben den Ausstellungen sind über das Jahr hinweg zahlreiche Veranstaltungen geplant – von thematischen Gottesdiensten bis zu Konzerten und künstlerischen Aktionen. Ein Höhepunkt wird der Festgottesdienst am 18. Oktober, zu dem Landesbischof Christian Kopp erwartet wird.

Ein klassisches Jubiläumsbuch wird es dagegen bewusst nicht geben. Stattdessen setzen die Organisatoren auf digitale Inhalte, Interviews und interaktive Stationen. "Uns war wichtiger, dass Menschen aktiv teilnehmen und ihre eigenen Geschichten einbringen", sagt Irrgang mit einem Lächeln.

So entsteht ein Jubiläumsjahr, das nicht nur an 200 Jahre Auferstehungskirche erinnert, sondern zugleich fragt, welche Rolle Kirche heute und in Zukunft spielen kann.

Die Fürther Auferstehungskirche im Stadtpark.
Die Fürther Auferstehungskirche im Stadtpark.